Zweieinhalb Stunden hatte man am Montagabend in der Göppinger Stadtbibliothek über die "Geheimsache NSU" debattiert. Schwerpunkt war der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter Ende April 2007 in Heilbronn. Bei der angeblich von den Rechtsextermisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verübten Tat, die ein zweiter Polizist schwer verletzt überlebte, tauchten viele Ungereimtheiten auf.

Licht ins Dickicht der Irrungen und Wirrungen brachten aber auch die drei beteiligten Autoren Frank Brunner (Zeitenspiegel), Rechtsanwalt Manfred Gnjidic und Stern-Journalist Rainer Nübel nicht. Wobei Nübel durch ellenlange Monologe mehr vernebelte als enthüllte, den Abend in die Länge zog und die Zeit für die Diskussion mit dem Publikum deutlich verkürzte.

In dem saßen viele Polizisten, die sich Erhellung in dem mysteriösen Fall erhofften, bei dem sich weder Staatsanwaltschaft noch Kriminalpolizei mit Ruhm bekleckert haben. Ein Gerücht allerdings wurde bestätigt: Es war tatsächlich ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes zur Tatzeit in Heilbronn. Oder zumindest nahe Heilbronn. Das gab Herbert Landolin Müller vom Verfassungsschutz in Stuttgart zu.

Der Dienstfahrt haben allerdings keine rechtsextremen Ermittlungen zugrunde gelegen. Vielmehr sei es um Ermittlungen im Bereich Islamismus und der damals aktiven "Sauerland-Gruppe" gegangen; eine deutsche Zelle der terroristischen Vereinigung Islamische Jihad-Union (IJU). Der Verfassungsschützer sei im Stau stecken geblieben, der sich durch die Aktivitäten der Polizei nach dem Anschlag auf die beiden Polizisten bildete, sagte Müller: "Es gab keine Operation des Verfassungsschutzes in Heilbronn. Meine Leute waren hinter Sauerland her."

Die Fragen, warum die Ermittler den schon kurz nach der Tat erfolgten Zeugenaussagen nicht nachgegangen seien, wonach mehrere mit Blut verschmierte Männer beobachtet worden waren, von denen sich einige im Neckar reinigten, warum die Staatsanwaltschaft nach den Zeugen erstellte Phantombilder nicht veröffentlichte und anderen Spuren nicht nachging, blieben unbeantwortet. Alles in allem "gehören viele Fragen beantwortet", stellte Fritz abschließend fest. Und Verfassungsschützer Müller nickte.