GEDANKEN ZUM SONNTAG: Sodde und sodde

PFARRER WALTER SCHECK, EVANGELISCHE KIRCHE FAURNDAU 11.02.2012

Des isch wia ieberall: da hadds sodde und sodde - so beschrieb eine Helferin die Schar der Gäste, die sechs Wochen lang zur Göppinger Vesperkirche kamen. "Sodde und sodde" - der lapidare schwäbische Ausdruck ersetzt lange Ausführungen über die unterschiedlichen Erfahrungen mit unseren Mitmenschen. Ob die Lehrerin von ihrer Klasse, der Bürgermeister von seinem Gemeinderat, der Angestellte von seinen Arbeitskollegen redet - sie werden von den Angenehmen und den Schwierigen erzählen, von den Gutwilligen und von denen, die an allem was auszusetzen haben

Dies gilt auch für die Gemeinschaft der Christen. Auch da gibt es "sodde und sodde". Martin Luther hat die Kirche einen "corpus permixtum" genannt, also einen "durchmischten Haufen", wie er auch mal sagen konnte. Da gehören nicht bloß die ernsthaft und überzeugend Glaubenden dazu, sondern auch die Nachlässigen, die Zweifelnden und Fehlbaren. Alle Versuche, aus der christlichen Gemeinde unbedingt eine Gemeinschaft von Reinen und Makellosen zu machen, endeten in unmenschlichem Zwang, in Heuchelei, Engherzigkeit und Sektierertum. Denn, Hand aufs Herz, wer kann schon von sich selbst sagen, dass er immer ohne Fehl und Tadel dasteht? Dass er im Glauben und Leben vollkommen sei?

Die Bibel befreit uns da von allen Illusionen. Paulus, der hoch achtbare Apostel, nennt sich selbst einen Sünder. "Da ist kein Unterschied. Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten . . ." schreibt er im Römerbrief. In biblischer Sicht sind wir alle mit einem grundsätzlichen Mangel behaftet. Diese sehr realistische Erkenntnis lässt Stolz und Überheblichkeit nicht aufkommen. Andererseits muss sie aber nicht niederdrückend sein, sondern kann uns Augen und Herzen öffnen für ein großes Geschenk: "Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist" setzt Paulus hinzu. Das heißt: wir sind trotzdem angenommen, trotzdem wertgeschätzt, trotzdem geliebt!

Trotzdem kann und will Gott etwas mit uns anfangen. Das ist das Evangelium, die wahrhaft frohe und befreiende Botschaft. Eigentlich ist das nicht logisch und ganz und gar nicht leistungsgerecht. Es ist eben ein Geschenk, es ist Gnade, es ist Liebe - und wer kann schon Liebe logisch begründen? "Gott lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte" sagt Jesus. Wohin gehören wir? Wir müssen es seinem Urteil überlassen. Ja, wir sind beides: manchmal "sodde" und manchmal "sodde". Kein Grund zum Trübsalblasen! Wir loben die Gnade, die uns trägt und uns was zutraut. Wenn das kein Ansporn ist?

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