GEDANKEN ZUM SONNTAG: Schöpfung bewahren

PFARRERIN BRIGITTE TURNACKER, EVANGELISCHE KIRCHE JEBENHAUSEN 16.06.2012

Der Herr hilft Beiden, Menschen und Vieh! Stimme Gottes. Der Mensch plagt Beides, Menschen und Vieh! Stimme der Erfahrung. (So leitet Christian Adam Dann seinen Aufruf an alle Menschen von 1832 ein.)

Den ersten deutschen Verein gegen Tierquälerei gründete der evangelische Pfarrer Albert Knapp 1837 in Stuttgart. Er war befreundet mit dem geistigen Vater der Tierschutzbewegung Christian Adam Dann, evangelischer Pfarrer in Mössingen und Stuttgart. Knapps und Danns Schriften gegen die Tierquälerei sind in der Gegenwart in Vergessenheit geraten. Auch die Verwurzelung des Tierschutzes im württembergischen Pietismus ist wenig bekannt.

Knapp und Dann waren geprägt von der endzeitlichen Erwartung, die jetzt schon praktisch stückweise, zeichenhaft von frommen Menschen mit Gottes Hilfe umgesetzt wird. "Wenn sich ein Bauer bekehrt, merkt es auch sein Vieh im Stall." Denn, wenn der Prophet Jesaja das Bild vor Auge malt, wie die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken, wie Kühe und Bären beieinander weiden und Löwen Stroh fressen, dann kann dem Schöpfer der Umgang mit den Tieren nicht gleichgültig sein. Weder im Diesseits noch im Jenseits. Daneben galt der pädagogische Grund, dass im liebevollen Umgang mit Tieren auch ein liebevoller Umgang mit Menschen gelernt werden kann. Schon 1838 folgten weitere Tierschutzvereinsgründungen. 1839 wurde die gesetzliche Regelung des Tierschutzes im württembergischen Strafgesetzbuch erreicht. 1881 entstand in Deutschland eine überregionale Organisation, die lokalen Vereine schlossen sich zum Deutschen Tierschutzbund zusammen. Noch Albert Schweitzer hat sich 1919 auf Dann in seiner Tierethik berufen. Heutzutage geht es über den Tierschutz hinaus um Arten- und Umweltschutz, um die Bewahrung der Schöpfung schlechthin.

Die Ideen der Vergangenheit eignen sich aber noch immer. Die moderne theologische Bioethik ist nicht einseitig auf die Verwertung ausgerichtet, sondern will Leben schützen. Der in der Bibel bekundete Gotteswille, die Mitgeschöpflichkeit von allen Lebewesen, das pädagogische von Liebe zum Leben geprägte Bemühen des Menschen, nimmt vorweg, was von Gott gewirkt kommen wird. Das Hoffnungspotential des christlichen Glaubens kann für das wirklich große Problemfeld von Ökologie und Ethik auch heute seine Kraft entfalten. Der Herr erbarmt sich aller seiner Werke (Psalm 145,9). Wenn sich der Schöpfer all seiner Werke erbarmt, so machen seine vernünftigen Geschöpfe, als seine echten Kinder, den sehr natürlichen Schluss, dass wir unseren Lebensstil verändern müssen, um das uns Anvertraute zu bewahren. Das ist für mich ein Kernthema von Ökumene, Entwicklung, Diakonie und Mission.