GEDANKEN ZUM SONNTAG: Leben ohne Furcht

PFARRERIN GABRIELE KROHMER, EBERSBACH-OST 21.04.2012

Nur ein Drittel der Deutschen (33 Prozent - jedoch 74 Prozent der hier lebenden Muslime) glaubt "sehr" oder "ziemlich" an ein Leben nach dem Tod. Zwei Drittel glauben "wenig" oder "gar nicht". Das Vorurteil "je älter desto frömmer" stimmt nicht. Fast doppelt so viele über 60-Jährige als 18- bis 29-Jährige glauben nicht an ein Leben nach dem Tod. Mit zunehmendem Alter werden die Menschen offensichtlich immer skeptischer, was die Hoffnung über das diesseitige Leben hinaus betrifft.

Dieses Ergebnis gibt zu denken. Kein Wunder sind die Kirchen an Ostern leerer als an Weihnachten. Das Fest der Auferstehung Jesu Christi ist einem Frühlingsfest mit Schoko-Hasen und Ostereiersuchen gewichen.

Dabei war es ursprünglich das Hauptfest der Christen, an dem sie den Sieg Gottes über den Tod feierten und bejubelten. Sogar ihre Woche ließen sie mit dem Sonntag beginnen, dem Tag des Herrn, weil Jesus am Ostersonntag auferstanden ist. Christen lebten aus der Hoffnung, dass der Tod und was ihn begleitet, nicht das letzte ist. Jeder Sonntag erinnerte sie an die Auferstehung. Was ist daraus geworden?

Ich stehe in der Leichenhalle. "Gelobt sei der Herr Jesus Christus, der unsere Hoffnung ist in Zeit und Ewigkeit", sage ich und überlege, ob Jesus Christus noch Hoffnung für uns ist angesichts des Todes. Vielleicht brauchen wir keine Hoffnung mehr, weil wir ganz im Diesseits aufgehen.

Und doch rennen wir krampfhaft dem Leben hinterher aus Furcht vor dem Tod. Die Angst vor dem "Aus" macht uns zu Getriebenen. Alter darf nicht mehr sei; auch der 70-Jährige muss noch "jung" sein. Sterben wird verdrängt.

Die Toten aus einem Altersheim, so erzählte eine Bestattungsunternehmerin, sollten zwischen 22 und 6 Uhr durch den Hinterausgang abtransportiert werden. Wie weit hat uns die Angst vor dem Tod getrieben.

Dabei ist Gott doch stärker als der Tod. Er will für uns ein Leben ohne Furcht vor dem Tod und seinen Begleiterscheinungen. Davon erzählt Ostern. An Auferstehung glauben heißt, dass wir jetzt schon hinausschauen dürfen über die Grenzen unserer irdischen Existenz und Gott alles zutrauen. Diese Hoffnung trägt unser Leben, wenn die Ostereier längst gefunden und die Schokohasen geschmolzen sind.

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