Geschirr klappert. Ein Servierwagen wird in die Kirche geschoben. Es riecht nach Essen, Kaffee und nach vielen Menschen. Die Göppinger Stadtkirche ist Gasthaus. Zum 20. Mal wird am 6. Januar die Vesperkirche eröffnet - sechs Wochen lang gibt es jeden Mittag ein schmackhaftes Mittagessen, eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen. Dabei bleibt niemand außen vor, denn alle bekommen für einen Eigenbeitrag im Rahmen der jeweiligen finanziellen Möglichkeiten ein gutes und vollwertiges Mittagessen.

Es geht aber nicht nur ums Sattwerden. Mindestens genauso wichtig ist es, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, einander wahrnehmen. Und das lässt sich gar nicht verhindern, wenn jeden Tag rund 200 Menschen in die Kirche zum Essen kommen. Da sitzt die Verwaltungsmitarbeiterin neben dem Wohnungslosen, die Rentnerin neben dem Bankangestellten. Man wünscht sich einen guten Appetit und redet miteinander. Und so mancher kommt in der Vesperkirche mit Menschen zusammen, mit denen er im normalen Leben nichts zu tun hätte!

Um 12 Uhr nach dem Mittagsläuten gibt es ein paar Minuten Pause in der Essenausgabe. Jemand hält eine Ansprache - zu einem Bibelwort, zu einer Erfahrung, oft recht persönlich und lebensnah. Die Gäste der Vesperkirche danken dafür mit einem Beifall - und dann wird weiter Essen ausgeteilt und gesprochen.

Dass so etwas möglich ist, liegt natürlich an den Veranstaltern und Kooperationspartnern - dem Verein Haus Linde, der Stadtkirchengemeinde Oberhofen und der Wilhelmshilfe. Vor allem aber sind es die rund 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich in ihrer Freizeit der Vesperkirche zur Verfügung stellen. Und nicht zu vergessen die vielen Menschen, die für die Vesperkirche Kuchen backen.

Die Vesperkirche ist eine diakonische Aktion. Sie soll ein Zeichen sein gegen Armut und Ausgrenzung. Aber sie ist auch noch mehr. In ihr klingen die biblischen Geschichten an, in denen Menschen satt geworden sind an Leib und Seele: die Geschichten vom Volk Israel in der Wüste, die Erzählungen von der Speisung der 5000, die Erinnerung daran, wie Jesus mit anderen Menschen gemeinsam gegessen hat. Deshalb ist die Vesperkirche auch eine Erinnerung an die große Hoffnung auf Gottes Reich, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen. Lassen Sie sich auch einladen?