GEDANKEN ZUM OSTERFEST: Göttliches Siegel

PFARRER JÜRGEN SAUTER, GÖPPINGEN ST. MARIA UND CHRISTKÖNIG 30.03.2013

Viele von Ihnen werden das kennen. Wenn man von einem amtlichen Dokument eine beglaubigte Kopie braucht, dann gilt das erst, wenn ein Dienststempel darauf ist. Die Behörde mit ihrer Autorität verbürgt dafür, dass das, was auf dem Dokument steht, der Wahrheit entspricht.

Das ist wichtig, wenn es darum geht, ob jemand getauft ist, verheiratet ist oder ob er eine bestimmte Qualifikation hat oder einen bestimmten Schulabschluss. Denn behaupten kann man viel, doch ist es erst sicher, wenn es mit einem Dienstsiegel beglaubigt ist.

Ganz ähnlich ist es auch mit dem Zeugnis, das Jesus Christus uns gebracht hat. Wenn wir vieles vielleicht heute selbstverständlich nehmen, so dürfen wir nicht vergessen: Nüchtern und mit Abstand betrachtet ist das Zeugnis Jesu zunächst unglaublich. Ein Bauhandwerker aus Nazareth erhebt den Anspruch, Gottes Sohn zu sein und er behauptet, dass Gott jedem Menschen ohne Vorbehalte entgegen kommt, dass seine Liebe unbedingt ist, dass gerade die Sünder gerufen sind und dass das Reich Gottes nahe ist. Dass die selig seien, die keine Gewalt anwenden, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, nicht einer verloren gehen soll - so hat es Jesus im Gleichnis vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Drachme verkündet. Nüchtern betrachtet ist das alles unglaublich.

Sören Kierkegaard, der große Philosoph des 19. Jahrhunderts, hat sogar von einem Ärgernis gesprochen und hat folgenden Vergleich aufgestellt: Man stelle sich vor: der König eines Landes würde plötzlich einen ärmlichen Tagelöhner dazu auserwählen, sein Schwiegersohn zu werden. Würde der Tagelöhner dies glauben? Und vor allem, würden nicht alle den Kopf schütteln, denen er davon erzählen würde? Den Jüngern ging es am Karfreitag wohl ähnlich: Das hätten wir doch gleich ahnen können - werden sie gedacht haben. So sind sie geflohen. Auch vor der Enttäuschung, dass sie einem falschen Zeugnis geglaubt haben.

Doch Jesu Anspruch und Zuspruch, sie waren kein falsches Zeugnis. Er ist der Herr und das Zeugnis von Gottes unbedingter Liebe gilt. Gott selbst hat das alles beglaubigt, beglaubigt durch die Auferstehung Jesu Christi. Die Auferstehung ist das große Dienstsiegel Gottes zu allem, was Jesus gelebt und verkündigt hat. Das leere Grab, der Dienststempel Gottes: Dieses Zeugnis ist wahr. Gott der Vater hat Jesus beglaubigt und bestätigt. Die Jünger haben erkannt, wer das Zeugnis Jesu bestätigt hat und so zogen sie hinaus und riskierten buchstäblich Kopf und Kragen, damit sich dieses Zeugnis ausbreiten konnte.

Es gibt viele schlaue Erklärungen, warum das Christentum sich gegen den Widerstand der römischen Staatsmacht so schnell ausgebreitet hat. Mir scheint aber die Erklärung schlicht am besten, dass ihnen eben der Auferstandene erschienen ist und deshalb konnte sie nichts und niemand mehr von ihrer Überzeugung abbringen: Jesus Christus ist der Herr und sein Zeugnis von der Liebe Gottes ist wahr.

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