Clowntheater Gardi Hutter: Wenn die Todesgeier kommen

Leichenhaus und aus? Nicht so bei Hanna. Sie ist bereits mausetot, doch ihre Seele flattert noch einmal aus dem Sarg. So entsteht ein groteskes Spiel mit dem Tod.
Leichenhaus und aus? Nicht so bei Hanna. Sie ist bereits mausetot, doch ihre Seele flattert noch einmal aus dem Sarg. So entsteht ein groteskes Spiel mit dem Tod. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Kurt Lang 03.12.2018

Der Tod mag ja Schlusspunkt sein im irdischen Leben, doch die Hanna kann sich damit keineswegs anfreunden. Auch wenn sie schon gleich zu Beginn der Aufführung bereits mausetot im Sarg liegt und die Bühne von einem leichenblassen, mit düsterem Gesang einhergehenden Vollmond beleuchtet wird, denkt ihre Seele noch längst nicht daran, dem Jenseits „Hallo, da bin ich“ zu sagen. Ein ums andere Mal nimmt sie Reißaus – flattert zurück ins pralle Leben.

Und da gilt es, mutig den mitunter etwas ungewöhnlichen Gefahren des Alltags zu trotzen, denke man etwa nur an diese drei schwarz gefiederten, furchteinflößenden Todesgeier, die mit ihren scharfen, knochenweißen Sensenschnäbeln der tapferen Hanna zu Leibe rücken.

Freilich zeigten sich in der Pause des Stücks „Gaia Gardi“ nicht wenige E-Werk-Besucher irritiert über das groteske, nicht immer verständliche Spiel mit dem Tod. Doch die Gardi Hutter ist „Clownerin“ (auf diese Berufsbezeichnung legt sie größten Wert!) durch und durch, und Clown-Theater ist halt auch ein bisschen absurdes Theater: Statt mühsam zu versuchen, eine allzu schlüssige Handlung zu ergründen, sollte man einfach seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Hanna wird umgarnt von Trompeten blasenden Schlangen aus dem Jenseits, doch sie bedauert ihr Nichtloslassen vom Erdendasein nach wie vor keineswegs, stimmt sie doch trotzig ein „Non je ne regrette rien“ an. Und erst einmal in Fahrt gekommen, gebärt sie rittlings über dem Sarg nicht weniger als drei Kinder, die sich mitunter als ziemlich plärrende Bälger erweisen. Spitzbübisch grinst Hanna ins Publikum, als wollte sie sagen: „Seht her, so seid ihr doch alle schon mal gewesen“. Noch hält die Clownerin dem Jenseits wacker stand. Selbst als sie als steinerne Statue am eigenen Grab steht, singen die mächtigen Grabsteine unter ihr kämpferisch „We will, we will rock you“.

Doch letztendlich steht selbst für die lebensfrohe Hanna fest: Der Tod ist auch mir gewiss. Ihre Nachkommen schieben bereits einen Kinderwagen über die Bühne. Und wieder beginnt von neuem der Kreislauf des Lebens – bis hin zum Ende.

Verkörpert wurden die im Stück eingebundenen Figuren von Neda und Juri Cainero sowie Beatriz Navarro, die nicht zuletzt durch ihre wunderbare musikalische Begleitung und gediegene Darstellungskunst die Aufführung zu einem mit feinen Farben der Ironie gezeichneten hinreißenden Erlebnis machten. Einmal mehr bot auch bei dieser Seelenwanderung (in acht Stücken war sie am Schluss sieben Mal tot) die Schweizerin Gardi Hutter mal auf prall-derbe, mal luftig-leichte Art Clown-Theater von allerhöchstem Rang.

Am Schluss gab es im Alten E-Werk stürmischen, langanhaltenden Applaus.

Gardi Hutter
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