Kreis Göppingen Gallus gibt FDP-Parteibuch ab

Georg Gallus: Adoptionsrecht für Schwule und Lesben nur im Einzelfall.
Georg Gallus: Adoptionsrecht für Schwule und Lesben nur im Einzelfall.
Kreis Göppingen / JOA SCHMID 24.04.2012
Aus Frust über das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ist Ex-Staatssekretär Georg Gallus aus der FDP ausgetreten. Homosexualität sei Sünde.

Das Wort Gottes ist dem früheren Staatssekretär Georg Gallus aus Hattenhofen allemal wichtiger als Parteitagsbeschlüsse der FDP. Deswegen ist der streitbare 84-Jährige gestern nach 60-jähriger Mitgliedschaft aus der Partei ausgetreten. Seit Jahren macht Gallus Front gegen die Linie der Bundespartei. Zuletzt hatte er mit einer Rücktrittsforderung an Westerwelle mitten im Landtagswahlkampf bundesweit für innerparteilichen Streit gesorgt. Jetzt war es der Frust über das beim Bundesparteitag am Wochenende in Karlsruhe abgesegnete Adoptionsrecht für homosexuelle Paare, das ihn auf die Palme brachte. Das habe ihm als überzeugtem Christen keine andere Wahl gelassen als auszutreten, schreibt der Ex-Vize der Südwest-FDP an Parteichef Philipp Rösler.

In der Partei löst Gallus damit Kopfschütteln aus. Das ficht den Hattenhofener jedoch nicht an. Mit seiner Entscheidung, gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption zu erlauben, liege der Europäische Gerichtshof genau so falsch wie die FDP, wettert Gallus, für den in dieser Frage das Wort Gottes das Maß aller Dinge ist. "Die Bibel sagt uns aber, dass Homosexualität Sünde ist", schreibt er an Rösler. Und: "Wir haben diese Menschen als Christen zu tolerieren, aber eine Verharmlosung dieser Lebensart, besonders Kindern gegenüber, halte ich für verantwortungslos." Er habe einen Änderungsantrag nach Berlin geschickt, wonach Schwulen und Lesben Adoptionen nur im Einzelfall gewährt werden sollen. Sein Antrag werde aber sicher einer Kommission überwiesen und dort beerdigt. "Mir bleibt als überzeugter Christ nur noch der Austritt aus der FDP."

Tatsächlich stieß Gallus mit seiner religiös begründeten Argumentation auch im FDP-Kreisverband auf Befremden. Zwar hatten auch die Kreis-Liberalen einen Änderungsantrag beschlossen, der ein uneingeschränktes Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ablehnt. Stattdessen hatten sie eine Einzelfallprüfung gefordert, die weitere psychosoziale Aspekte im Umfeld des Kindes berücksichtigt. "Die Begründung von Georg Gallus mit Gottesbezug konnten wir aber nicht mittragen", erinnert sich der Delegierte Winfried Hüttl an eine außerordentliche Mitgliederversammlung vor drei Wochen. Im übrigen habe man den Antrag vor dem Hintergrund der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes noch vor dem Karlsruher Parteitag zurückgezogen. Hüttl: "Ich finde es schade, dass er jetzt hingeworfen hat, aber ein Parteiprogramm reduziert sich nicht auf die Inhalte der Bibel."

Das sieht auch FDP-Kreischef Werner Simmling so: "Ich bedaure das zutiefst, wenn einer innerhalb von 60 Jahren so viel für die FDP getan hat wie er." Der Austritt kam für Simmling aber nicht überraschend. Homosexuelle Eltern seien für Gallus schon lange ein Streitthema gewesen. Simmling versteht nicht, warum: "Ich finde es toll, wenn sich zwei Erwachsene liebevoll um Kinder kümmern, das können Lesben und Schwule auch."

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