Göppingen Galina Benevich als neue „Königin der Nacht“

Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 17.07.2018
Gut 20 Solisten aus sechs Ländern sind für die „Zauberflöte“ der Staufer-Festspiele verpflichtet.

Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ von 1791 ist eine Mischung aus Märchen, Zauber, Posse und Idealismus. Zwei Welten stehen sich hier gegenüber: Einerseits das Böse, die Finsternis, verkörpert durch die Königin der Nacht, und andererseits das Gute, das Licht und die humanistische Weisheit, verkörpert durch Sarastro, in dessen Haltung die Freimaurer-Ideen der Zeit Mozarts eingeflossen sind.

Prinz Tamino (mit der Zauberflöte) verliebt sich in Pamina, die Tochter der Königin der Nacht, und beide müssen drei Prüfungen bestehen, um zur Weisheit zu gelangen. Gespiegelt wird der Ernst der Geschichte durch ein zweites Paar, durch Papageno (mit Glocken­spiel und Panflöte) und Papagena. Auch Papageno – in den Aufführungen der Staufer-Festspiele vom Bariton Johannes Mooser gesungen – sollte die Prüfungen bestehen, zeigt jedoch die drollige, lustige Seite der Medaille und bringt das Publikum durch seine Direktheit und seine Vorliebe für leibliche Genüsse zum Lachen.

Mozart hat diese Figuren des Librettisten Emanuel Schikaneder durch die Art seiner Musik und durch das jeweilige Gesangsfach charakterisiert. Ihnen wurden weitere Figuren an die Seite gestellt, die jedoch diesen beiden Bereichen Gut und Böse zugeordnet werden können und sie teilweise überschreiten. So sind insgesamt 20 Solo-Partien in dieser letzten Oper Mozarts zu besetzen – eine Herausforderung.

Der Intendant und Regisseur der Staufer-Festspiele, Alexander Warmbrunn, hat dazu internationale Stars aus sechs Nationen verpflichten können sowie die beiden in Göppingen bekannten Solistinnen Jessica Eckhoff (Pamina, Sopran) und Vanessa Maria Looß (Zweite Dame, Sopran). Dass inzwischen offenbar auch Intendanten aus anderen Opernhäusern zu den Staufer-Festspielen kommen, um sich Stimmen anzuhören, macht die Verantwortlichen stolz. Dies zeige, dass man sich einen Ruf weit über die Region hinaus erworben habe.

Die wohl schwierigste und gefürchtetste Partie mit ihren halsbrecherischen Koloraturen bis zum hohen dreigestrichenen F hat die Königin der Nacht, die tragisch untergeht, zu bestreiten. Die junge Sopranistin Galina Beverich aus Moskau singt an der Staatsoper Breslau und ist laut Veranstalter auf dem Weg zu einer großen Karriere. Mit ihrer perfekten Gesangstechnik und einer immensen Bühnenausstrahlung habe sie beim Vorsingen gepunktet, heißt es.

Während die Königin der Nacht die alte Ordnung vertritt, steht die Gegenfigur Sarastro für eine aufgeklärte Menschlichkeit. Timo Riihonen singt derzeit als finnischer Basso profondo an allen großen Häusern wie der Mailänder Scala oder der Berliner Philharmonie und aktuell bei den Bayreuther Festspielen. Warmbrunn hat mit ihm gemeinsam am Opernhaus Zürich gearbeitet.

Tamino wird durch Maximilian Mayer verkörpert, der am Staatstheater München mehrfach diese Partie gesungen hat und den der Regisseur dort hörte. Jessica Eckhoff, festes Ensemble-Mitglied der Festspiele, habe Warmbrunn vor 17 Jahren mit der Arie „Ach, ich fühl’s“ vorgesungen, und es sei ihm „kalt über den Rücken gelaufen“, so ergriffen sei er gewesen. Deshalb ist sie im September auch seine Wunschbesetzung für die  Figur der Pamina.

Junge Stimmen aus Calw

Sängerknaben Außer den drei Damen kommen in der Oper auch drei Knaben vor, die helfend ins Geschehen eingreifen. Sie sind mit Solisten der Aurelius-Sängerknaben Calw besetzt, die diese Partien bereits an den Staatsopern Stuttgart und München sowie an der Semperoper in Dresden gesungen haben.

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