Böhmenkirch / Thomas Hehn  Uhr
Auch bei SAM-Nachfolger Fysam knirscht es zwischen Geschäftsführung und IG Metall. Am Dienstag gibt es erste Warnstreiks.

Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Geschäftsführung über einen neuen Haustarifvertrag beim Automobilzulieferer Fysam Auto Decorative GmbH (ehemals SAM beziehungsweise Binder) sind ins Stocken geraten. Nachdem die Geschäftsführung in der mittlerweile dritten Verhandlungsrunde immer noch kein Angebot vorgelegt hat, ruft die IG Metall die 450 Beschäftigten in den beiden Fysam-Werken auf den Heidhöfen am Dienstag zu einem Warnstreik auf.

„So geht man nicht miteinander um“, schimpft Gewerkschaftssekretär Manuel Schäfer. Erst habe Fysam versprochen, ein Angebot vorzulegen „und dann kommt die Geschäftsleitung nach zwei Monaten und sagt, man hat kein Geld. Das bedeutet, dass die Leute im Schnitt 240 Euro weniger im Monat verdienen als bisher“.

Alter Haustarif ist Ende 2018 ausgelaufen

Dabei habe man dem neuen Besitzer ausdrücklich Zeit gelassen, ärgert sich Schäfer. Der alte Haustarifvertrag, im Juli 2017 noch zwischen IG Metall und der alten Geschäftsführung bei SAM abgeschlossen, ist bereits Ende 2018 ausgelaufen. Aufgrund der Insolvenz von SAM und der damit verbundenen Suche nach einem neuen Eigentümer geriet der Haustarif ins Hintertreffen. Nach der Übernahme durch den chinesischen Konzern Fuyao wollte die Gewerkschaft die Verhandlungen wieder aufnehmen. Durch einen Wechsel in der Chefetage (für Sunny Sun von Fuyao ist inzwischen der ehemalige VW-Mann Dr. Dirk Täger Geschäftsführer bei Fysam) kam es zu weiteren Verzögerungen.

„Verhandelt wird damit erst seit Anfang Mai“, berichtet Schäfer. In der ersten Verhandlungsrunde habe die Geschäftsführung noch ein Angebot in Aussicht gestellt, in der dritten Runde habe Täger dann plötzlich erklärt, für eine Lohnerhöhung sei kein Geld vorhanden. Stattdessen habe Täger sogar gefordert, dass die Beschäftigten ein Jahr auf jegliche Lohnerhöhung verzichten sollten. In dieser Zeit wolle er umstrukturieren und auch Mitarbeiter entlassen.

Höherer Stundenlohn gefordert

Das will sich die Gewerkschaft nicht gefallen lassen und fordert neben  1,37 Euro mehr Stundenlohn für jeden Beschäftigten noch Urlaubsgeld für alle in Höhe von 50 Prozent pro Urlaubstag und 500 Euro mehr Weihnachtsgeld als 2018. Um der Forderung vor der vierten Verhandlungsrunde am Donnerstag Nachdruck zu verleihen, sind am Dienstag zunächst die 450 Beschäftigten in den Werken 2 und 10 auf den Heidhöfen aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Die Früh- und Normalschicht soll ab 11 Uhr zu einer Kundgebung vors Werkstor, die Spätschicht um 19.30 Uhr und die Nachtschicht um 3 Uhr nach Hause gehen. Weitere Warnstreiks sollen folgen.

78 befristete Arbeitsverträge nicht verlängert

Neben den stockenden Tarifverhandlungen bereitet der Kurs der neuen Geschäftsleitung der Gewerkschaft auch sonst Sorgen. Schäfer zufolge investiert Fuyao zwar in sein neues Geschäftsfeld - bislang allerdings nur in Um- und Neubauten, aber nicht in Personal.

Im Gegenteil: Nach Angaben der Gewerkschaft wurden erst jetzt insgesamt 78 befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. „Dabei hatte man den Leuten bis zuletzt versprochen, dass sie weiter beschäftigt werden“, wirft Schäfer der Geschäftsführung „unmenschliches Verhalten“ vor.

Die Geschäftsleitung von Fysam war gestern bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.