Göppingen Fußballer werden bei Raubversuch verletzt

Göppingen / CHRISTINE BÖHM 14.06.2012
Zwei 18-Jährige aus Göppingen wollten im Januar einen 21-Jährigen ausrauben und haben ihn dabei verletzt. Beide müssen nun Arbeitsstunden ableisten.

Ein 18-Jähriger und sein heute 19-jähriger Freund mussten sich in dieser Woche vor dem Göppinger Amtsgericht verantworten. Ihnen wurde zur Last gelegt, im Januar einen 21-Jährigen aus Zell u. A. schwer verletzt zu haben. Sie sollen versucht haben, ihn auszurauben. Die Angeklagten sagten, sie wollten sich in der Nacht im Januar mit dem ihnen nicht bekannten Zeller ein Taxi teilen. Dieser habe jedoch abgelehnt und sie beleidigt. Die beiden jungen Männer gaben zu, ihn zu Boden geschlagen zu haben. Den versuchten Raub gestanden sie nicht. Der Geldbeutel des Geschädigten sei auf dem Boden gelegen. Sie hätten ihn nur aufgehoben, weil sie nicht gewusst hätten, wem er gehört.

Der Geschädigte schilderte die Situation vor dem Jugendrichter Wolfgang Rometsch: Der 21-Jährige feierte in dieser Nacht den Turniersieg seiner Fußball-Mannschaft. Nachdem die sechs Freunde in mehreren Göppinger Kneipen waren, aßen sie noch etwas in einer Pizzeria am Busbahnhof. Kurz vor 6 Uhr wollte der Zeller nach Hause, ging schon einmal voraus und kümmerte sich am Bahnhofsvorplatz um ein Taxi. Weil er keines fand, das groß genug für ihn und seine fünf Kumpels war, ging er zurück zur Gaststätte. "Ich habe die beiden aus dem Augenwinkel gesehen, mir aber nichts dabei gedacht", sagte der Geschädigte. Er lief weiter und hörte Pfiffe.

Die beiden 18-Jährigen fragten, ob sie sich ein Taxi teilen wollten. Das lehnte der Zeller ab. Er sei mit seinen Kumpels unterwegs und habe kein Interesse. Doch die beiden Angeklagten, die nach Hause ins Bodenfeld wollten, ließen nicht locker. Er sollte mitfahren und bezahlen. "Dann haben sie mich auf den Boden gedrückt. Einer hatte sein Knie auf meiner Brust, drehte mich zur Seite und einer von beiden zog mir den Geldbeutel aus der Hosentasche", sagte der 21-Jährige. Als er nach seinen Kumpels rief, bekam er einen Schlag ins Gesicht.

Die fünf Fußballer rannten zu ihrem Freund. Als die Angeklagten bemerkten, dass sie in der Unterzahl waren, warfen sie den Geldbeutel zurück. "Einer hat uns angeschrien, dass wir das Geld doch zurückhätten. Für sie war damit wohl alles erledigt", erzählte der Geschädigte. Die Fußballer riefen die Polizei. Einer der Angeklagten fühlte sich bedroht, zerbrach eine am Boden stehende Bierflasche und griff damit einen der Fußballer an. Dieser wehrte die Schläge des 18-Jährigen ab. Sein Pulli zerriss, der 28-Jährige wurde am Arm verletzt. Die Polizei fand die Flüchtenden wenig später bei der Göppinger Sonnenbrücke.

Almut Brodführer von der Jugendgerichtshilfe sagte, beide seien bisher strafrechtlich unauffällig gewesen und hätten jetzt einen Ausbildungsplatz bekommen. Ein Verteidiger forderte, seinen Mandanten freizusprechen. Er hätte keinen Raub begangen. Der Geldbeutel habe schon am Boden gelegen.

Richter Rometsch verurteilte die beiden Angeklagten zu gemeinnütziger Arbeit. Der 19-Jährige ist des Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Er muss 80 Arbeitsstunden leisten. Sein Freund, der mit der Flasche um sich geschlagen hatte, habe zusätzlich gefährliche Körperverletzung begangen. Er muss 110 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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