Wirtschaft Fusion der Volksbank soll im Herbst stehen

Helge Thiele 21.07.2017
Im November sollen die Vertreterversammlungen der Volksbank Göppingen und der Volksbank Stuttgart grünes Licht für den Zusammenschluss geben.

Bei einem Treffen von Bankvorständen aus der Region im Frühjahr in Göppingen hatte der heiße Flirt begonnen. „Wir sollten uns mal unterhalten“, habe er zu seinem Göppinger Kollegen, Volksbank-Chef Dr. Lukas Kuhn, gesagt, berichtete am Freitag Hans Rudolf Zeisl. Der 63-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der Volksbank Stuttgart – und stolz darauf, „dass unsere Gespräche nicht bekannt geworden sind“. Aus dem Flirt wurde alsbald eine  „Sondierung in sehr guter Atmosphäre“. Schon nach wenigen Wochen war klar: Die Volksbanken Stuttgart und Göppingen, beide im Jahr 1865 gegründet, streben eine gemeinsame Zukunft an.

Die Beschlüsse der Aufsichtsräte beider Banken liegen seit wenigen Tagen vor. Nun können die offiziellen Verhandlungen beginnen. Am Freitag fand in der Zentrale des Stuttgarter Geldinstituts eine  gemeinsame Pressekonferenz statt, bei der erste Details der geplanten Fusion erläutert wurden: Demnach handele es sich nicht um die Übernahme eines schwächeren durch ein stärkeres Unternehmen, sondern   um eine strategische Hochzeit zweier starker Partner.  „Beide Unternehmen sind kerngesund, aber gemeinsam geht’s besser“, sagte Zeisl und wies auf die enormen Herausforderungen hin, vor denen gerade auch die genossenschaftlichen Banken im Land stünden. Da gibt es die Digitalisierung der Dienstleistungen, die „überbordende Regulatorik“ sowie die „extremen Kapitalmarktverhältnisse“ in Folge der wohl anhaltenden Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. „In Verbindung mit der im Südwesten traditionell hohen Wettbewerbsintensität resultiert daraus ein enormer Kosten- und Ertragsdruck, insbesondere auf kleinere und mittlere Banken“, sagte der Chef der Volksbank Stuttgart. Um trotzdem die regionale Aufstellung, die Präsenz in der Fläche und die Nähe zum Kunden auch in Zukunft leisten zu können, müssten entsprechende Strukturen geschaffen werden. „Wir brauchen dafür größere Einheiten“, betonte Zeisl.

Das Vorstands-Team der Volksbank Göppingen, Lukas Kuhn und Hermann Sonnenschein, erklärte, die kombinierte Kapitalbasis beider Institute eröffne beispielsweise „weiteren Spielraum für die Unternehmensfinanzierung der mittelständischen Kunden“. Dank der größeren Einheit wäre man zudem „in der Lage, neben unseren Bilanz- auch die Kostenstrukturen weiter zu verbessern“. Die Volksbank Göppingen hat aktuell 370 Mitarbeiter und weist eine Bilanzsumme von 2,2 Milliarden Euro auf, die Stuttgarter Bank zählt 1138 Beschäftigte, die Bilanzsumme liegt bei 6,4 Milliarden.

Fusionsbedingte Entlassungen soll es keine  geben. Nur die natürliche Fluktuation wolle man weiter nutzen, um Stellen abzubauen. Die bestehenden Geschäftsstellennetze sollen erhalten bleiben. Die Volksbank Göppingen baut ihr Netz gerade um, indem sie unterschiedliche  Filialtypen schafft. Manche Niederlassungen sind nicht mehr jeden Tag geöffnet, Kunden werden dort aber weiterhin beraten.

Für September und Oktober sind weitere interne Infoveranstaltungen geplant. Im Spätherbst wollen sich die Vorstände auf außerordentlichen Vertreterversammlungen in Göppingen  (15. November) und  Stuttgart (20. November) das entscheidende grüne Licht für die Fusion holen. Am 1. Januar 2018 könnte die neue Bank starten, bis zum Juni sollen dann die Konten aller Kunden zusammengeführt werden. Vieles spricht dafür, dass sich die Kunden im Kreis Göppingen dann an den Namen „Volksbank Stuttgart“ gewöhnen müssen.