Wirtschaft Fusion der Volksbanken ist geplatzt

Die Göppinger Volksbank bleibt Göppingerin: Die Fusionsverhandlungen mit Stuttgart sind gescheitert. Beide Institute wollen aber künftig enger zusammenarbeiten. 
Die Göppinger Volksbank bleibt Göppingerin: Die Fusionsverhandlungen mit Stuttgart sind gescheitert. Beide Institute wollen aber künftig enger zusammenarbeiten.  © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Susann Schönfelder 14.11.2017
Der geplante Zusammenschluss zwischen den Volksbanken Göppingen und Stuttgart ist gescheitert. Beide Institute wollen aber künftig intensiver zusammenarbeiten.

Der geplante Deal ist geplatzt: Nach mehrmonatigen Verhandlungen beenden die Volksbank Göppingen und die Volksbank Stuttgart ihre Fusionsgespräche. Das teilte gestern Nachmittag das Göppinger Vorstandsduo Dr. Lukas Kuhn und Hermann Sonnenschein mit. Die Ursachen für das Scheitern bleiben für die Öffentlichkeit unklar. Beide Seiten hätten „kein abschließendes, gemeinsames Zielbild“ finden können, nannten die Banker als Grund für das Aus der geplanten Hochzeit. Weitere Angaben machten sie nicht.

Die Institute hätten jedoch vereinbart, künftig in mehreren Geschäftsfeldern wie dem Kreditgeschäft intensiver zusammenzuarbeiten. Die Vorstände beider Banken machen  deutlich, dass noch nicht aller Tage Abend ist: „Vor dem Hintergrund der mittelfristig zu erwartenden strukturellen Veränderungen in der genossenschaftlichen Gruppe halten wir es unverändert für sinnvoll, die Türen gegenseitig offen zu halten.“

Die Verbindung der Volksbank Göppingen und der Volksbank Stuttgart sollte ursprünglich dieser Tage besiegelt werden. Die außerordentlichen Vertreterversammlungen mit der Abstimmung waren am 15. November in Göppingen und am 20. in Stuttgart geplant. Der Flirt zwischen beiden Banken hatte im Frühjahr dieses Jahres begonnen, im Juli gaben die Führungsriegen beider Häuser – im Einvernehmen mit den Aufsichtsräten – bei einer Pressekonferenz erste Details der geplanten Fusion bekannt und betonten, dass es sich nicht um die Übernahme eines schwächeren durch einen stärkeren Partner handle. Am 1. Januar 2018 sollte die neue Bank starten, bis zum Juni die Konten aller Kunden zusammengeführt werden.

Die euphorische Ankündigung sorgte jedoch von Anfang an für jede Menge Unruhe. Vor allem die Mitarbeiter der Göppinger Volksbank machten sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Für Aufsehen sorgte auch ein Brandbrief des Ex-Vorstandssprechers Dr. Peter Aubin, der scharfe Kritik an den Plänen  – und an den beiden Vorständen Kuhn und Sonnenschein  – übte. Auch so mancher Vertreter sah keine Vorteile für die Göppinger Volksbank.

Kuhn und Sonnenschein betonen in der aktuellen Pressemitteilung, dass die Fusionsverhandlungen „äußerst vertrauensvoll, zielführend und – trotz der unterschiedlichen Institutsgrößen – stets auf Augenhöhe“ verlaufen seien. Anfangs habe man mögliche Chancen und Synergien schnell herausarbeiten können, doch dann habe sich gezeigt, dass der Zeitplan nicht zu halten sei. Die Abstimmung in den Vertreterversammlungen wurde auf Frühjahr 2018 verschoben. Nun ist alles Makulatur. In einem Schreiben an die Vertreter, das der NWZ vorliegt, machen Kuhn und Sonnenschein deutlich: „Wir sehen eine Fusion ganz sicher nicht als Mittel zum Zweck. Aber angesichts der vielfältigen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, halten wir es weiterhin für sehr wichtig, diese Alternative ernsthaft ins Auge fassen zu können.“ Die Vorstände betonen, dass sowohl die Volksbank Göppingen als auch die Volksbank Stuttgart wirtschaftlich gesund seien und unter keinem Fusionsdruck stünden. Dennoch seien die Verantwortlichen beider Banken von der „grundsätzlichen Notwendigkeit“ überzeugt, die genossenschaftlichen Kräfte zu bündeln. „Aus diesem Grund schließen wir eine weitergehende Zusammenarbeit in Zukunft auch nicht aus“, so die beiden Göppinger Vorstände.

„Angesichts der vielen positiven, aber auch kritischen Anmerkungen“ zu den Fusionsgesprächen wollen Kuhn und Sonnenschein die Vertreter nicht nur mit einem Schreiben, sondern zusätzlich mit einer Veranstaltung am 12. Dezember in der Göppinger Volksbank-Zentrale rund um das  Thema Zusammenschluss und die künftige strategische Ausrichtung der Volksbank informieren.

Einer, der sich gestern über das Aus für die Fusionsgespräche mit Stuttgart freute, war der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till: „Ich kenne die Hintergründe nicht. Aber ich begrüße es sehr, dass die Volksbank Göppingen eine Göppinger Bank bleibt“, sagte der Rathauschef, der sich von Anfang an kritisch zu den Plänen geäußert hatte. Das Institut habe von der Größe her das Zeug, als eigenständige Bank für die Kunden vor Ort tätig zu sein.