Percussion Fulminantes Abschlusskonzert auf Filseck

Uhingen / Ulrich Kernen 30.07.2018
Schlagzeuger Martin Grubinger lieferte beim Finale des Sommerfestivals Schloss Filseck ein fulminantes Abschlusskonzert mit.

Schloss Filseck: Schlusskonzert & Feuerwerk“ – so stand es im Programmheft des Abschlusskonzertes des Sommerfestivals „Musik auf Schloss Filseck“, und niemand ahnte vorab, dass es sich um zwei Feuerwerke handelte. Denn was der österreichische Percussionist Martin Grubinger mit seinem schwedischen Klavierkollegen Per Rundberg und seinen Schlagzeugfreunden Rainer Furthner und Slavik Stakhov darbot, war auch „Feuerwerk“ pur – nur mit anderen Mitteln.

Martin Grubinger eröffnete das Konzert mit der „Toccata“ von Anders Koppel, einem Standardwerk für alle Marimbaspieler. „Toccata“ heißt in der Musik alles, was frei und virtuos angelegt ist und sich dadurch in der Nähe zur „Fantasie“ bewegt. Zusammen mit Per Rundberg setzte er mit kraftvollen Rhythmen ein, die immer wieder durch hauchzarte Einwürfe des Vibraphons kontrastiert wurden – das Publikum lauschte mit angehaltenem Atem.

Das anschließende Stück stammte von dem berühmten griechischen Komponisten Iannis Xennakis. Grubinger nannte ihn „den Schutzheiligen aller klassischen Schlagzeuger“. Sein „Psappha“ betiteltes Stück verlangte sechs Instrumentengruppen (für einen Spieler!). Die Vielfalt der Klänge war eingebunden in strenge rhythmische Blöcke, zwischen denen ausgedehnte Pausen eingelegt wurden, um sie dann durch markerschütternde Fortissimo-Schläge zu beenden.

Eine weitere Ebene betrat Grubinger mit der Wahl des nächsten Werks aus der Feder seines Vaters: „Aus dem Leben einer Trommel“ (2003) für Snare Drum solo. Der Sohn zeichnete mit diversen Instrumenten ihren „Lebensweg“ nach, von der braven Kindheit über die eher chaotische Pubertät bis zum gesetzteren Alter und dann unversehens zur ausbrechenden Midlife Crisis – in kleinsten Wendungen bis hin zu artistischen und poetischen Aktionen.

Das regte die Fantasie der Zuhörer an. Wer aber glaubte, das ließe sich nicht mehr steigern, wurde durch „One Study“ von John Psathas eines Besseren belehrt. Synchronisiert mit elektronischen Einspielungen waren die Künstler tempomäßig bis ins kleinste Detail fixiert. Eine wichtige Rolle spielte eine Wand aus Alltags- und Haushaltsgeräten, die zu Instrumenten umfunktioniert wurden. Mit schlafwandlerischer Sicherheit hüpfte Grubinger hin und her und spielte mit Händen und Füßen.

Zum Schluss kündigte er einen „40minütigen wilden Ritt“ an; gemeint war die „Prismatic Final Suite“ von Martin Grubinger, eine Sammlung berühmter Stücke für Schlagzeug. Immer wieder artete der wilde Ritt in einen „Höllenritt“ aus, auf dem die vier Künstler im Laufschritt über die Bühne fegten. Durch raffinierte Licht­effekte spielte Grubinger einmal sogar auf einem virtuellen Schlagzeug! Trotz einiger erholsamer Swingeinlagen war die Aufnahmefähigkeit des Publikums nun an ihrer Grenze. Die Zugabe hatte mehr mit Sport als mit Musik zu tun – man hätte sie ohne weiteres in einem Zirkusprogramm unterbringen können. Dann ging man zum Feuerwerk vors Schloss: ein Gesamtkunstwerk?

Klangstäbe aus Palisanderholz

Die Marimba gehört zu der Familie der Schlagstabspiele und hat einen Tonumfang von bis zu 5 ½ Oktaven (Klavier: 7 ½). Sie hat im Gegensatz zum Vibraphon Klangstäbe aus Holz (Palisander), von denen jeder an ein senkrechtes Resonanzrohr angeschlossen ist. Ihre Länge bestimmt die Tonhöhe. Der Spieler benutzt meist einen oder zwei Schlägel in jeder Hand. Heimat der Marimba ist Afrika. Über Guatemala, wo sie heute das Nationalinstrument ist, kam sie nach ganz Südamerika. Auch in Japan ist sie weit verbreitet. Als eine der weltweit bekanntesten Spielerinnen gilt Keiko Abe. Aber auch Martin Grubinger ist als Virtuose auf der Marimba bekannt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel