Göppingen Fünf musikalische Winde PentAnemos in der Göppinger Stadthalle

ULRICH SCHLECHT 14.06.2012
Das Bläserquintett PentAnemos gastierte in der Göppinger Stadthalle und brachte überwiegend unbekannte Kompositionen zu Gehör.

Zwar gönnt sich das Bläserquintett PentAnemos im Namen eine modische Binnenmajuskel, aber am Beginn seines Programms in der Göppinger Stadthalle stand ganz herkömmlich eine Ouvertüre. Mit dem damit eröffneten Konzert beschlossen die jungen Musiker die laufende Saison der Meisterkonzerte des Kulturkreises.

Und dass die fünf Winde, die der Ensemblename beschwört, gelegentlich ihren Erzeuger wechseln, erwies sich daran, dass die auf dem Programmzettel ausgedruckte Fagottistin durch einen Kollegen vertreten wurde. Am Dienstagabend wirkten also als Windmacher: Hanna Petermann (Flöte), Jörg Schneider (Oboe), Claudia Sautter (Klarinette), Ulrike Hupka (Horn) und Martynas edbaras (Fagott).

In einem Brief an den Vater meinte Wolfgang Amadeus Mozart, auch als 26-Jähriger noch ein frecher Lausbub, sein Kollege Muzio Clementi habe "um keinen kreutzer geschmack noch empfindung". Dennoch scheute er sich nicht, Jahre später ein Thema aus einer Clementi-Sonate für die Fuge in seiner Zauberflöten-Ouvertüre zu verwenden. Mit flüssigem Tempo, dynamisch bestens gestaltet und sehr geschlossen phrasiert, hätte der Vortrag von PentAnemos gewiss auch dem kritischen Komponisten gefallen.

Das Opus 43 von Carl Nielsen wurde im Jahr 1922 speziell für Bläserquintett geschrieben. Im Kopfsatz spielte das Fagott die Hauptrolle in einer Art lebhafter Gesprächsrunde, die gelegentlich auch wie ein Hühnerhaufen wirkte und als Leitmotiv von einem absteigenden Dur-Dreiklang durchzogen war. Der zweite Satz trägt zwar die Bezeichnung Menuett, doch bekam der höfische Tanz immer wieder eine neoklassisch-komische Attitüde. Und der abschließende Variationensatz über ein eigenes Choralthema gab den Spielern viele Möglichkeiten, ihre jeweiligen Instrumente in unterschiedlichen Mixturen darzustellen. Da durfte auch die sich ansonsten sehr dezent einordnende Hornistin solistisch etwas die Zügel schießen lassen.

Giulio Briccialdi, ein 1818 geborener italienischer Flötist, lässt in seinem Quintett D-Dur op. 124 viel italienischen Belcanto hören. Als ob es Paraphrasen über Donizetti- oder Verdi-Opern wären, zauberte das Ensemble Wohlklang in den Raum oder steigerte wie vor einem dramatischen Opernhöhepunkt Lautstärke und Tempo. Aus dem 20. Jahrhundert stammt "Opus Number Zoo" von Luciano Berio, der vier Gedichte der Operndirektorin und Kinderbuchautorin Rhoda Levine mit den Titeln "Tanz in der Scheune", "Das Pferd", "Die Maus" und "Die Kater" musikalisch ausdeutet und dazwischen von den Spielern rezitieren lässt. Zum Abschluss also ein bejubelter Spaß, der auch bedenkenswerte Inhalte transportierte.