Die Stadt Göppingen tut sich schwer damit, die Spitzenposten in ihrem Baudezernat zu besetzen. Schon bei der Wahl des Baubürgermeisters im Frühjahr hatte es zwar eine Liste mit 20 Bewerbern gegeben, der Gemeinderat hielt aber keinen davon für geeignet. So kandidierte der bereits auf den Ruhestand zusteuernde Amtsinhaber Helmut Renftle doch – und blieb im Amt.

Die Misere scheint sich zu wiederholen. Denn der Chefsessel im Fachbereich Stadtplanung/Stadtentwicklung ist seit Februar verwaist, und das wird auch über die Sommerpause hinaus so bleiben. Sieben Kandidaten hatten sich gemeldet, drei kamen in die engere Wahl. Eigentlich sollte der Gemeinderat den Chef-Stadtplaner in der vergangenen Woche wählen. Doch der Gemeinderat zog die Notbremse und beschloss: Die Stelle wird neu ausgeschrieben, „weil nach Ansicht der Gemeinderatsmehrheit keiner der Bewerber dem ausgeschriebenen Stellenprofil vollumfänglich entsprochen hat“, wie der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till auf Anfrage erklärte.

Dabei war unter den Bewerbern ein alter Bekannter: Der Eislinger Baudezernent Jürgen Gröger, der vor seiner Wahl zum Bürgermeister das Hochbauamt der Stadt Göppingen leitete. Gröger ist in Eislingen seit mehr als acht Monaten krank geschrieben, bewarb sich aber aus dem Krankenstand heraus um den Posten des Stadtplaners an seiner alten Wirkungsstätte Göppingen. Das sorgt für Gesprächsstoff. Die Eislinger Stadträte und Oberbürgermeister Klaus Heininger hatten auf Umwegen von Grögers Bewerbung auf den Posten des Stadtplaners erfahren. „Herr Gröger hat mich nicht informiert“, erklärt Heininger auf Nachfrage der NWZ.

Nach Informationen aus Gemeinderatskreisen stand der Baubürgermeister, der sein Amt in Eislingen im März 2016 angetreten hatte, seit Längerem in der Kritik, weil seine Anwesenheitszeiten im Rathaus und seine Arbeitshaltung zu wünschen übrig gelassen haben sollen. „Wir hatten große Hoffnungen in Herrn Gröger gesetzt und sind enttäuscht“, sagt ein Stadtrat, der namentlich nicht genannt werden will. Innerhalb des Baudezernats sei es nicht rund gelaufen, das Vertrauensverhältnis Grögers zu den Amtsleitern nachhaltig gestört, bestätigt ein anderer Stadtrat. Aus mehreren Quellen wurde der NWZ zugetragen, dass auch der Personalrat wegen der Probleme innerhalb des Dezernats interveniert habe. OB Heininger habe dem Beigeordneten „alle Brücken gebaut und jede erdenkliche Hilfe angeboten“, meint dazu ein Stadtrat.

Vertreter der Gemeinderatsfraktionen hätten ebenfalls mit dem Baubürgermeister gesprochen und versucht, eine konstruktive Lösung der Probleme zu finden. Schließlich habe der Ältestenrat des Gemeinderats beschlossen, Gröger nahezulegen, sich nach einer anderen Stelle umzusehen.

Gröger selbst will sich weder zu seiner Bewerbung in Göppingen noch zu der deutlichen Kritik aus Eislingen äußern. Ein bereits vereinbartes Gespräch in der NWZ-Redaktion sagte Gröger am Vorabend mit der Begründung ab, er werde sich zu „spekulativen Angaben“ nicht äußern. Die „Informationen zu meinem Verhältnis zum Eislinger Gemeinderat sind offensichtlich nicht zutreffend“, teilte der 48-Jährige stattdessen schriftlich mit. Während Grögers Abwesenheit leitet Stadtplaner Dirk Ringleb das Eislinger Baudezernat. Die Ämter seien jetzt sehr gut organisiert, heißt es aus Gemeinderatskreisen. „Es läuft sehr gut“, bestätigt Klaus Heininger.

In Göppingen sollen sich nun neue Kandidaten vorstellen. Noch vor der Sommerpause Ende Juli werde der Gemeinderat eine Entscheidung treffen, kündigte Oberbürgermeister Till an. Offen ist allerdings, wann der neue Stadtplaner dann seinen Dienst in Göppingen antreten wird.

Das Thema Göppingen hat auch Jürgen Gröger offenbar immer noch nicht abgehakt: „Meine Verbindungen nach Göppingen sind nach wie vor gut, so dass die Möglichkeit besteht, dass ich für die eine oder andere Position als ,Favorit’ gelten könnte. Weiteres kann ich auch hierzu nicht sagen“, teilte er mit.