Göppingen Führung durch die Mauch’sche Villa

Wieland John (l.) und Margit Haas gaben Einblicke in die Privatvilla des Göppinger Apothekers Friedrich Mauch. Im „Falkenturm“ sorgten vor allem die Wandgemälde für Bewunderung.
Wieland John (l.) und Margit Haas gaben Einblicke in die Privatvilla des Göppinger Apothekers Friedrich Mauch. Im „Falkenturm“ sorgten vor allem die Wandgemälde für Bewunderung. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Maximilian Haller 30.08.2018
Die Mauch’sche Villa in der Hohenstaufenstraße steht für eine Familie, die die Stadt über ein Jahrhundert lang beeinflusst hatte.

Man erkennt das Symbol oft schon von weitem. Ein großes rotes „A“ im gotischen Stil, in dem ein weißer Kelch und eine Schlange abgebildet sind, lässt auch Ortsunkundige wissen: Hier steht eine Apotheke, hier gibt es Arznei. In Göppingen saß lange eine der ältesten Apotheken in ganz Württemberg. Was die Apothekengeschichte der Stadt mit der Villa Mauch in der Hohenstaufenstraße zu tun hat, das lernten die Teilnehmer des „Sommers der Ver-Führungen“ von Stadtführerin Margit Haas.

„Das Thema schreit geradezu danach, hier in Göppingen behandelt zu werden“, findet Haas. Im 16. Jahrhundert gab es in Württemberg nur zwei Apotheken, eine in Stuttgart und eine in Tübingen. Herzog Christoph, der damals die Wichtigkeit medizinischer Versorgung erkannt hatte, veranlasste daraufhin die Eröffnung weiterer Apotheken, darunter auch am Standort Göppingen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts durchlebten die Apotheken eine rasante Entwicklung: Schon bald fanden sich in Württemberg 45 Apotheken in 38 Städten.

„Da haben sich richtige Dynastien herausgebildet“, erklärt Haas. Der Apotheker Jerg Mergenthaler ließ sich 1559 in Göppingen nieder und eröffnete dort die erste Apotheke. Aus seiner Familie ging die Mauch‘sche Apotheke hervor. Diese wurde nicht nur zur Allopathie ausgebaut, sondern begründete auch die Homöopathie in Göppingen.

1861 baute Professor Doktor Friedrich Mauch seine Privatvilla in der Hohenstaufenstraße – inklusive Kräuterpflanzengarten. Von 1962 bis 2008 befand sich das Haus in Besitz der Stadt. Eigentlich hätte die Villa abgerissen werden sollen, doch einige Menschen wehrten sich dagegen und gründeten schließlich den Förderverein Mauch‘sche Villa, der sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzt. Deren Vorsitzender, Wieland John, ist bei der Führung ebenfalls anwesend und gewährt den Teilnehmern einen besonderen Einblick in die Geschichte der Villa. „Wir sind wacker dran am Erhalt des Hauses. Das würde es sonst nicht mehr geben,“ berichtet John. Die Gemäuer seien zum Teil noch im Originalzustand. An dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude seien jedoch permanent Sanierungsarbeiten notwendig. 1,2 Millionen Euro würde es laut John kosten, die Mauch’sche Villa von oben bis unten zu renovieren. Aufgrund der hohen Kosten habe der Verein sich von den zwei oberen Etagen getrennt. Diese dienen nun als Wohn- und Arbeitsräume. Dennoch könne man die originalen Zimmer der Familie zum Teil noch besichtigen.

Immer wieder wandern die Blicke der Besucher während der Führung auf den rund 160 Jahre alten Fußboden, der in farbigen Mosaikmustern angeordnet ist. Auch die Wandgemälde im sogenannten „Falkenturm“ sorgen für Bewunderung. Mauch, ein eingefleischter Freimaurer, habe dort oben immer Versammlungen abgehalten. Der Turm ist in recht marodem Zustand, doch der Denkmalverein verbiete dort Renovierungsmaßnahmen, wie John erklärt. „Wir dürfen hier keinen Finger krumm machen.“

Dass die Mauch’sche Villa unter Denkmalschutz steht, sei generell ein Problem für den Verein. Denn dadurch werde das Gebäude für potentielle Investoren, die eher an dem Grundstück interessiert seien, unattraktiv. Die Hoffnung will John dennoch nicht aufgeben: „Wir hoffen und beten, dass hier jemand investiert“.

Das Haus ist eng mit der Apothekengeschichte der Region verwandt. Göppingen selbst sei ein „uralter Apothekenort“, wie Haas erklärt. 1974 schloss die Apotheke ihre Tore. „Damit endet eine Apothekengeschichte, die Mitte des 16. Jahrhunderts in Göppingen begonnen hat.“

Info Unter www.sommer-der-verfuehrungen.de/programmheft-2018 kann das Programm des Sommers der Verführung abgerufen werden.

Feiern in der Mauch’schen Villa

Veranstaltungen In der Villa finden regelmäßig Veranstaltungen statt, darunter ein Frühstücksbuffet, Mittwochs ab 9 Uhr, sowie ein Chorkreis, Freitags ab 14 Uhr. Es finden zudem regelmäßig Spielenachmittage statt.

Vermietung Die Räume im Erdgeschoss können für öffentliche und private Veranstaltungen gemietet werden. Buffet und Catering sind ebenfalls möglich.

Kontakt Zu erreichen ist der Verein unter Tel. (07161) 4019874 oder veranstaltungen@mauchschevilla.de.

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