Frieden Friedensgebet von Christen und Muslimen vor Göppinger Rathaus

Göppingen / AXEL RAISCH 26.01.2015
Zu einem interreligiösen Friedensgebet von Christen und Muslimen waren am Samstagmittag mehr als hundert Menschen, in der Mehrzahl Muslime, vor dem Göppinger Rathaus zusammengekommen.

Mit dem interreligiösen Friedensgebet von Christen und Muslimen wollten die Teilnehmer als Reaktion auf die Pariser Anschläge ein Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen. Die Initiative dazu war von Vedat Dag, dem Vorsitzenden der türkischen Kulturvereine im Kreis, ausgegangen.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie wichtig Gebete für den Frieden sind, so hätten sie zwei Kinder - in Begleitung Erwachsener - beim interreligiösen Friedensgebet auf dem Göppinger Marktplatz am Samstagmittag geliefert. Während der Ansprache des evangelischen Dekans Rolf Ulmer ballerten sie was das Zeug hielt mit ihren Spielzeugpistolen - inklusive gegenseitiger Hinrichtung mit aufgesetztem Kopfschuss. Es war der lebendige Widerspruch dessen, was auf der improvisierten Bühne vor den Gebeten gesprochen wurde und der Beweis, dass über die Verbreitung schöner Worte hinaus noch einiges getan werden muss.

Der katholische Dekanatsreferent Felix Müller sah das gemeinsame Gebet von Christen und Muslimen als Bekenntnis der Friedfertigkeit, Zeichen der Gemeinsamkeit und Demonstration der Freiheitsliebe. Die Gesellschaft werde derzeit von zwei Extremen bedroht, so Müller. Eines fasste er pauschal unter dem Begriff der Islamfeindlichkeit zusammen, auf der anderen Seite sieht er Gewalt, die den Islam seiner Meinung nach nur als Deckmantel benutze. Er rief dazu auf, Muslime vor Anfeindungen zu schützen. Denn sie könnten "nichts, aber auch gar nichts" für diese Gewalt und den Terror.

Differenziert äußerte sich Göppingens Oberbürgermeister Guido Till. Mit Verweis auf die mit dem Christentum in vergangenen Zeiten verbundenen Kreuzzüge, koloniale Missionierungen und Hexenverbrennungen erklärte der OB, dass der Islam manche Prozesse noch vor sich habe. Etwa bei der Auslegung von Passagen im Koran, die die Bekämpfung der Ungläubigen vorsehe. Gleichzeitig warnte er vor der pauschalen Verurteilung von Muslimen. Als bekennender Christ warnte er davor anzunehmen, dass eine Gesellschaft friedlicher werde, wenn die Religion verschwinde. Dies zeigten Beispiele in der Geschichte. Die großen Religionen seien friedensstiftend.

Angeline Fischer vom Investitionsausschuss der Stadt Göppingen verwies wie Till ebenfalls auf das gelungene, respekt- und friedvolle Zusammenleben in Göppingen, seit die ersten Migranten vor 60 Jahren hierhergekommen seien. Sie betonte, dass auch Meinungsunterschiede zu einer Demokratie gehörten, diese aber immer friedlich ausgetragen werden müssten und als Einladung zum Dialog verstanden werden sollten.

"Wir verurteilen die Anschläge in Paris aufs Schärfste", betonte Vedat Dag, der Vorsitzende der Dachorganisation von 16 türkischen Kulturvereinen im Landkreis. Er lies keinen Zweifel an der Ablehnung von Gewalt und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus: "Terror hat keine Religion." Zugleich kritisierte er die respektlosen Verspottungen "unseres Propheten", die aber nie zu Gewalt führen dürften.

Wie schon Vedat Dag, so zitierte auch Imam Yavuz Yigit aus Ebersbach nach einer Lesung in nicht deutscher Sprache einen Vers aus dem Koran, in dem es heißt, dass derjenige, der einen Menschen töte, die ganze Menschheit töte. "Wer die Menschen nicht mit Güte behandelt, den behandelt Gott auch nicht mit Güte", so Yigit weiter.

Dekan Rolf Ulmer zeigte Verständnis dafür, dass man sich bei geschmacklosen Karikaturen getroffen fühle. Er stellte aber auch die Frage, ob man Gott überhaupt beleidigen könne und gab eine klare Antwort: "Gott ist viel größer als unsere Gedanken über ihn." Gott brauche daher niemanden, der Rache nehme oder "seine Ehre verteidigt".

Nach einem Gebet eines Vertreters der syrisch-orthodoxen Kirche und seinem Aufruf, Hass aus den Herzen zu verbannen, wurden Fürbitten verlesen und das Vaterunser gesprochen.

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