Göppingen Freispruch nach Brand in Reinigung

Ein Brand in einer Göppinger Reinigung wurde nun von der Justiz aufgearbeitet.
Ein Brand in einer Göppinger Reinigung wurde nun von der Justiz aufgearbeitet. © Foto: dpa
Göppingen / Dirk Hülser 06.09.2018
Ein 64-Jähriger war nicht verantwortlich für das Feuer in seinem Göppinger Betrieb im November 2016.

Erst hatte er den Schaden, nun stand der 64-jährige Inhaber einer Textilreinigung in der Göppinger Innenstadt auch noch vor Gericht: Ein Brand hatte das Geschäft in der Nacht zum 19. November 2016 zu großen Teilen zerstört, der Geschäftsmann musste sich nun wegen fahrlässiger Brandstiftung durch Unterlassen verantworten. Er hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt – und bekam auf ganzer Linie Recht: Amtsrichter Heiner Buchele sprach den Mann frei, die Staatsanwältin hatte zuvor 4200 Euro Geldstrafe gefordert.

Was ist noch zumutbar, was kann von einem Inhaber verlangt werden, um einen Brand zu verhindern? Im Wesentlichen ging es in dem Verfahren um diese Frage. Es war Freitagabend, als eine Mitarbeiterin der Reinigung ihren Chef zuhause anrief, sie hatte beißenden Geruch wahrgenommen. Der 64-Jährige wies sie an, mit dem Hauptschalter für den Strom die großen Geräte aber auch Bügeleisen vom Netz zu trennen. „Es kommt manchmal vor, dass ein Bügeleisen durchbrennt“, sagte der Angeklagte vor Gericht aus.

Eine gute halbe Stunde später an jenem Freitagabend rief die Mitarbeiterin erneut beim Chef an, er fragte sofort, ob der Geruch nun besser geworden sei – was aber nicht der Fall war. Sie war auch durch den Betrieb gegangen und hatte keine Ursache für den Geruch gefunden. Schließlich ging sie auch nach Hause – in der Nacht dann alarmierte ein Passant die Feuerwehr. Rauch drang aus dem Haus, stundenlang waren die Feuerwehrleute mit Löscharbeiten beschäftigt. Der Inhaber bezifferte den Sachschaden vor Gericht auf mindestens 120 000 Euro, dazu kam die dreimonatige Schließung des Geschäfts wegen des Brandschadens. Da er unterversichert war, blieb er auf einem Schaden von mindestens 40 000 Euro sitzen.

Die Ursache des Feuers konnten weder ein Sachverständiger noch die Kripo klären, möglicherweise war es eine defekte Decken­leuchte, die am falschen Stromkreis angeschlossen war. Auch die Selbstentzündung von Wäsche kommt als Ursache in Betracht. Die Staatsanwältin beharrte auf der Schuld des Angeklagten, er hätte vor Ort nach der Ursache des Geruchs suchen müssen. Doch Richter Buchele schloss sich Verteidiger Daniel Keller an, der auf Freispruch plädiert hatte. In seiner Urteilsbegründung meinte er: „Da wir die Ursache des Feuers nicht kennen und damit auch nicht ihre Handlungspflicht, bleibt nur ein Freispruch.“

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