Internet Freies W-Lan: „Freifunker“ zieht positive Bilanz

Der neue Vereinsvorstand des Freifunks Stuttgart. Von links: Adrian Reyer, Christoph Altrock, Philippe Käufer, Bruno Baumgart-Hageneder, Thomas Renger.
Der neue Vereinsvorstand des Freifunks Stuttgart. Von links: Adrian Reyer, Christoph Altrock, Philippe Käufer, Bruno Baumgart-Hageneder, Thomas Renger. © Foto: David Stellmacher
Göppingen / DAVID STELLMACHER 04.05.2017
Im Kreismedienzentrum hat der Verein „Freifunk Stuttgart“ mit Besuchern den April verabschiedet. Auf dem Programm standen spannende Vorträge und Workshops.

Die Freifunk-Fans haben in Göppingen einen digitalen „Funk in den Mai“ veranstaltet – zum Tanzen kamen im Göppinger Kreismedienzentrum dabei allerdings nur die zahllosen Gigabits und Bildschirmpixel der Teilnehmer aus dem ganzen Land, die das Medienzentrum mit ihren Laptops und Computern belagerten. Neben einem vollen Programm mit Workshops und Vorträgen nutzte der Verein das Treffen auch zur Mitgliederversammlung.

Das Ziel des Vereins besteht darin, in der Region Stuttgart möglichst viele freie W-Lan-Zugangspunkte zu errichten. Denn das Internet, so die Meinung der Organisatoren, müsse als digitales Grundrecht für jedermann zugänglich sein.

Deshalb verbuchen es die Engagierten als großen Erfolg, dass auch im Kreis Göppingen im vergangenen Jahr neue Freifunk-Hot­spots eingeweiht werden konnten. Fast in jeder Kreiskommune finden sich freie Netze, über die Benutzer ohne vorherige Anmeldung im Internet surfen können. Diese gelebte digitale Gastfreundschaft hat vor allem für viele Flüchtlingsunterkünfte einen großen Nutzen gebracht. „Wir haben bis jetzt 19 Unterkünfte mit Freifunk ausgestattet“, erklärte Frank Steiner von den Göppinger Freifunkern. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen sei sehr konstruktiv, weshalb der Ausbau der Funk-Infrastruktur gut funktioniere.

„Die Flüchtlingsarbeit war im letzten Jahr natürlich ein Schwerpunkt“, meinte auch der neugewählte Vereinsvorsitzende Phi­lippe Käufer. Denn gerade Menschen auf der Flucht seien dankbar für einen kostenfreien und sicheren Internetzugang, um Kontakt in die alte Heimat aufzunehmen. Die Installation der Funk-Router in den Flüchtlingsunterkünften übernahmen die Vereinsmitglieder in zahlreichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. 

„Das waren schon existenzielle Fragen – etwa, ob die Daheimgebliebenen noch am Leben waren oder dergleichen mehr“, sagte Philippe Käufer. Dass das neue Netz von den Flüchtlingen viel genutzt wird, könne auch an den stets hohen Zugriffszahlen abgelesen werden.

Wenngleich die Arbeit für Flüchtlinge einen großen Teil der Vereinsarbeit im Kreis Göppingen eingenommen hat, so ist dem Verein doch wichtig, dass es im Grundsatz um freien Netzzugang für alle Menschen geht. „Für uns beginnt Informationsfreiheit mit dem freien Netzzugang für alle Bürger“, unterstrich der Vereinsvorsitzende mit Blick auf das digitale Netz der Freifunker, welches allein in der Region Stuttgart rund 6000 Nutzer pro Tag mit freiem Internet versorgt. Etwa 40 freie Netze bestehen im Landkreis Göppingen.

„Internet ist heute für uns alle so wichtig wie Wasser oder Strom“, sagte Philippe Käufer. Über YouTube und Online-Spiele hinaus müsse das Netz deshalb als Informationsmöglichkeit für die Bürger bewahrt werden. „Die Mitglieder bei Freifunk-Stuttgart haben alle einen unterschiedlichen beruflichen Hintergrund“, betonte Bruno Baumgart-Hageneder aus der Göppinger Freifunkgruppe – und diese Vielfalt mache die Stärke des Vereines aus, der seit Jahren einen Mitgliederzuwachs verbuchen kann.

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