Göppingen Franz Kafka zu Gast am WHG

Georgios Tzitzikos bei einer Aufführung des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in der Rolle des Schriftstellers Franz Kafka. Foto: Jakob Koth
Georgios Tzitzikos bei einer Aufführung des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in der Rolle des Schriftstellers Franz Kafka. Foto: Jakob Koth
Göppingen / CARLA SAURER 17.02.2012
"Kafka - eine Collage", heißt das Theaterstück, das vergangenen Mittwoch am WHG für die Schüler der Oberstufe aufgeführt wurde. Dabei wurde das Innenleben des Autors sichtbar gemacht.

Schwarze Molton-Wände, an die sich umgelegte Schultische anschließen. Ein rechteckiger Raum entsteht. Gegenüber der Wand steht ein Stativ mit aufgesetztem hölzernen Perückenkopf. Eine rothaarige Perücke mit langem, lockigen Haar überdeckt ihn. Mit Schnüren ist er mit der Wand verbunden. Dargestellt ist Kafkas Inneres, aus dem er offenbar nicht so leicht entkommen kann.

Die Stufe Zwei des Werner-Heisenberg-Gymnasiums nahm am Mittwochvormittag an einem etwas ungewöhnlichen Schauspiel über das Leben des Schriftstellers Franz Kafka teil. Anstelle einer Aufführung auf einer normalen Theaterbühne gestaltet Regisseur Thorsten Kreilos das Stück für die Schüler in vertrauter und intimer Klassenzimmeratmosphäre. Er arbeitet dabei unter anderem mit dem Profischauspieler Georgios Tzitzikos zusammen, der neben seiner Arbeit als Theaterkünstler auch Sprecher für den Kanal Arte ist.

In grauem Anzug und Weste, weißem Hemd sowie grauem Schlips, Ärmelschonern und schwarzen Schuhen, so wird Tzitzikos seiner Rolle des Franz Kafka durchaus gerecht. Mit viel Emotion führt er die Schüler durch das Innenleben Kafkas, das doch dem einen oder anderen noch fremd war. Im Monolog eröffnet Tzitzikos die facettenreichen geistigen Räume seiner Rolle.

Während der 40 Minuten Spielzeit wird den Schülern schnell klar, wer sich hinter der Figur Kafka verbirgt. Nicht nur der Erhalt seiner glatten Fassade, sondern auch Ängste und Zweifel vor und in der Gesellschaft bewegten den jungen Mann damals. Als Ersatz für eine Liebesbeziehung beginnt Kafka Liebesbriefe an Frauen zu schreiben, das zentrale Motiv des Stückes. Die Briefe liest "Kafka" dem Perückenkopf vor, leidet darunter, dass "sie" nicht antwortet, und beginnt zu verstehen, dass das Schreiben für ihn eine innere Notwendigkeit wird.

Abschließend gibt es noch eine Fragerunde, in der die Schüler Unklarheiten mit Hilfe des Duos Kreilos und Tzitzikos klären können. "Die Intimität und das Nachgespräch sind eine große Chance für die Schüler", erklärt der Regisseur.