Göppingen Flotte Pfleger auf Segways

Der Wellnessbereich der Zukunft: Bad Boller Neuntklässler präsentierten überraschende Perspektiven für das Christophsbad. Foto: Sabine Ackermann
Der Wellnessbereich der Zukunft: Bad Boller Neuntklässler präsentierten überraschende Perspektiven für das Christophsbad. Foto: Sabine Ackermann
SABINE ACKERMANN 10.03.2014
Im Rahmen der bundesweiten Aktion "Jugend denkt Zukunft" haben Neuntklässler der Bad Boller Schickhardtschule eine Woche lang ein visionäres Konzept für den Klinikalltag 2030 des Christophsbads entworfen.

"Die Woche war für uns hochinteressant. Wir haben jede Menge von den Mitarbeitern gelernt und die Zeit hier sehr genossen. Unsere Klasse ist viel enger zusammengerückt, der Zusammenhalt ist besser geworden und wir waren ganz erstaunt, dass wir tagsüber unser Handy gar nicht vermissten", betonen Nicole Rumpela und Jennifer Müllner, beide 15 Jahre alt.

Wie es mal sein wird, wenn man krank ist und auf Hilfe oder Pflege anderer angewiesen ist, darüber machen sich 14- bis 16-Jährige normalerweise keine Gedanken. Die Schüler der Klasse 9a der Heinrich-Schickhardt-Schule Bad Boll sind da eine Ausnahme. Im Rahmen der bundesweiten IFOK-Aktion "Jugend denkt Zukunft" unter der Aufgabenstellung "Arbeiten im Gesundheitswesen - Bilder und Wirklichkeit" steckten zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler eine Woche lang die Köpfe zusammen, aktivierten ihr Vorstellungsvermögen und entwarfen ein Konzept für den Aufenthalt im Klinikum Christophsbad (CB). Nicht wie im Film, "Zurück", sondern vielmehr mit Weitblick in die Zukunft stellten die Mädchen und Jungen mehr als hundert Gästen die Aussicht auf den Klinikalltag im Jahr 2030 vor. Und die regionalen Politiker, Vertreter des Landrats- und Gesundheitsamts, der IHK sowie Schulleiter, Lehrer und Eltern staunten nicht schlecht über die ansprechende Ergebnis-Präsentation. Die Ergebnisse sollen dem Christophsbad einerseits Fachkräfte gewährleisten andererseits deren Arbeitsweise verbessern.

Doch wie geht das? Patienten sind nach den Vorstellungen der Schüler zukünftig über Monitore im Blickfeld, erfahren mehr Selbstständigkeit, intensivere Betreuung und gesunden folglich schneller. Diese Verfahrensweise erlaubt wiederum den Pflegern mehr Ruhepausen, in denen sie entweder in den hauseigenen Swimming-Pool hüpfen oder bei Lieblingsmusik und Massage im Wellness-Raum entspannen. Nach Feierabend holt man seinen Nachwuchs in der 24 Stunden geöffneten, über Sponsoren, Spenden und Aktionen finanzierten und daher für Eltern kostenfreien Kinder- und Jugendtagesstätte ab und geht völlig stressfrei nach Hause. Gleichfalls sehr innovativ: die per i-Pad steuerbare Elektro-Bett-Rollstuhl-Kombination, die mit GPS-Sensor ausgestatteten Mercedes-Prototypen, die den Betroffenen frische Luft und mehr Freiheit ermöglichen sowie Segways, auf denen Pflegekräfte viel mobiler sind - selbstredend wird alles wie im Klinikum von Solarzellen gespeist.

Meike Ludwigs, Verantwortliche vom Projektentwickler IFOK hat die Heranwachsenden begleitet und ihnen in ihrem Tun und Handeln freie Hand gelassen. Einzige Bedingung: Ideen mit Empfehlungscharakter für das CB zu entwickeln, die zwar zukunftsorientiert, aber nicht zu utopisch seien. Zu berücksichtigen galt es Megatrends wie vernetzte Welt, Individualisierung und Selbstverantwortung, Demografischer Wandel, Gesundheit, die Rolle von Frauen und Männern in der Politik. Unterstützung kam von der Klassenlehrerin Kerstin Schütz, die wie das Schulleiterteam Thomas Schnell und Viola Kogler mächtig stolz auf ihre Schüler war. "Eure hohe Motivation hat mich begeistert, denn mit diesem gemeinsamen Projekt soll auch die Schnittstelle Christophsbad - Bad Boll sowie die Verbundenheit gestärkt werden", betonte CB-Geschäftsführer Bernhard Wehde, und auch Pflegedirektorin Birgit Gambert fand lobende Worte: "Am Anfang seid ihr mit vielerlei Bildern und Vorurteilen über das CB zu uns gekommen. Jedoch sehr schnell kam Rückmeldung über eure positiven Eindrücke vom Klinikum, die ihr sehr kreativ und innovativ umgesetzt habt. Euch ist es gelungen, den Betrieb Krankenhaus nicht einseitig, sondern aus Perspektiven wie Betroffenen, Angehörigen, Mitarbeitenden sowie strukturellen Rahmenbedienungen zu betrachten".

Info: IFOK (Institut für Organisationskommunikation) ist seit 1995 ein international tätiges Beratungsunternehmen in der Kommunikationsbranche mit Schwerpunkt in Analyse, Strategischer Beratung und Öffentlichkeitsarbeit.