Sicherung Fliegerbombe Göppingen: Vorbereitungen für Evakuierung

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Göppingen / Susann Schönfelder 17.04.2018
Der Countdown läuft: Am Sonntag werden die Gebäude rund um eine vermutete Fliegerbombe evakuiert. Die Vorbereitung läuft nach Plan.

Göppingen steht vor einer Premiere: Am kommenden Sonntag muss zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt ein Gebiet großräumig abgesperrt und evakuiert werden. Grund ist eine vermutete Fliegerbombe in sechs Metern Tiefe, auf die Experten bei den Bohr- und Aushubarbeiten für das neue Verwaltungszentrum der Energieversorgung Fils­tal (EVF) an der Großeislinger Straße gestoßen sind. Bei dem unbekannten Gegenstand könnte es sich um eine 250 oder 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handeln.

Um sicherzustellen, dass es sich nicht nur um einen Verdacht handelt und um im Falle eines Falles die Bombe auch gleich zu entschärfen, wird der Bereich um den Fundort am Sonntag bis spätestens 7 Uhr evakuiert. Die betroffenen Anwohner – etwa 2600 Menschen – verlassen bis dahin ihre Häuser und Wohnungen. Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist, bekommt Hilfe durch das Deutsche Rote Kreuz, sagt Olaf Hinrichsen, Pressesprecher der Stadt Göppingen. Die Polizei werde dann von Haus zu Haus gehen und kontrollieren, ob wirklich niemand mehr zu Hause ist.

Gemäß der Vorschriften muss rund um das EVF-Gelände ein Sicherheitsradius von 300 bis 500 Metern eingehalten werden. Zunächst sei ein Kreis mit einem Radius von 500 Metern um den Fundort gezogen worden, erklärt Hinrichsen. „Dort, wo es die Lage des Körpers in der Baugrube, die Topographie des Geländes  oder höhere Gebäude als ,Sperrriegel’ erlauben, wurde der Radius entsprechend verringert“, erläutert der Pressesprecher das „ausgefranste“ Evakuierungsgebiet. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst habe nach einem Vor-Ort-Termin die Grenzen der Absperrung festgelegt.

Die Vorbereitungen auf die Aktion am Sonntag laufen planmäßig, sagt Hinrichsen. Beim Ordnungsamt der Stadt Göppingen laufen die Fäden zusammen – in enger Abstimmung mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst, der Polizei, der Feuerwehr, der Deutschen Bahn, dem DRK sowie weiteren Einrichtungen. Der Pressesprecher schätzt, dass bis zu 400 Einsatzkräfte am Sonntag bei der Aktion beteiligt sind.

Gaskugel wurde geleert

Die Gaskugel wurde in den vergangenen Tagen geleert. Die Flüssig-Erdgas-Anlage wurde über den Winter ohnehin leergefahren und stehe zur turnusmäßigen Inspektion und Wartung an, hatte EVF-Geschäftsführer Dr. Martin Bernhart kürzlich erklärt. „Diese sogenannten Störfallanlagen sind gasfrei und stellen somit kein Risiko für einen Einsatz am 22. April dar“, betont er. Der Energieversorger wird an dem Sonntag die Ersatz-Leitwarte besetzen, um routinemäßige Störmeldungen bearbeiten zu können.

Die Stadt appelliert an alle betroffenen Anwohner, sich an die Anweisungen zu halten – „schon im Interesse der eigenen Sicherheit“, unterstreicht Oberbürgermeister Guido Till. „Wir wollen, dass niemand zu Schaden kommt.“ Die Stadt vertraue dem Kampfmittelbeseitigungsdienst, aber eine „konkrete Gefährdung der Bevölkerung“ müsse einkalkuliert werden, so der Rathauschef.

Sollte es sich bei dem Gegenstand in sechs Metern Tiefe tatsächlich um einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handeln, würde dieser noch am selben Morgen entschärft. Gelingt dies nicht, wird eine kontrollierte Sprengung in Betracht gezogen. Natürlich besteht auch die Gefahr einer ungewollten Zündung. Neue Erkenntnisse über den Gegenstand gebe es nicht. Aus Sicherheitsgründen nähern sich die Experten erst am Sonntag der mutmaßlichen Fliegerbombe. Ängste oder gar Panik und größeres Unverständnis spüre die Stadtverwaltung nicht, berichtet Olaf Hinrichsen. Derzeit bestehe auch keine Gefahr für die Anwohner.

Stadt richtet Hotline ein

Sperrung: Im Evakuierungsgebiet in Göppingen sollen sich am Sonntag, 22. April, ab 7 Uhr keine Menschen mehr aufhalten. Die ersten Straßen werden bereits ab 6.30 Uhr gesperrt. Alle Bereiche innerhalb des Gebiets sind ab diesem Zeitpunkt gesperrt, beispielsweise das Haus der Jugend. Die außerhalb liegenden Bereiche, zum Beispiel Stadthalle oder Ort der Vielfalt, sind frei zugänglich.

Hilfe: Wer Hilfe zum Verlassen seiner Wohnung braucht, kann sich an eine von der Stadt speziell eingerichtete Hotline wenden, Tel.: (07161) 650-117. Diese ist erreichbar bis Donnerstag, 19. April, zu den regulären Rathaus-Dienstzeiten sowie am Freitag und Samstag, 20. und 21. April, von 8 bis 17 Uhr sowie am Evakuierungssonntag von 5.30 bis zwei Stunden nach dem Ende der Evakuierung.

„Bislang gingen rund 80 Anrufe über die Hotline ein, zumeist waren es allgemeine Fragen“, sagt Olaf Hinrichsen, Pressesprecher der Stadt Göppingen. Etwa ein Dutzend Menschen brauche nach jetziger Rückmeldung Unterstützung beim Verlassen der Wohnung.

Aufenthalt: Sollten betroffene Anwohner den Sonntag nicht für einen Ausflug oder Besuche nutzen, steht das Mörike-Gymnasium als Aufenthaltsort zur Verfügung. Ab 6.30 Uhr fahren regelmäßig Shutt­le-Busse das Gymnasium an. Haltestellen sind „Blauer Platz“, Ulmer Straße/Heininger Straße, Brücken-/Alexanderstraße, Dürerstraße bei Gebäude 9 sowie Hohenstaufen-Gymnasium.