Fund Fliegerbombe in Göppinger EVF-Baugrube vermutet

Göppingen / Helge Thiele 04.04.2018
Beim Erdaushub für das Verwaltungszentrum der Göppinger EVF wurde wahrscheinlich eine Fliegerbombe gefunden. Die Sicherung erfolgt am 22. April.

Im Zuge der Bohr- und Aushubarbeiten für das neue Verwaltungszentrum der Energieversorgung Filstal (EVF) an der Großeislinger Straße in Göppingen sind Experten auf einen unbekannten Gegenstand in sechs Meter Tiefe gestoßen. Es könnte sich dabei um eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handeln. Nach Angaben der Stadt Göppingen gibt es dafür „eine hinreichende Wahrscheinlichkeit“. Derzeit bestehe aber keine Gefahr für die Anwohner.

Bei einer Pressekonferenz im Rathaus gab die Göppinger Stadtverwaltung am Mittwoch bekannt, dass der Gegenstand am Sonntag, 22. April, in den Morgenstunden von Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung Baden-Württemberg freigelegt werden soll.

Dazu müssen gemäß der Vorschriften in einem Sicherheitsradius von 300 bis 500 Metern rund um das EVF-Gelände die Gebäude evakuiert werden. Falls es sich bei dem verdächtigen Gegenstand tatsächlich um einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, würde dieser gleich am 22. April entschärft. Gelingt dies nicht, wird auch eine kontrollierte Sprengung in Betracht gezogen.

Die gesamte Aktion wird vom Ordnungsamt der Stadt Göppingen geleitet und eng abgestimmt mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst, der Polizei, der Feuerwehr, der Deutschen Bahn, dem Deutschen Roten Kreuz sowie weiteren Einrichtungen.

Anwohner müssen Wohnungen verlassen

Die 2600 betroffenen Anwohner im Evakuierungsbereich müssen an dem Sonntag bis spätestens 7 Uhr ihre Wohnungen verlassen, die ersten Straßen werden bereits ab 6.30 Uhr gesperrt. Wer in seiner Mobilität eingeschränkt ist und die Wohnung nicht alleine verlassen kann, dem werde Unterstützung angeboten, so die Stadtverwaltung. Dazu wird ab Freitag, 6. April, sowie am Evakuierungswochenende eine Hotline unter (07161) 650-117 eingerichtet. Wer nicht bei Freunden oder Familie unterkommt, kann ab 6.30 Uhr Shuttlebusse zum Mörike-Gymnasium nutzen. Die Haltestellen sind „Blauer Platz“, Ulmer Straße/Heininger Straße, Brücken-/Alexanderstraße, Dürerstraße bei Gebäude 9 sowie Hohenstaufen-Gymnasium.

Die Stadt informiert die Bürger auch mit Informationsschreiben, die in alle Wohnungen eingeworfen werden. Schon jetzt rät die Stadtverwaltung die Anwohner am Evakuierungstermin an benötigte Medikamente zu denken, die Versorgung oder Mitnahme von Haustieren zu regeln.

Die Stadt Göppingen und die Polizei werden in den Straßen und Online über das Ende der Evakuierungsmaßnahme informieren. Unsere Redaktion wird am 22. April auch live berichten. Nach der Sicherung können die Anwohner wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren.

Oberbürgermeister Guido Till betonte bei der Pressekonferenz: „Wir nehmen die Sache sehr ernst und wir brauchen das Verständnis der Bevölkerung. Wichtig ist, dass alle mitmachen.“

Auch die Deutsche Bahn ist informiert und wird am 22. April den Zugverkehr bei Bedarf unterbrechen. Der Bahnbetrieb wird durch die unmittelbare Nähe der Schienen nur bei einem möglichen Fund und nur während der möglichen Entschärfung zwischen Göppingen und Eislingen (Fils) eingestellt – die Bahnhöfe Göppingen und Eislingen (Fils) können während einer möglichen Entschärfung mit Zügen angefahren werden.

Die EVF hat bereits am Wochenende damit begonnen, die Gaskugel zu leeren, zu einem Versorgungsengpass werde es deshalb aber nicht kommen, teilte die EVF mit. Die Flüssig-Erdgas-(LNG-)Anlage wurde über den Winter ohnehin leergefahren und steht zur turnusmäßigen Inspektion und Wartung an. Diese sogenannten „Störfallanlagen“ sind gasfrei und stellen somit kein Risiko für einen Einsatz am 22. April dar.An jenem Sonntag werde die EVF Ersatz-Leitwarte besetzen, um für eventuelle routinemäßige Störmeldungen im gesamten EVF-Gebiet handlungsfähig zu bleiben.

Besondere Auflagen für Baustelle

Im März und April 1945 wurde Göppingen viermal Ziel von alliierten Luftangriffen. Besonders betroffen war die Göppinger Nordstadt, aber auch im Bereich der heutigen Großeislinger Straße gingen Bomben nieder. Die Dichte der Einschlagskrater in diesem Gebiet ist auch auf Fotos zu erkennen, die damals aus US-Aufklärungsflugzeugen aufgenommen wurden. Eines  dieser Fotos, das in einem Buch von Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß veröffentlicht ist, zeigte Bernhart bei der Pressekonferenz.

„Aus diesem Grund enthält die Baugenehmigung für unser neues, erweitertes Kunden- und Verwaltungszentrum die Auflage, bei den Aushubarbeiten eine auf Kampfmittelsondierung spezialisierte Firma einzuschalten. Diese ist permanent auf der Baustelle und untersucht die Baugrube sowie den Aushub ständig“, erklärte EVF-Geschäftsführer Dr. Martin Bernhart am Mittwoch.

Aufgrund gemessener magnetischer Strahlungen ergaben sich auf der Baustelle drei Verdachtspunkte. Zwei dieser Punkte, die in einer Tiefe von ungefähr zwei bis knapp drei Meter lagen, konnte die Firma durch genauere Untersuchungen ausschließen. Der dritte Verdachtspunkt aber liegt knapp sechs Meter unterhalb der Erdoberfläche und könne nicht ohne Risiko näher untersucht werden. So tief können 250 bis 500-Kilogramm-Fliegerbomben durchaus einsinken.

Ob es sich tatsächlich um die Magnetstrahlungen einer Fliegerbombe oder um sogenannte ferro-magnetische Störstrahlungen eines anderen metallischen Gegenstandes handelt, kann nur festgestellt werden, wenn Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes Baden-Württemberg sich dem Fundort nähern und den Gegenstand freilegen.

Kürzlich erst wurde eine Fliegerbombe in Neu-Ulm entschärft:

Hotline für Bürger

Die Stadt Göppingen richtet eine Hotline unter Telefon (07161) 650-117 ein. Diese ist erreichbar bis Donnerstag, 19. April, zu den regulären Rathaus-Dienstzeiten (Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 13.30 bis 18 Uhr).

Außerdem ist die Nummer erreichbar am Freitag und Samstag, 20. und 21. April, von 8 bis 17 Uhr sowie am Evakuierungs-Sonntag, 22. April, von 5.30 Uhr bis zwei Stunden nach Evakuierungsende. Diese Rufnummer bleibt aktiv – die für das Wochenende angedachte Umstellung der städtischen Telefonanlage auf die neuen, dann vierstelligen Durchwahlnummern wird um eine Woche verschoben – die neuen Nummern gelten dann ab 30. April.

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