Liveticker Keine Fliegerbombe in Göppingen gefunden

Göppingen / Sandra Schröder 22.04.2018
Die Evakuierung in Göppingen ist am Sonntag um kurz vor 7 Uhr beendet worden, die Experten haben keine Fliegerbombe gefunden.

Weiterbau

Ab Montag könne nun das Dienstleistungszentrum der EVF „mit Volldampf“ weitergebaut werden, nachdem die Baustelle wieder sicher ist, so OB Till.

++ 8:15 Uhr ++

Bombenentschärfer Ralf Vendel sagt nach der Pressekonferenz im Göppinger Rathaus, wie es ihm nach dem Einsatz am frühen Sonntagmorgen geht:

++ 7:30 Uhr ++

Die Stadt informiert die Presse über den Verlauf des Einsatzes in der Baugrube der EVF, wo die Fliegerbombe vermutet wurde:

Rund 400 Einsatzkräfte sicherten am Sonntagmorgen die Göppinger Straßen, darunter 180 Polizisten und 100 Feuerwehrleute. Die Zusammenarbeit sei reibungslos verlaufen, erklärte Till.

Ralf Vendel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst erklärte, dass solche Blindgänger meistens in einem Meter Tiefe vergraben seien.

Frage nach Messverfahren

Nachdem der Kampfmittelbeseitigungsdienst am Sonntagmorgen keine Fliegerbombe und auch keinerlei metallische Gegenstände im Boden gefunden hat, kam in der Pressekonferenz die kritische Frage auf, was genau die private Bombenräumfirma im Vorfeld – während der Bauarbeiten am neuen EVF-Verwaltungszentrum – eigentlich gemessen hatte. Dazu konnte Ralf Vendel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes nichts sagen, weil er diese Messungen nicht gemacht hat und am Sonntag kein Vertreter der privaten Firma zugegen war.

Fest steht, die Firma nutzte ein sogenanntes Gradiometer, das ferromagnetisches Material misst, „aus dem Bomben hauptsächlich bestehen“, erklärt Vendel. Dazu wurden Bohrlöcher erstellt, diese dann mit einem PVC-Rohr gesichert und dann die Sonde eingeführt. Diese misst dann von unten nach oben in einem Radius von 90 Zentimetern, ob Eisenteile im Boden sind. Das Verfahren nennt sich daher auch Bohrlochsondierung. Diese habe Auffälligkeiten in einer Tiefe von 5,5 Metern ergeben.

Vendel und sein Team haben am Sonntag sogar auf 7 Meter gegraben und gemessen, ohne dass etwas feststellbar war. Auch seitlich der Stelle wurde das Loch vergrößert. „Somit sind wir auf der sicheren Seite, da überhaupt nichts drin sein kann“, sagte Vendel den Pressevertretern. Grauer Schiefer sei das einzige gewesen, was man gefunden hatte. Mit einem Gradiometer habe man nach der Grabung nochmal nachgemessen. Die Sonden hätten nur auf Metall-Träger, die in der Grube eingesetzt sind, angeschlagen.

Wäre ein anderes Messverfahren besser gewesen?

Theoretisch könnte man auch Georadar einsetzen, das sei aber laut Vendel für die Suche nach Kampfmitteln „so eine Sache“ und nicht mehr nutzbar, sobald Wasser in der Grube auftritt.

Was kostet der Einsatz?

Die Höhe der Kosten für den Einsatz am Sonntag stehen noch nicht fest, informierte OB Till in der Pressekonferenz. Die Kosten werden vom Bund getragen, die demnach dem Steuerzahler entstehen.

Der Oberbürgermeister über den Morgen

OB Guido Till zeigt sich erleichtert über den Ausgang der Sicherungsaktion am Sonntag:

Entwarnung in der Baugrube der EVF

Einsatzleiter Ralf Vendel vom Kampfmittelbeseitigungsdienst erklärt kurz nach der Entwarnung den Ablauf der Sicherung am Morgen:

Evakuierung war nötig

Auch wenn heute keine Bombe gefunden wurde, war die Evakuierung aus Sicherheitsgründen nötig, betont die Stadtverwaltung auf ihrer Facebookseite: „Bitte bedenkt, dass am heutigen Tag über 400 Einsatzkräfte im Einsatz waren und dutzende Stunden an Vorbereitungszeit angefallen sind. Es bestand klipp und klar konkreter Verdacht, dass im betroffenen Gebiet eine Fliegerbombe liegt und somit Gefahr für Leib und Leben ausgeht. Dieser Verdacht hat sich glücklicherweise NICHT bestätigt. Wer jetzt über die Sinnhaftigkeit der alternativlosen Evakuierung debattiert, dem begegnen wir mit Kopfschütteln“, schreibt der Pressesprecher.

Erstes Statement OB Guido Till am Sonntag nach der abgebrochenen Evakuierung:

++ 6:53 Uhr Entwarnung!! ++

Es wurde keine Bombe gefunden – die Evakuierung ist beendet, die Anwohner dürfen zurück in ihre Häuser!

Der Kampfmittelräumdienst hat der Stadt bestätigt, dass in der Baugrube trotz hinreichender Wahrscheinlichkeit keine Fliegerbombe gefunden wurde.

Frank Meier vom DRK gibt Entwarnung.
Frank Meier vom DRK gibt Entwarnung. © Foto: Giacinto Carlucci

„Wer will, kann aber noch ein Frühstück im Mögy einnehmen“, sagt Frank Meier vom DRK. Tausend Brötchen und 20 Brote seien – nachdem der Einsatz abgebrochen wurde – übrig, sagt Ulla Rapp vom DRK. „Wir werden schauen, ob wir das den Leuten mitgeben können.“ Auf 500 Personen, die im Ernstfall hätten betreut werden müssen, habe sich das DRK eingestellt. Etwa 50 Menschen seien ins Mörike-Gymasium gekommen. Das Mittagsessen konnte abbestellt werden, der Abbau dauere vermutlich bis zum Mittag.

Anwohner haben sich vorbereitet

Necla Karcioglu und ihre Familie wohnen in der Dürerstraße, die im Evakuierungsgebiet liegt. Sie hat sich auf den Sonntagmorgen vorbereitet:

Das DRK hilft bei der Evakuierung

Menschen, die ihre Wohnungen nicht aus eigener Kraft verlassen konnten, bekamen Hilfe vom Deutschen Roten Kreuz:

Auch im Mörike-Gymnasium ist das DRK präsent:

Einer der 2600 betroffenen Anwohner spricht über den sehr frühen Sonntagmorgen und über das Gefühl während der Evakuierung:

++ 6:40 Uhr ++

Für Schülerinnen und Schüler des Mörike-Gymnasiums, das als Aufenthaltsort und Sammelstelle während der Evakuierung dient, ist es ein ganz spannender Sonntag. Denn es sollen einige Räume "zweckentfremdet" werden. So soll es im Musikraum im neuen Gebäude Lutherstraße ein Bettenlager geben, sagt Organisator Joachim Schulz.

Die Schülerinnen und Schüler des Mörike-Gymnasiums waren am frühen Morgen schon in der Schule, um anzupacken wo Hilfe benötigt wurde.
Die Schülerinnen und Schüler des Mörike-Gymnasiums waren am frühen Morgen schon in der Schule, um anzupacken wo Hilfe benötigt wurde. © Foto: Schule

Trotz der frühen Uhrzeit sei es kein Problem gewesen, Freiwillige zu finden. Die zwölf Schüler helfen dem Roten Kreuz mit der Verpflegung und Beaufsichtigung. Die Schüler wollen versuchen, den Göppingern ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Gebäude im Evakuierungsgebiet tragen Aushänge:

Die Info zur Evakuierung an einem Haus in der Dürerstraße.
Die Info zur Evakuierung an einem Haus in der Dürerstraße. © Foto: Evelyn Krix

++ 06:31 Uhr ++

Die Stadt wirkt wie ausgestorben. Unsere Reporter haben im Evakuierungsgebiet noch niemanden getroffen. Auch am Mögy, das Anwohnern die Möglichkeit zum Aufenthalt bietet, ist es noch sehr ruhig.

Es ist fast halb sieben, als Mannschaftswagen der Polizei an der Dürerstraße vorbeifahren. Kurze Zeit später stehen sie vorm Haus der Jugend. Sie machen sich für die Evakuierung bereit.

Die Stadt Göppingen darf als einzige Stelle Informationen an die Presse geben:

++ Ab 7 Uhr ++

Sobald die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst das Objekt in 6 Metern Tiefe freigelegt haben, steht fest, ob es eine Fliegerbombe ist oder nicht.

Die gesamte Aktion wird vom Ordnungsamt der Stadt Göppingen geplant – in enger Abstimmung mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst. Im Göppinger Rathaus sitzen während der gesamten Aktion in der extra für die Sicherung eingerichteten Stabstelle die Verantwortlichen von der Polizei, der Feuerwehr, der Deutschen Bahn, dem DRK sowie weiteren Einrichtungen zusammen. Rund 400 Einsatzkräfte sind am Sonntag eingebunden.

++ 6:00 Uhr ++

Das Team der Kampfmittelbeseitigung macht sich in der Baugrube der Göppinger EVF an der Großeislinger Straße ein Bild am Fundort.

(Für die NWZ sind als Reporter Evelyn Krix und Maximilian Haller unterwegs.)

Hotline und Aufenthalt

Wer Hilfe zum Verlassen seiner Wohnung braucht, kann sich an eine von der Stadt extra eingerichtete Hotline wenden, Tel. (07161) 650-117. Sie ist am Tag der Evakuierung noch von 5.30 Uhr bis zwei Stunden nach Evakuierungsende geschaltet.

Das Mörike-Gymnasium steht Anwohnern als Aufenthaltsort zur Verfügung. Ab 6.30 Uhr fahren regelmäßig Shutt­le-Busse das Gymnasium an. Haltestellen sind „Blauer Platz“, Ulmer Straße/Heininger Straße, Brücken-/Alexanderstraße, Dürerstraße bei Gebäude 9 sowie Hohenstaufen-Gymnasium.

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