Digitalisierung: Sinn und Risiko

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Diese tiefgreifende Veränderung werden die Wirtschaft, aber auch die gesamte Gesellschaft verändern. Professor Wolfgang Coenning, Leiter des Bildungshauses für Naturwissenschaft und Technik (NwT), spricht von einem „epochalen Einschnitt“, bei dem man auch den ethischen Aspekt nicht außer Acht lassen dürfe. „Die Frage ist: Bis zu welchem Grad macht die Digitalisierung noch Sinn und Nutzen? Oder legen wir uns da sogar ein Ei?“, sagt der Chef der Einrichtung der Hochschule Esslingen am Standort Göppingen. Junge Menschen nähmen den Segen dieser digitalen Revolution gerne und dankend an, „aber es gibt eben auch Risiken“, warnt Coenning.

Viele Partner im Boot

Genau darum geht es in einem Projekt, mit dem sich das NwT-Bildungshaus zusammen mit mehreren Partnern bei der Körber-Stiftung und dem Stifterverband beworben hat. In dem Wettbewerb wird die Entwicklung innovativer regionaler Konzepte für die Vermittlung digitaler Kompetenzen gefördert. Das Bildungshaus hat als Partner die Stadtbibliotheken in Göppingen, Esslingen und Geislingen ins Boot geholt. Auch die Volkshochschulen Göppingen und Esslingen sind mit von der Partie. Weitere Partner sind die Stiftung Weltethos, der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) sowie das Haus der Jugend.

Digitalisierung: Schule, Uni - gesamte Gesellschaft

An der Ausschreibung haben sich 44 Bewerber beteiligt, 15 von ihnen haben es in die Endrunde geschafft –  unter ihnen auch das NwT-Bildungshaus. Die Finalisten werden am kommenden Montag ihr Konzept der Jury in Berlin präsentieren. Wolfgang Coenning und Angela Asare, Leiterin der Göppinger Stadtbibliothek, werden zusammen in die Hauptstadt reisen. „Wir sind guten Mutes“, zeigt sich der Chef des Bildungshauses zuversichtlich. Als Pluspunkt sieht er im eigenen Projekt die Verbindung von formaler und non-formaler Bildung, also auf der einen Seite die typischen Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten, die sich an einen Bildungsplan halten müssen, auf der anderen Seite Einrichtungen wie Bibliotheken und Volkshochschulen, wo zwar Bildung stattfindet, aber in lockerem Rahmen. Das NwT-Bildungshaus biete Vorschulkindern, Grundschülern und Gymnasiasten, aber auch Studierenden, Erziehern und Lehrern die Möglichkeit, sich in Sachen Naturwissenschaft und Technik praxisnah fortzubilden und unterstütze so stark den formalen Bereich, erklärt Wolfgang Coenning.

Digitale Mündigkeit

Mit ihrem Konzept wollen Coenning und Asare Menschen für das Thema Digitalisierung sensibilisieren. „Es geht darum, mit technischer Bildung eine technische Mündigkeit zu erschaffen“, unterstreicht der Leiter des Bildungshauses. „Erst dann können wir beurteilen, ob es Sinn macht oder wir nicht blind der Digitalisierung hinterherlaufen.“ Darum lautet der Titel des Projekts auch „Die Mü(c)ke“, was so viel heißt wie „Digitale Mündigkeit entlang der Bildungskette“. Junge Menschen, aber auch Eltern und Pädagogen sollen gleichermaßen dafür sensibilisiert werden, dass man beispielsweise auf Facebook einmal gepostete Fotos nie wieder löschen kann.

Konzept ist konkret und komplex

Das Konzept ist bereits sehr konkret, aber auch komplex. Als Basis diene eine gute Vernetzung in der Region. Damit sollen neue Lernorte und Plattformen für den gesellschaftlichen Diskurs über die Digitalisierung geschaffen werden. Geplant sind beispielsweise Bibliotheksführungen und AG-Angebote von der Vorschule bis zum Schulabschluss, Workshops in Kooperation mit der freien Jugendarbeit und Fachvorträge mit Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Im Bildungshaus sollen freie und geführte Angebote in Sachen technischer Informatik stattfinden, die Ideen sind in dieser Frage bereits sei konkret und reichen von Bildverarbeitung über Hausautomatisierung bis hin zu Simulatoren.

Weiterer, großer Baustein ist die digitale Medienbildung in den sogenannten non-formalen Bildungseinrichtungen. „Die Informationssuche muss erweitert und permanent modifiziert werden, es geht nicht mehr nur über das Buch“, unterstreicht Angela Asare. Spielerisch soll die technische Kompetenz dazu vermittelt werden, an verschiedenen Stellen habe es dazu bereits „erste Gehversuche“ gegeben. Ziel sei es jetzt, „das Ganze etwas zu verstetigen und eine Struktur zu verpassen“, fügt die Bibliotheksleiterin hinzu.

Keine Eintagsfliege

„Die Mü(c)ke“ soll auf jeden Fall keine Eintagsfliege sein, sind sich die Initiatoren des Projekts einig. Selbst wenn es am Montag mit dem Siegertreppchen nichts wird und Coenning und Asare nicht in den Genuss von 25 000 Euro pro Partner für eineinhalb Jahre kommen, ist das Ziel klar: „Wir werden dann versuchen, das auf kleiner Flamme laufen zu lassen, denn der Ansatz ist einfach gut“, blickt Coenning nach vorn. Schon allein die Antragstellung sei aber ein Erfolg gewesen: Das Kreismedienzentrum sei auf das Konstrukt aufmerksam geworden, „da bahnt sich eine enge Kooperation an“. Angela Asare bringt es auf den Punkt: „Das Thema kommt aus allen Richtungen. Wir haben nun die Chance, die Fäden zusammenzuführen und eine runde Geschichte draus zu machen.“

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Das NwT-Bildungshaus öffnet am 18. Mai seine Türen


Konzept Das NwT-Bildungshaus in Göppingen ist eine Einrichtung der Hochschule Esslingen, die von einem Förderverein unterstützt wird. Kinder und Jugendliche sollen gezielt an Naturwissenschaft und Technik herangeführt werden. Es können Kurse für Kinder und Jugendliche gebucht werden, zudem gibt es Programme für Kindergärten und Schulen, Studienangebote für Studierende und Weiterbildungsmöglichkeiten für Erziehende und Lehrkräfte.

Kooperation Das Bildungshaus kooperiert mit rund 20 Kindergärten und 40 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie Unternehmen in der Region. Das NwT-Bildungshaus beteiligt sich zudem mit vielfältigen Angeboten am Sommerferienprogramm der Stadt Göppingen.

Offene Türen Am Samstag, 18. Mai, findet von 10 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Tür im NwT-Bildungshaus in der Vorderen Karlstraße in Göppingen statt – zeitgleich mit einem Tag der offenen Tür der Hochschule Esslingen am Campus Göppingen.