Firma mit sozialem Engagement

SWP 17.06.2014
Im Rahmen von "Zeitung in der Schule" haben die Schüler der Uhland-Grundschule die Firma Ostheimer in Zell u. A. besucht. Dort interviewten die Reporter auch den Geschäftsführer Stefan Zech.

Wann und warum begann die Firma Ostheimer mit der Produktion von Holzspielzeug? Welches war das erste Spielzeug?

STEFAN ZECH: Meine Großeltern begannen 1939, nachdem die Firma Waldorf Spielzeug durch die Nationalsozialisten geschlossen wurde, in der beide arbeiteten, damit eigene Spielsachen herzustellen. Das Anliegen von Walter und Adeline Ostheimer, die 1959 die Firma an die Tochter Margarete übergaben, war schon zur damaligen Zeit Spielzeuge herzustellen, die Kindern die Möglichkeit geben, ihre eigene Kreativität beim Spielen auszubilden. Die ersten Spielzeuge waren bewegliche Wandbilder, Nachziehfiguren und einfache Kasperlefiguren, ab 1959 dann begann die Massivholzkollektion mit den heute so bekannten Ostheimer Spielfiguren. Die erste Tiergruppe waren die Esel, die bis heute in praktisch unveränderter Form im Programm sind. Schon bald darauf folgten die Krippenfiguren und der Reiter mit Pferd, ebenfalls Figuren der "Ersten Stunden".

Ist diese Art von Spielzeug heute noch in/modern?

ZECH: Die Frage ob unsere Spielsachen modern sind kann ich nicht wirklich beantworten, sicher bin ich mir allerdings, dass sie gerade in der heutigen Zeit nichts an Wichtigkeit und Richtigkeit im Kinderzimmer verloren haben. Warum? Bei allem so perfekten und ausgeklügeltem Spielzeug, das es heute gibt, fehlt in unseren Augen oft das Spielzeug, welches Kindern den nötigen Freiraum lässt, die eigenen Kreativkräfte zu entwickeln. Ich bemühe mich als Designer der Figuren die Formen so einfach wie möglich zu halten und doch so eindeutig, dass klar hervorgeht um welches Tier oder um welche menschliche Figur es sich handelt. Man kann gut selber einmal ausprobieren, wie innerlich aktiv man werden muss, um aus einem Ostheimer Pferd abwechselnd ein Rennpferd oder eine alte "Schindmähre" werden zu lassen. Diese innere Ergänzung ist es, die unsere Fantasiekräfte stärkt, die uns beim Spielen Raum lässt, um eigenes mit einzubringen. Je detaillierter die Formen sind, umso weniger besteht diese Möglichkeit. Man kann das fortsetzen, indem man sich vorstellt, wenn sich ein Spielzeug jetzt noch selber fortbewegt und vielleicht noch auf Knopfdruck Geräusche von sich gibt, dann werden die Kinder endgültig zu Zuschauern und nicht zu aktiven Menschen erzogen.

Sie engagieren sich in vielen Bereichen für soziale Projekte. Sie unterstützen den "Bunten Kreis", das Online-Portal "spielundzukunft", "wellcome", "Nestwärme" und die Lebensgemeinschaft Bad Boll. Können Sie uns erläutern, warum und wie Sie diese Projekte unterstützen?

ZECH: Unser soziales Engagement ist vielschichtig und immer auf das einzelne Projekt bezogen, sodass ich keine pauschale Antwort geben kann. Einerseits unterstützen wir manche Projekte durch Geld- oder Sachspenden, andere wiederum durch direktes Engagement, wie zum Beispiel durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in unserem Betrieb, weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Zum "Warum" unseres sozialen Engagements kann ich nur sagen, dass es Ostheimer noch nie nur um die Herstellung von Spielsachen alleine gegangen ist, sondern immer auch um die lebendige Gemeinschaft, die diese Spielsachen in Handarbeit herstellt. Wir empfinden die verschiedenen Individuen mit all ihren Stärken und Schwächen als Bereicherung für unsere Firma und sind uns sicher, dass dieses menschliche Miteinander sich auch auf unsere Spielsachen und deren Wirkung auf das Kind widerspiegelt. Mit der Arbeits- und Lebensgemeinschaft verbindet uns zum Beispiel schon seit deren Gründung eine freundschaftliche Beziehung und die Zusammenarbeit besteht auf verschiedenen Ebenen. Wir waren der erste Betrieb, der Menschen mit einer Behinderung, die dort ein Zuhause gefunden hatten, in unseren Betrieb aufgenommen haben und haben ihnen so den Weg auf den so genannten ersten Arbeitsmarkt geöffnet. Diese Mitarbeiter sind inzwischen seit seit mehr als zehn Jahren zum festen Bestandteil unserer Belegschaft geworden. Wir versuchen außerdem die Holzwerkstatt der ALB mit Aufträgen aus unserem Hause zu unterstützen und sind auch immer wieder Ansprechpartner wenn es um neue Projekte geht, wie beispielsweise die Berufsausbildung von Menschen mit Behinderung.

Wie viele Teile werden täglich durchschnittlich von Ihnen produziert?

ZECH: Eine Tagesproduktionsmenge kann ich nicht angeben, zu verschieden ist der Aufwand der einzelnen Figuren bei der Herstellung. Wir stellen im Jahr etwa 700 000 bis 800 000 Figuren her, jedes Teil, so wie ihr es gesehen habt, in reiner Handarbeit.

In wie viele Länder liefern Sie Ihre Spielsachen?

ZECH: Wir haben Kunden in aller Welt, mit dem Schwerpunkt Europa. In Ländern wie Japan, Korea oder USA haben wir Generalimporteure, die die Waren dort vertreiben, die anderen Märkte bedienen wir von Zell aus.

Info Alle Texte gibts auf www.swp.de/zisch_filstal.

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