Soziales Fieberhafte Suche nach Fachkräften

Da war noch Leben in der „Boje“: der Jugendtreff in der Hermann-Hesse-Realschule bei der Einweihung im März 2010. Seit eineinhalb Jahren ist die „Boje“ mangels Personal geschlossen.
Da war noch Leben in der „Boje“: der Jugendtreff in der Hermann-Hesse-Realschule bei der Einweihung im März 2010. Seit eineinhalb Jahren ist die „Boje“ mangels Personal geschlossen. © Foto: Iris Ruoss
Göppingen / SUSANN SCHÖNFELDER 19.01.2017

Das ist eine komplizierte Sache“, sagt Harald Moll nachdenklich. Der Geschäftsführer im Haus der Jugend (HDJ) Göppingen spricht über den Jugendtreff „Boje“ im Bodenfeld, der seit Juli 2015 verwaist ist. „Die Stelle wurde mehrmals ausgeschrieben“, sagt Moll, jedoch seien die wenigen Bewerber dann doch wieder abgesprungen. Ulrike Haas, Referatsleiterin für Kinder und Jugend bei der Göppinger Stadtverwaltung, kennt das Problem: „Der Fachkraftmarkt ist leer gefegt, dieser Bereich ist kein attraktives Arbeitsfeld mehr“, meint sie. „Vor allem in der Jugendarbeit hatten wir in den letzten eineinhalb Jahren eher Pech.“

Die Arbeit mit Flüchtlingen greife Personal ab, auch der Ausbau der Schulsozialarbeit komme erschwerend hinzu. Hier hätten die Fachkräfte angenehmere Arbeitszeiten. „Vom klassischen offenen Bereich wird da Personal abgezogen. Diese Schwierigkeit gibt es landauf, landab.“ Die wenigen Sozialfachkräfte, die es überhaupt auf dem Markt gebe, wollten dann eben nicht hauptsächlich am Abend oder an den Wochenenden arbeiten.

Dennoch zeichnet sich im Bodenfeld ein Ende der Ebbe ab – auch wenn die laufende Ausschreibung bisher nicht erfolgreich war: „Die Stadt hat vorgeschlagen, die Stelle interimsweise mit einer Anerkennungspraktikantin zu besetzen“, sagt die Referatsleiterin. Ihr ist klar: „Es muss eine schnelle Entlastung kommen.“ Der Vorstand des Vereins „Haus der Jugend – Göppinger Jugendheim“ müsse diesem Vorschlag jedoch zustimmen.

Auch im Holzheimer Jugend­treff war es lange Zeit nicht klar, wie es weitergeht. Die dortige Fachkraft ist in der Elternzeit, mit einem Auszubildenden hat man eine Interimslösung gefunden, erklärt Harald Moll. „Der hat aber zum 31. Januar gekündigt, also haben wir wieder eine neue Baustelle“, sagt der Geschäftsführer betrübt. Doch Ulrike Haas gibt Entwarnung: Die feste Kraft kehrt am 1. Februar aus der Elternzeit an ihre ursprüngliche Stelle in Holzheim zurück. Gedankenspiele, die Holzheimer Kollegin ins Bodenfeld zu schicken, habe man schnell wieder ad acta gelegt: „Holzheim ist ein funktionierender Stadtteil“, betont Moll. Dort feste Strukturen zu zerschlagen, wäre nicht zielführend gewesen.

Seitdem die „Boje“ im Bodenfeld geschlossen ist, ist ein Teil der Jugendlichen, die schon etwas älter und mobil sind, ins Jugendhaus in die Dürerstraße in Göppingen gekommen, sagt Harald Moll. Einen Teil könne er auffangen, seine Kapazitäten seien jedoch begrenzt, weil er nur 50 Prozent seiner Arbeitszeit in der Dürerstraße verbringe, die anderen 50 Prozent kümmert er sich um seine Aufgaben als Geschäftsführer. Dankbar ist er, dass er von der Stadtverwaltung „eine sehr große Unterstützung“ erfahre. „Es ist nicht so, dass wir keine Lust haben. Es ist einfach niemand da“, fasst er die Misere zusammen. „Das wichtige ist jedoch, dass die Stellen mit Fachkräften besetzt werden, denn nur dann werden sie gefördert.“ Mit dem möglichen Start der Anerkennungspraktikantin im Bodenfeld und der Rückkehr der festen Kraft nach Holzheim entspannt sich nun die Lage etwas. Ulrike Haas drückt es so aus: „Es gibt Licht am Ende des Tunnels.“

Haus der Jugend betreibt viele Außenstellen

Jugendarbeit: Das Haus der Jugend Göppingen besteht seit 1947. Es ist die größte Einrichtung der Kinder- und Jugendarbeit im Kreis und wird vom Verein „Haus der Jugend – Göppinger Jugendheim“ getragen und durch Zuschüsse der Stadt und des Landkreises sowie durch Spenden finanziert.

Außenstellen: Das Haus der Jugend betreibt offene Jugendarbeit in der Innenstadt (Jugendhaus Dürerstraße und Grotte unter der Stadtbibliothek) sowie Außenstellen in Faurndau, Bodenfeld, Manzen-Ursenwang, Holzheim sowie den Aktivspielplatz Ursenwang. Als Personalträger ist das HDJ in der Mobilen Jugendarbeit Bartenbach tätig.

Schulen: Das Haus der Jugend betreibt Schulsozialarbeit an der Uhland-Grund- und Uhland-Realschule.

Kontakt: Wer mehr zum Haus der
Jugend wissen will, kann sich bei
Geschäftsführer Harald Moll melden, Tel. (07161) 75127 oder E-Mail an
jugendhaus.gp@t-online.de.

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