"Es ist ganz klar. Es gilt die Unschuldsvermutung", betont Oberbürgermeister Guido Till. Die Äußerung bezieht sich auf Harald Knobloch, den Kommandanten der Göppinger Feuerwehr. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Verdachts der Untreue und des Betrugs. Was genau Knobloch vorgeworfen wird, ist nach wie vor unklar. Die Ermittlungen beziehen sich auf dessen Zeit in Augsburg. Bei der dortigen Berufsfeuerwehr war Knobloch als Sachgebietsleiter tätig gewesen, zuständig für den Bereich Beschaffung.

Vergangene Woche haben Ermittler aus Augsburg das Büro und die Wohnung des Kommandanten in Göppingen durchsucht, anschließend wurde Oberbürgermeister Guido Till als Knoblochs Dienstvorgesetzter über die Aktion informiert. Im Rathaus bemüht man sich darum, etwas über die Hintergründe zu erfahren. "Wir haben die Staatsanwaltschaft angeschrieben. Uns interessiert auch, wann genau die Strafanzeige gestellt wurde", sagte Till am Montag unserer Zeitung. Knobloch war im Oktober 2014 vom Göppinger Gemeinderat zum neuen Kommandanten gewählt worden, am 1. März trat er den Posten an.

Strafanzeige Ende März eingegangen

Eine Anfrage unserer Zeitung brachte am Montagnachmittag bereits Klarheit: Laut dem Augsburger Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai ist die von der Stadtverwaltung Augsburg gestellte Strafanzeige Ende März eingegangen - also wenige Wochen, nachdem Knobloch seinen Dienst in Göppingen angetreten hatte. Nickolai sagte am Montag auch, dass der Hauptverdächtige, der noch bei der Augsburger Berufsfeuerwehr arbeitet, Aussagen mache und kooperiere. Der Göppinger Kommandant als zweiter Hauptbeschuldigter macht von seinem Recht Gebrauch, als Beschuldigter keine Angaben zu machen. Was ihm allerdings nicht negativ ausgelegt werden könne und dürfe, wie Nickolai ausdrücklich betont.

Die Stadt Göppingen hatte dem mit A13 besoldeten Diplom-Ingenieur Knobloch erst Ende August zwei private Nebentätigkeiten genehmigt: zum einen, was die Beratung bei Ausschreibungen zur Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen betrifft, zum anderen für die Erstellung von Feuerwehrbedarfsplänen. Die Genehmigungen beruhen laut OB Till auf Paragraf 62 des Landesbeamtengesetztes und gelten als durchaus üblich.

Sollten die Ermittlungen in Augsburg jedoch mit Knoblochs Beratertätigkeit im Bereich Beschaffung in Zusammenhang stehen, will die Stadt die Genehmigung für diese Nebentätigkeit eventuell zurücknehmen beziehungsweise ruhen lassen. Hinweise, die es rechtfertigten, über drakonischere Schritte wie zum Beispiel disziplinarische Maßnahmen nachzudenken, lägen der Stadt nicht vor, sagte Till. "Wir wissen gar nichts." In den kommenden Tagen soll der Kommandant durch den Personalrat der Stadt angehört werden, darüber hinaus soll die Gemeindeprüfungsanstalt Knoblochs Nebentätigkeiten und deren Umfang auf ihre Rechtmäßigkeit kontrollieren. Am Donnerstag wird OB Till den Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über den aktuellen Sachstand informieren.