Jazz Feines Gitarrenspiel zwischen berührend und gewitzt

Mit seiner Band Long Winding Road warf Kalle Kalima (l.) im Alten E-Werk die Western-Stücke auf sich selber zurück.
Mit seiner Band Long Winding Road warf Kalle Kalima (l.) im Alten E-Werk die Western-Stücke auf sich selber zurück. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Stefan Renner 18.01.2018

Der finnische, in Berlin lebende Gitarrist Kalle Kalima vertritt als smarter Gentleman unter den Schrägspielern eine der wichtigen Gitarrenpositionen im Kontext improvisierter Musik, wobei er clever Rock, Jazz und Folk  vereint. So durfte es nicht verwundern, dass er sich auch bekannten Melodien, etwa aus klassischen Western, annähert.

Zu seinem Live-Trio gehörten bei Odeon Andreas Lang am Bass und Max Andrzejewski an den Drums. Die Stücke, die bisweilen in Western in süßlicher Orchestrierung erklingen und in dieser Form auch Bekanntheit erlangten, wirkten im Trio-Kontext korsettfrei, auf sich selbst zurückgeworfen, entschlackt und blieben dabei stets erkennbar. So wurde auch ein neuer Zugang zu ihrer melodischen Güte ermöglicht. Beeindruckend war das dichte Zusammenspiel zwischen erdigem Bass, elegant perlender Gitarre und dem fein dynamischen Schlagzeugspiel. Den Musikern schien alles möglich zu sein – spielfreudig wurde jede angedachte Richtung aufgegriffen und verfolgt. Kalimas Spiel hatte bisweilen etwas vorsichtig Herantastendes an sich, das dann plötzlich in zupackende, sich abgehackt darbietende Läufe gekippt wurde, die außerhalb der bekannten Skalen lagen. Sein Spiel wirkte nicht akademisch verkopft, sondern  unangestrengt und frisch.

Berührend und gewitzt zugleich ging er so mit seinen Mitmusikern frei- oder feingeistig auf die Motive der Stücke ein. Über den Einsatz von E-Bow, Flageoletts, Eisenstab, Hammerings oder Bottleneck erzielte er zudem ein großes Klangspektrum. Die Bandbreite des Konzerts reichte von balladesk, vorsichtig zart über flott bis hin zu schroff kantig und wuchtig, und das teilweise im gleichen Stück.

Spürbar blieb die Achtung vor dem Ausgangsmaterial. Dessen harmonische Strukturen wurden zunächst belassen und erst im Laufe des Spiels aufgefächert sowie „jazzy“ ausgelotet und aufgebrochen. Zu Highlights wurden die anrührenden, selbstvergessenen Versionen von „High Noon“, „El Paso“ und Leonard Cohens „Hallelujah“ sowie die flotten Interpretationen von „Ghost Riders In The Sky“ und „Little Joe the Wrangler“ und die Version des groovenden und riffmächtigen „Sign All The Times“ von Prince. Diese raffinierte und bestechend entwickelte Western-Surf­sound-Jazz-Melange wurde vom Publikum mit großem Applaus bedacht und das Trio gleich zweimal für Zugaben zurück auf die Bühne gebeten. Stefan Renner