Das politische Erdbeben, das die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten in Thüringen ausgelöst hatte, sorgte auch im Kreis Göppingen für heftige Ausschläge auf der nach oben offenen Empörungsskala. Einzig die AfD freute sich über den Coup: „Ich gratuliere Herrn Kemmerich zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten“, teilte Kreisvorsitzender Simon Dennenmoser mit. Als Kemmerich seinen Rückzug bekanntgegeben hatte, schrieb Dennenmoser auf Facebook: „Deutschland 2020 – die Demokratiesimulanten der Altparteien lassen ihre Masken fallen.“

Kehrtwende auch bei der FDP im Kreis

Ein Wechselbad der Gefühle gab es auch für den FDP-Kreisvorsitzenden Armin Koch. Am Mittwochnachmittag postete er auf Facebook: „Es braucht keiner zu heulen. Es war eine demokratische Wahl. Glückwunsch an Thomas Kemmerich!“ Am Abend verschickte Koch eine Pressemitteilung, die anders klang: „Meines Erachtens hätte Thomas Kemmerich diese Wahl, die mit den Stimmen der AfD zustande kam, nicht annehmen dürfen.“ Am Donnerstag nach Kemmerichs Rückzug erklärte Koch dann am Telefon: „Das ist der einzig richtige und vernünftige Weg, um Neuwahlen zu ermöglichen.“

Linke kritisieren FDP Göppingen

Der Kreisvorsitzende der Linken, Thomas Edtmaier, kommentierte die Wahl Kemmerichs mit den Worten: „Die FDP hat sich heute erledigt. Deren Verhalten ist ja auch im Göppinger Stadtrat gleich unterirdisch.“ Der Co-Kreisvorsitzende René Niess äußert sich ähnlich: „Die Linke im Kreis fordert deshalb ihre Mandatsträger mehr als deutlich auf, die Zusammenarbeit mit den Steigbügelhaltern des Faschismus, der CDU und FDP, auch auf kommunaler Ebene neu zu bewerten.“

„Politische Ränder nicht weiter erstarken lassen“

Als „historischen Tabubruch“ bewertet die SPD-Kreisvorsitzende Sabrina Hartmann die Wahl in Thüringen. „Das wird auch durch den nun angekündigten Rückzug nicht einfach geheilt“, ist sie sich mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens einig. Kai Steffen Maier, Kreisvorsitzender der CDU, hatte nach der Wahl erklärt: „Neuwahlen werden wohl unvermeidbar sein. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu kämpfen, dass die politischen Ränder dabei nicht weiter erstarken.“ Die Grünen im Landkreis erwarten nun von Kemmerich, dass er das Amt unverzüglich niederlegt. „Wir sind entsetzt von der Ruchlosigkeit und Verantwortungslosigkeit von CDU und FDP in Thüringen“, sagte Kreisvorsitzende Fadime Ercik