Göppingen / LILLI ELL  Uhr
Zu einem Gedenkkonzert anlässlich des 75. Jahrestages der Nacht der Synagogenbrände hatte Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele in die Marienkirche geladen. Im Mittelpunkt stand Bruckners Requiem.

Im November 1938 kamen Tausende jüdische Menschen in ganz Deutschland ins KZ. Auch Göppingen blieb nicht verschont und Worte reichen nicht, um gegen diese Denkweise, die heute wieder verbreitet ist, aufzustehen. Dazu bedarf es Aktionen wie ein solches Konzert. Die Musik soll verdeutlichen, dass der Mensch das Ebenbild Gottes ist, wie es in der Begrüßung hieß. Eine besonders schöne Geste, für die Gindele zum Eingang Christian Finks Motette "Siehe, um Trost war mir sehr bange" ausgewählt hatte, die er selber für Chor und Orchester eingerichtet hat. Vielschichtigkeit und Akzentuierung in den drei Teilen der Motette, Emotionalität ohne zu ausgedehntes Pathos durch die Betonung des Wortes "bange" vermittelte die Musik anfangs diese Verunsicherung. Der zweite Teil brachte satte Klänge, kraftvolles und doch fein abgestimmtes Zusammenspiel von Chor und Orchester, der Zuversicht und Vertrauen ausstrahlte. Im dritten Teil, der die Reprise des ersten darstellt, wurde das Wort "Trost" betont, das im strahlenden Dur daherkam und leise sphärisch endete.

Nach dieser bewegenden Motette spielte Rainer Maria Rückschloß mit Hingabe und Einfühlungsvermögen den 1. Satz von Christian Finks Orgelsonate Nr. 3 in d-Moll, op. 19, die Variationen über den Choral "Jesu meine Freude", auf der historischen Walcker-Orgel. Zart erstrahlte das Andante, kraftvoll zupackend das Allegretto risoluto, um in ein filigranes Più moto ed animato zu münden.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand Anton Bruckners Requiem in d-Moll, WAB 39 für Soli, Chor und Orchester mit den Solisten Silke Kaiser, Sopran, Andrea Wahl, Alt, Alexander Efanov, Tenor, und Sebastian Peter, Bass, dem chor pro musica sowie dem Orchester musica viva aus Stuttgart.

Ein umsichtiger Dirigent lenkte die Musiker durch Bruckners erste größere Komposition. In schönem Kontrast sangen Teile der Männerschola gregorianische Choräle zum Eingang eines jeden Teiles des Requiems. Ausdrucksstark und bewegend erklangen diese einstimmigen Choräle, um dann von den mehrschichtigen Sequenzen abgelöst und erweitert zu werden. Der Chor war mit großem Engagement bei der Sache, wenn er auch nicht immer den vorgegebenen Tempi des Dirigenten folgte. Die Solisten präsentierten Ausgewogenheit und Balance in ihren Partien. Alexander Efanov legte gelegentlich zu großes Pathos in seine Partien, doch insgesamt bot sich ein sehr farbenreiches und klar ausgewogenes Klangbild, das sich harmonisch mit dem Orchester und dem Chor zusammenfand. Im letzten Teil, der "Communio", zeigte sich noch einmal ein sehr exakt einstudiertes "Requiem aeternam" mit durchsichtiger Intonation und abgestufter Dynamik, das in einem vielschichtigen, kraftvollen "Cum santis tuis" ausklang.

Lang anhaltender Beifall belohnte die Mitwirkenden.