Mundart-Comedy Fans lieben Zipperles Figuren

Sabine Ackermann 30.12.2017

Ha, do hocket Leit´“, stellt der übellaunige „Hausmeister“ fest, der eigentlich nur für Markus Zipperle kurzfristig eingesprungen sei. Dieser stehe zwischen Wäschenbeuren und Birenbach im Stau, verkündet der stark kurzsichtige Herr, der generell findet: „Früher war alles besser. Do henn mr no a Mauer gehabdt und d´Merkel stand auf der richtigen Seite.“ Eingefleischte Fans und solche, die es vielleicht noch werden wollen, haben sicher gleich erkannt, das Gesicht hinter der „Dieter-Hallervorden-Gedächtnisbrille“ gehört der selbsternannten „schwäbischen Saugosch“. Diese ist bei den zweistündigen Witztiraden, um die der 42-jährige Amateurschauspieler mit Gesichtsakrobatik seine Geschichten strickt, voll im Einsatz.

Allerdings, einen roten Faden sucht man in seinem Programm „Nicht therapierbar“ vergebens. Vielmehr ist es ein Gaisburger Marsch mit „Best-of-Zutaten“ aus den letzten zwanzig Jahren, wobei manche Pointen der Witze frech und scharf wie Pfefferkörner sind, andere wiederum so fade wie alte Zwiebeln.

Nichtsdestotrotz, vollendet erzählen kann sie Markus Zipperle allemal, am besten aus der dominierenden Kategorie unterhalb der Gürtellinie. Dann gibt der quirlige Schwabe alles, setzt seine in sämtliche Tonlagen und häufig mit überzeichneten Sprachfehlern erklingende Stimme ein –  pointiert und stets einhergehend mit  grobhumoriger Mimik.

Mal ist er im Baumarkt auf der Suche nach „Hodenlack“, mit dem er aufgrund des zu hohen Cholesteringehalts „die Eier streichen will“ oder fragt in der Apotheke nach „Arbeitsmänteln für untenrum“ (Kondome), um dann wieder von trendigen Intim-Tattoos im Look der Straßenschilder zu berichten: „Je nach der Laune der Trägerin liest man „Stop“, „Sackgasse“ oder „Einfahrt freihalten“.

Markus Zipperles Talent gefällt in den Parodien. Tennislegende Boris und Altkanzler Kohl hat er super drauf. Schade, dass dieser Einsatz viel zu kurz war. Aufgelockert wird sein Programm durch selbst getextete Lieder zu bekannten Klassikern aus der Musikwelt sowie der Darstellung seiner unterschiedlichen „Kollegen“.

Dann schlüpft der Humorbarde in die Rolle des Hausmeisters oder zeigt sich als taffe Oma Agathe Angler, plaudert aus dem Leben eines Schwulen oder kommt als Dieter Depperle auf die Bühne, wobei letztere Figur angesichts der sich nicht wehrenden Menschen mit Behinderung grenz­wertig ist.

Am Ende haut er noch auf Wunsch eines Jerry-Lewis-Fans auf seiner Luftschreibmaschine in die Tasten.

Zipperle erstmals 2005 auf Tour

Künstlerischer Weg Markus Zipperle schnupperte 1993 zum ersten Mal Theaterluft bei der Städtleskomede in Neuffen und im Nürtinger Theater an der Steinach. Seit 1999 spielt der 42-jährige gebürtige Reutlinger in der Ebersbacher Theaterscheuer und führt auch Regie. Mit einem Soloprogramm war er erstmals 2005 unterwegs. Zipperle lebt in Wäschenbeuren, ist verheiratet und hat ein Kind.