Unternehmen Familienbande: Das Führen im Team

Göppingen / SWP 01.08.2018

Bei der dritten Veranstaltung der Reihe „Kinder, Kapital, Karriere“ im Friederike-Wackler-Museum stand die Unternehmensnachfolge im Team im Fokus. Zu Gast waren Ursula Koners, Institutsmanagerin des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen der Zeppelin Universität, und Karoline Bader, Gründerin des New Mobility Start-ups „parkpocket“.

War es in den 60er Jahren noch üblich, dass Töchter die Geschäftsleitung nur solange übernehmen durften, bis der Sohn des Hauses alt genug war, die Nachfolge anzutreten, geht der Trend heute dahin, in Familienteams zu führen. Das zeigen Forschungsergebnisse, die Ursula Koners in ihrem Vortrag „Zusammen ist man weniger allein. Nachfolge im Geschwisterteam“ vorstellte. Die Institutsmanagerin machte deutlich, wie sich der Führungsstil in den letzten Jahrzehnten geändert hat. „Die Generation zwischen 20 und 40 Jahren hat ein anderes Führungsverständnis und ist eher teamorientiert. Das Patriarchale rückt immer mehr in den Hintergrund“, erklärte die Institutsleiterin. Führungskonstellationen zwischen Geschwistern und/oder Cousins gebe es immer häufiger. „Wir sind das beste Beispiel dafür“, sagte Gabriele Schwarz, Prokuristin der Schwarz-Gruppe und Leiterin des Museums. Ihre Schwester Beate leitet die Firmengruppe „DU: willkommen in der Umwelt“, ihr Cousin Oliver Schwarz ist Geschäftsführer von Wackler Spedition & Logistik. Um Konflikte im Führungsteam zu vermeiden, sollten alle darauf achten, die Ebenen nicht zu vermischen, riet Koners. Sie zeigte ebenfalls auf, wie wichtig es für den Fortbestand des Unternehmens ist, die Nachfolge rechtzeitig zu organisieren.

Ein Punkt, den Günter Schwarz, Gesellschafter der Schwarz GmbH und Vater von Gabriele und Beate Schwarz, bestätigte. Durch den überraschenden Tod seines Vaters und die nicht geregelte Nachfolge blieb die Spedition von April 1963 bis April 1964 ohne Führung, heißt es in einer Pressemitteilung.

Im zweiten Vortrag des Abends „Parkpocket – Geschichte über die Start-up-Gründung im ­Ländle“ berichtete Karoline Bader von den Höhen und Tiefen, die das Rottweiler Gründerquartett in den vergangenen fünf Jahren durchlebte. 2013 riefen sie, ihr Bruder Stefan und zwei Mitstreiter das New Mobility Start-up „parkpocket“ ins Leben, um das Parkplatzproblem zu lösen. Mit „parkpocket“ finden Autofahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Echtzeit freie Parkplätze in Parkhäusern und Tiefgaragen.

Mit viel Energie stürzten sich die jungen Leute in die Arbeit und erkämpften sich eine solide Finanzierung. In den ersten Jahren lebten sie von ihren Ersparnissen und zahlten sich keine Gehälter aus. Letztendlich konnten sie Telefónica und GFT Technologies als Investoren gewinnen. Im September 2017 wurde das Start-up von Continental übernommen. Hier arbeitet Bader nun an neuen kreativen Themen und Projekten wie datenbasierte Services. Die anderen ehemaligen Mitgründer widmen sich dem weiteren Ausbau von „parkpocket“.

Info Die nächste Veranstaltung der Reihe „Kinder, Kapital, Karriere“ findet am 20. September um 18.30 Uhr im Wackler-Museum statt.

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