Göppingen Brummis raus aus Holzheim

Die Holzheimer Ortsdurchfahrt könnte nachts für Lastwagen gesperrt werden. Damit will die Stadt die Lärmbelastung der Anwohner mildern. Wann es soweit ist, ist aber noch völlig offen.
Die Holzheimer Ortsdurchfahrt könnte nachts für Lastwagen gesperrt werden. Damit will die Stadt die Lärmbelastung der Anwohner mildern. Wann es soweit ist, ist aber noch völlig offen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Arnd Woletz 12.06.2018
Wenn der Gemeinderat am Donnerstag zustimmt, sind Nachtfahrverbote für Lastwagen in Holzheim, Jebenhausen und Faurndau erstes Ziel. Doch der Weg dahin könnte zur Geduldsprobe werden.

Seit Jahren tüftelt die Stadt Göppingen an Lösungen, um die schlimmsten Krach-Strecken in der Stadt zu entschärfen. Gutachten, die im Zuge des Lärmaktionsplans  erstellt wurden, zeigten, dass es stellenweise extreme Belastungen gibt. Der Verkehr nimmt stetig zu, und die Nord-Süd-Achse  durch Göppingen ist von der Region als Schwerlastverbindung zwischen Fils- und Remstal und damit zwischen A8 und A7 erklärt worden.

 Die Stadt versucht mit dem Lärmaktionsplan  so gut wie möglich, die Folgen zu mildern. Jetzt steht  für die überarbeitete Version die Entscheidung bevor.  Die Kommune peilt darin unter anderem ein eigenes Programm für Lärmschutzfenster an. Auf 26 000 Quadratmetern Straßenfläche sei  außerdem bereits  Flüsterasphalt eingebaut worden, berichtete  der zuständige Fachbereichsleiter Werner Hauser im Ausschuss für Umwelt und Technik.  Die Stadt setzt aber auch große Hoffnungen vor allem auf nächtliche Fahrverbote für Lastwagen  auf den stark belasteten Ortsdurchfahrten von Holzheim, Jebenhausen und Faurndau.

Doch selbst wenn der Gemeinderat dafür wie es aussieht am 21.  Juni grünes Licht geben sollte, ist die Umsetzung völlig ungewiss. Denn  der Lämaktionsplan muss von der Region genehmigt werden. Außerdem muss die Kommune noch große Brocken aus dem Weg räumen. Das Lkw-Nachtfahrverbot (von 22 bis 6 Uhr) in der Ortsdurchfahrt Jebenhausen kann nämlich erst dann umgesetzt werden, wenn die Umgehungsstraße fertig ist, weil sonst keine akzeptablen Ausweichstrecken  vorhanden sind. Der Bau der Umgehung ist allerdings auch nach jahrzehntelangem Verfahren bisher auf der Startlinie kleben geblieben. Wer daran die Schuld trägt, das ist unter Göppinger Lokalpolitkern seit jeher ein beliebtes Zank-Thema. So auch diesmal.  Ausschussmitglieder von CDU und FWG schäumten, dass der grüne Verkehrsminister  „es versemmelt hat“, wie Achim Fehrenbacher sich ausdrückte. „Dadurch wurden Fristen verpasst und wir stehen wieder ganz am Anfang“. Barbara Schrade (Grüne) konterte, dass schon zu Zeiten der CDU-Landesregierungen  in Jebenhausen jahrelang nichts vorwärtsgegangen sei.

Für das Nachtfahrverbot in Holzheim sieht es da schon günstiger aus.  Dort kommt es „aufgrund der extrem beengten Ortsinnenlage“ zu einem „Kanonenrohreffekt“, wie die Stadtverwaltung es formulierte. Will heißen: Der Lärm der Lastwagen wird unerträglich. Tempo 30 gilt hier schon. Eine nächtliche Verlagerung des Schwerverkehrs sei deshalb vertretbar. Allerdings steckt der Teufel im Detail. Denn  ins Holzheimer Gewerbegebiet und wieder hinaus rollen in einer durchschnittlichen Nacht immer noch etwa 120 Lastwagen, wie Zählungen ergaben. Dort ist auch die Spedition Wackler angesiedelt. Die Brummis müssten dann einen kilometerlangen Umweg über Schlat und Süßen zur B 10 fahren. Klar ist indes: Ausnahmen für Wackler soll es nicht geben. Auch Anlieger müssen sich an das Nachtfahrverbot halten. Mit der Firma Wackler soll es jetzt ein Abstimmungsgespräch geben.

Für die Ortsdurchfahrt in Faurndau Richtung Jebenhausen tauchten  im Ausschuss am wenigsten Kontroversen auf. Dort soll als Alternative der Umweg über die B 297 dienen. Der Zusatzweg sei im Interesse der Anwohner an der St. Galler Straße.

Für die am meisten belastete Strecke kann es dagegen kein Nachtfahrverbot geben: für die Lorcher Straße in Göppingen. Doch  untätig will die Stadtverwaltung auch hier nicht bleiben: Für einen Blitzer auf Höhe der Abzweigung Burgstraße nahe dem Landratsamt wird nach dem Gemeinderatsbeschluss die Prüfung beantragt. Außerdem sollen hier zügig Tempo-Anzeigen aufgebaut werden, die Rasern ihr umweltschädliches Verhalten vor Augen führen.

Frust über beschränkte Möglichkeiten

Limits Ein beschränktes Handwerkszeug habe die Stadt beim Kampf gegen den Straßenlärm,  räumte Werner Hauser ein, der bei der Stadt Göppingen für Tiefbau, Umwelt und Verkehr zuständig ist. „Wir sind machtlos gegen Raser und klappernde Lkw-Aufbauten.“

Ärger Baubürgermeister Helmut Renftle ärgerte sich, dass der Gesetzgeber zwar einen  Lärmaktionsplan vorschreibe, aber wenig gegen die Lärmbelästigung durch zu laute Motoren oder Auspuffanlagen unternehme. Es sei an der Zeit, dass die Grenzwerte an die technischen Gegebenheiten angepasst werden.