Richtfest Extremes Projekt reift heran

Richtfest am Schafstall Randeck, im Vordergrund Hendrik van Woudenberg.
Richtfest am Schafstall Randeck, im Vordergrund Hendrik van Woudenberg. © Foto: Sabine Ackermann
Ziegelhütte / SABINE ACKERMANN 25.07.2017
Am denkmalgeschützten Schafstall Randeck ist das Dach drauf.

Der Rohbau steht, der Dachstuhl ist errichtet, die Fertigstellung rückt näher. So markiert ein Richtfest seit dem 14. Jahrhundert einen Meilenstein beim Hausbau. Ganz anders verhält es sich dagegen beim Randecker Schafstall, vormals ein Viehhaus mit sogenannten Teckschlag-Rindern. Etwa vier Jahre ist es her, dass Gerd Kälberer seinem Kollegen vorschlug: „Hendrik, da müssen wir ein Jugendprojekt daraus machen“. Doch Hendrik van Woudenberg war skeptisch: „Gerd, das macht doch keinen Sinn, das Gebäude ist viel zu marode.“ Herrlich ehrlich und natürlich, wie der Geschäftsführer der Ziegelhütte von der Hartnäckigkeit des Lehrers und Bauleiters berichtet und dabei mit seinen Zweifeln „vielleicht hat er doch recht?“ nicht hinterm Berg hält. „Herr Musolf, wir haben eine Idee. Was halten Sie davon, wenn sie uns die Grundsteuer schenken“, plaudert der Bad Boller weiter aus dem Nähkästchen. Zwar wurde aus der Schenkung nichts, doch „im März 2015, bei eisiger Kälte“, haben er und Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf einen Erbpachtvertrag unterzeichnet. Soll heißen, die Gemeinde überlässt die nächsten 80 Jahre das Grundstück mit Schafstall kostenlos der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte; für die nicht unerheblichen Baukosten fanden sich viele großzügige Sponsoren.

Mehr als 30 Jungen und Mädchen, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen oder in der Schule abgestürzt sind, werden in dem „Projekt zur Berufsorientierung im denkmalgeschützten Schafstall Randeck“ an ein selbständiges Leben herangeführt. Das renovierungsbedürftige Gebäude lädt dazu ein, diverse Bauberufe kennen zu lernen.

„Ein wirklich extremes Projekt“, erinnert sich Bürgermeister Marcel Musolf an die Vertragsunterzeichnung. Viele Euros müssen noch aktiviert werden, damit die Verbundenheit der Handwerker mit den Jugendlichen auch Früchte trägt, so der Schultes weiter. Dann war es soweit: Der verantwortliche Zimmermeister stand mit vier weiteren Kollegen auf dem Dach und las gut hörbar seinen Richtspruch vor. „Wir haben weise eingeseh’n, es gilt: verschiedenes zu versteh’n, dass man im Leben dann und wann, auch Altes doch noch brauchen kann“, sind nur einige der Textzeilen aus eigener und bekannter Feder, die Peter Hepperle zum Besten gibt. „Die Jungs der Ziegelhütte haben sichtbar zum Gelingen von diesem Projekt beigetragen, ihr wart super“, lobt der Restaurator aus Neidlingen die jungen „Kollegen“.

Es gibt auch schon eine erste Saal-Reservierung. Hannelore und Manfred Mezger wollen hier im Oktober 2022 ihre „Goldene Hochzeit“ feiern. Sie gehören zu den Stiftern. Ihre Stiftung haben sie nach ihrer verstorbenen Tochter Eileen benannt, das Mädchen besuchte die Ziegelhütte.