Göppingen / SANDRA THURNER  Uhr
Liedermacher Werner Lämmerhirt groovte, jazzte, swingte und bewies im Bartenbacher Engel einmal mehr, dass er ein Tausendsassa auf der Gitarre ist.

Werner Lämmerhirt zu Gast in Bartenbach, der Gitarrenvirtuose, der auch über die Grenzen Deutschlands anerkannt ist, der Liedermacher, der 1998 den Ravensburger Kleinkunstpreis erhielt - da war das Gasthaus zum Engel voll. Voll von langjährigen Fans seines akustischen Gitarrenspiels, für die dieser Termin beinahe ein Muss war, und voll von Interessierten, die sich gerne inspirieren ließen. Bereits beim Intro war dem Publikum dann endgültig klar, dass hier ein Begnadeter seines Fachs spielte.

Sein Gitarrenspiel, mal geradlinig, mal verspielt, dann wieder groovig-jazzig bis rockig, bot eine maximale musikalische Variationsbreite. Hierfür benötigte er drei Gitarren, die er immer wieder wechselte. Sein expressives Spiel auf der Gitarre verdeutlichte: Die Musik spielte ihn, nicht umgekehrt. Mit unverwechselbar rauer Stimme sang er Texte, die sein Leben schrieb: Von Titeln wie "Bedingungslos" über "Ja, das Leben kann manchmal so einfach sein" bis "Lass mich nicht stehen".

Seine hintersinnigen Lieder kamen allerdings ohne Höhen und Tiefen daher. Die Themen verschwammen im Laufe des Abends ohne wesentliche Akzentsetzungen. Der erzählende Duktus der Liedtexte war allzu gleichbleibend. Selbst das Schlusslied vermochte kein Highlight zu markieren.

Auch zwischen den Songs erzählte er Anekdoten aus seinem Leben und von seiner musikalischen Vita. Er arbeite etwa an einer neuen Platte und meinte scherzhaft: "Im Alter braucht das länger - deshalb wird sie 'Halbe Ewigkeit' heißen."

Gerne schreibe er Liedtexte gegen seine Winterdepression, die bereits Ende August losgehe, wenn der erste Lebkuchen bei Aldi erhältlich sei. "Um nicht ganz wahnsinnig zu werden, fange ich dann an, intensiv Frühlingstitel zu schreiben." Aus dieser Stimmung heraus sei auch das Lied "Komm mein Mädel, lass uns tanzen gehen, wenn der Frühling explodiert" entstanden.

Selten wird er konkret gesellschaftskritisch oder politisch, etwa mit verstreuten Liedzeilen wie "Der Kalte Krieg ist noch lange nicht beigelegt" oder "Ich habe gefühlt / viele haben nichts / leben auf der Straße". Das gesungene Wort bleibt hier Wort und Satz bleibt Satz - nur punktuell konnten im Zuhörer Bilder entstehen, die er nachzeichnen konnte, wie etwa bei der Liedstrophe "Liegt ein Zauber in der Luft, oder bilde ich mir das nur ein / denn ich spüre viel zu oft (. . .) / Wenn der Himmel über mir, sich mühsam rosarot verfärbt."

Werner Lämmerhirt zupfte und "daddelte", wie er selbst eine seiner Gitarrentechniken titulierte, improvisierte gekonnt und wusste mit seinem Gitarrenspiel absolut zu überzeugen.