Führung Explosionsgefahr bei zu viel Kohlensäure

Jebenhausen / Axel Raisch 18.08.2018
Sommer der Sommer der Ver-Führungen: Wie stößt man auf Quellen? Wie kommt das Wasser in die Abfüllanlage? Aufschluss gab eine Betriebsbesichtigung beim Göppinger Mineralbrunnen.

Die richtige Führung zur richtigen Zeit: Betriebsbesichtigung beim Getränkehersteller Göppinger Mineralbrunnen in Jebenhausen im Sommer, der nicht nur Felder, sondern auch Kehlen trocken werden lässt. Ein Leergutproblem gebe es dennoch nicht, erklärte Gästeführer Adolf Geiger auf mehrfache Nachfrage. Nicht zuletzt, da man recyclebare PET-Flaschen in der Anlage aus Rohlingen selbst herstelle.

Geiger war 30 Jahre Betriebsleiter beim Göppinger Getränkehersteller. Heute ist er verantwortlich für die Führungen durch die drei Standorte des Unternehmens Aqua Römer. Neben Mainhardt und Bad Niedernau befindet sich der Hauptsitz jedoch in Göppingen, wo auch der Großteil der rund 230 Mitarbeiter beschäftigt ist, welche 50 Wasser- und nichtalkoholische Mixgetränkesorten auf den Markt bringen.

Während der zweistündigen Führung im Rahmen des „Sommers der VerFührungen“ erläuterte Adolf Geiger die Abläufe im Betrieb, aber auch, wie man auf Quellen stößt, wie das Wasser in die Abfüllanlage kommt, wie oft Flaschen wieder verwendet werden können, wie sie gereinigt werden, dass Mineralwasser im Gegensatz zu Heilwasser an der Quelle abgefüllt werden muss, dass der Gesetzgeber vorschreibt, maximal sieben Gramm Kohlensäure pro Liter zusetzen zu dürfen, um Explosionsverletzungen auszuschließen und beeindruckte und überraschte mit allerhand Zahlen.

Eine alte Abfüllanlage, an der in früheren Zeiten in einer Stunde 200 Flaschen von 50 Mitarbeitern abgefüllt wurden, durften die Besucher ebenfalls sehen, um sich anschließend ein Bild davon zu machen, wie fünf Mitarbeiter heute dafür sorgen, dass 40 000 Flaschen pro Stunde auf die Paletten kommen.

Darüber hinaus ging Geiger auf verschiedenste Fragen der Besucher ein. Auch nach 15 Jahren außer Dienst war seine tiefe Verbindung mit dem Betrieb und die absolute Kenntnis der Abläufe und Rahmenbedingungen spürbar. So blieb auch (fast) keine Frage offen.

Hans-Peter Mühleisen hätte noch die genaue Zusammenführung der verschiedenen Inhaltsstoffe, etwa beim Cola-Mix interessiert. Doch das sei wohl etwas für eine individuelle Führung, sagte der Süßener schmunzelnd, der sich beeindruckt zeigte vom Produktionsablauf, der von der Anlieferung schmutziger Flaschen bis zur Auslieferung in einem Prozess erfolge. Es habe sich schon einiges verändert, stellte Mario Schmidtke aus Ebersbach fest. Er hatte vor 20 Jahren ein Praktikum im Betrieb gemacht. Nun war er mit seiner Frau Sonja und den Kindern zur Führung gekommen. Für die Töchter Anouk und Leni war es interessant zu erfahren, wo und wie ihr Lieblingsgetränk Aqua Römer Apfel-Rote Traube hergestellt wird.

Großes Erstaunen löste Geiger aus, als er von seinen Wünschelrutengängen zur Erkundung von Wasseradern berichtete. Seit 50 Jahren spüre er damit Wasserquellen auf – als einziger im Betrieb.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so interessant ist, aber auch nicht, dass so wenig Personal hier ist“, zeigte sich Wilfried Sterlike aus Heiningen erstaunt. Als ehemaligen Schuler-Schlosser hätten ihn vor allem die mechanischen Abläufe interessiert.

„Total fasziniert“, war Ulrike von der Halde aus Bad Boll, dass es „eine Straße von der Anlieferung bis zur Auslieferung“ gebe und dass Flaschen zum Teil vor Ort aus Rohlingen hergestellt würden. Interessant sei auch gewesen, dass die Getränkemischungen direkt von der Abfüllmaschine vorgenommen würden.

Neue Sorten entdeckt

Bei einer Verkostung nach der Führung konnten sich die Besucher über das Gesehene austauschen und neue Sorten entdecken. Vielleicht entdeckte auch mancher, dass Wasser nicht gleich Wasser ist. Es werde aus unterschiedlichen Tiefen und Schichten gewonnen. So könnten auch verschiedene Geschmäcker bedient werden, erläuterte Geiger. Führungen durch den Betrieb hält er für wichtig, um den Verbrauchern zu zeigen, welcher Aufwand betrieben werde, um ein hochwertiges, schmackhaftes Produkt auf den Markt bringen zu können. So werde klar, dass dies nicht kostenlos geschehen könne – auch wenn es in den Augen mancher „nur“ Wasser sei. Nach der Führung, zumal bei der derzeitigen Wetterlage, dürfte wohl niemand mehr Wasser geringschätzen.

Info Unter dem Link www.sommer-der-verfuehrungen.de/programmheft-2018  können sich Leser über freie Plätze bei kommenden Veranstaltungen und ausgebuchte oder abgesagte Veranstaltungen informieren.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel