Kliniken Experte soll Schlaganfall-Streit im Landkreis klären

Kreis Göppingen / Arnd Woletz 07.08.2017
Die Behandlung von Schlaganfall-Patienten ist im Landkreis weiter ein Zankapfel. Nun will das Sozialministerium mit Hilfe eines Gutachtens entscheiden.

Time is brain“ ist das Motto bei der Behandlung von Schlaganfällen. Übersetzt heißt das: Je schneller ein Betroffener in der Klinik behandelt wird, desto mehr Chancen hat er, große Teile der Gehirnfunktion zu erhalten. Es geht um Minuten. Doch wohin soll der Rettungsdienst die Patienten bringen? Im Raum Göppingen kommen mit der Klinik am Eichert und dem Christophsbad zwei Standorte in Frage. Derzeit entscheidet der Notarzt, wohin der Patient gebracht wird. (siehe Infobox).

Im Landeskrankenhausplan sind beide Kliniken als kooperierende Standorte ausgewiesen. Vor vier Jahren wurde die Einigung für ein gemeinsames Schlaganfallzentrum mit „Zwei-Pforten-Lösung“ unter großem medialem Echo besiegelt. Doch mittlerweile ist die Kooperation „trotz Moderation gescheitert“, sagt das Sozialministerium des Landes. Es lägen zwei Anträge auf getrennte Ausweisung von Schlaganfallstationen vor.

Das Land muss nun entscheiden. Dafür holt sich das Sozial- und Integationsministerium die Expertise aus Berlin. Professor Darius Günther Nabavi vom Vivantes Klinikum in Neukölln hat den Auftrag erhalten, ein Gutachten zu erstellen. Das soll bis zum Herbst die Frage beantworten, an welcher Klinik eine höhere Leistungsfähigkeit in der Schlaganfallversorgung gewährleistet ist oder durch Nachbesserungen erreicht werden kann. Berücksichtigt werden soll die baden-württembergische Schlaganfallkonzeption und der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisstand.

Das Klinikum Christophsbad hatte stets betont, es sei mit seiner Neurologie und Neuroradiologie sowie deren Spezialisten hervorragend  für die Schlaganfallbehandlung ausgestattet. Es habe auch einen entsprechenden Versorgungsauftrag. Es könne nicht angehen, dass ein Filetstück aus dem privaten Klinikum herausgeschnitten und an den Eichert verlegt werde.

Die Chefetage der Klinik am Eichert sowie der Landkreis als deren Träger betonen, dass es für die optimale Versorgung entscheidend sei, nicht nur Schlaganfälle mit eindeutiger Symptomatik zu betrachten, sondern auch die vielen Patienten mit komplexen Krankheitsbildern. Am Eichert seien dafür die nötigen Spezialisten versammelt. Schlussfolgerung: Eine gemeinsame, klinikübergreifende Versorgung in der Klinik am Eichert sei die beste Lösung. Dazu sollten die neurologischen Fachkräfte des Christophsbads an den Eichert kommen. Dann wären die Kompetenzen an einem Ort gebündelt. Eine solche „gemeinsame Pforte“ vermeide Irrwege für Patienten, Angehörige und Rettungsdienst. Der Neubau der Klinik biete „die einmalige Chance, zusammenzuführen, was zusammen gehört“.

Unter Umständen müsste der Klinik-Neubau dann umgeplant werden. Zwar „stehen für die Akutphase in der neuen Klinik ausreichend Kapazitäten für Diagnose und Überwachung zur Verfügung“, wie die Geschäftsführung betont. Doch am Eichert ist weiter keine Neurologie-Station mit Patientenbetten vorgesehen, wie sie am Christophs­bad seit Jahrzehnten existiert. Sollte das Sozialministerium also eine Schlaganfallversorgung am Eichert unter Federführung des Christophs­­bads befürworten, wären zusätzliche Räume und Apparate zu finanzieren. Der Krankenhausausschuss des Landes soll Ende des Jahres entscheiden.

Wie funktioniert die „Zwei-Pforten-Lösung“?

Alternativen Es gibt im Kreis Göppingen keine einheitliche Anlaufstation für Patienten mit Schlaganfall-Verdacht. Der Notarzt entscheidet darüber, wohin Patienten gebracht werden.

Entscheidung Dafür hält sich der Rettungsdienst streng an ganz bestimmte Kriterien, erklärt Jochen Haible, Leiter des Rettungsdienstes beim Kreisverband Göppingen des Roten Kreuzes. Wenn Patienten klinisch stabil sind und keine größeren Begleiterkrankungen haben, werden sie ins Christophsbad gebracht. Liegen jedoch weitere gesundheitliche Risiken vor, beispielsweise ein Herzpoblem oder ein extremer Blutdruck, werde die Klinik am Eichert angesteuert. Die Leitstelle wird entsprechend informiert und sendet ein sogenanntes „Schlaganfallfax“ an die jeweilige Einrichtung.

Neutralität Haible betont, das Rote Kreuz wolle in dem Streit neutral bleiben und wünsche sich im Sinne der Patienten eine gute
Lösung.

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