Murnau/Göppingen Ex-Bürgermeister macht Stimmung gegen Flüchtlingspolitik

Murnau/Göppingen / ANDREAS SEILER 20.12.2014
Der Göppinger Ex-Bürgermeister Joachim Hülscher wettert gegen die Flüchtlingspolitik der Marktgemeinde Murnau. Die ersten Anwohner gehen auf Distanz.

Mit umstrittenen Methoden nimmt der ehemalige Göppinger Baubürgermeister und Stadtrat Joachim Hülscher Einfluss auf eine Diskussion über die geplante Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen CVJM-Freizeitheim im Murnauer Ortsteil Westried (Landkreis Garmisch-Partenkirchen): Er macht Stimmung gegen das Hilfsprojekt.

Seine Frau lebt ganz in der Nähe der besagten Einrichtung, Hülscher hat dort zwar nicht seinen festen Wohnsitz, ist aber regelmäßig vor Ort. Dem Architekten eilt der Ruf voraus, eine rechte Gesinnung zu haben. So engagiert er sich für den erzkonservativen Andreas-Hofer-Bund (AHB). Der Organisation, die sich für eine Loslösung Südtirols von Italien einsetzt, wird eine gewisse Nähe zu braunen Kreisen nachgesagt. Die ersten Anlieger gehen bereits auf Distanz. Gewarnt wird vor einem "Wolf im Schafspelz".

An Selbstbewusstsein und wuchtiger Rhetorik mangelt es Hülscher nicht: Er wandte sich mit einer "Pressemitteilung" an die Murnauer Lokalzeitung, in der er von einem Stammtisch berichtet, der zu einer "Bürgerversammlung" geraten sei - und zu einer "Manifestation" des Bürgerwillens. Für Hülscher steht fest: Die Asylpolitik der Marktgemeinde sei "verfehlt".

Alteingesessene Bürger scheinen jedoch mit Hülschers Vorstoß und seinen Ansichten alles andere als einverstanden zu sein. Dr. Peter-Michael Asam stellt "im Namen zahlreicher Anwohner" klar: Hülscher sei nicht legitimiert, im Namen der Moosrainer Stellung zu beziehen und eine Erklärung herauszugeben. Der Physiker wettert gegen den "selbsternannten Wortführer" und warnt vor einem "rassistischen Gedankengut". Man müsse die Debatte "sachlich und nüchtern" führen.

2013 bekam Hülscher aufgrund seiner angeblich rechten Ansichten mächtig Gegenwind in seiner Göppinger Freie-Wähler-Fraktion. Dabei ging es unter anderem um seine Aktivitäten im AHB. Nach eigenen Angaben ist er derzeit dessen stellvertretender Bundesobmann.

Hülscher wehrt sich gegen die Anschuldigungen: "Das ist doch alles Unsinn." Er sei als Mitglied der Freien Wähler ein "bürgerlicher Politiker" und vertrete keine braunen Positionen. Der Oberammergauer Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Florian Streibl, distanziert sich in einer Pressemitteilung von dem Ex-Politiker, der ebenfalls bei den Freien Wählern ist. Streibl betont, dass er mit den "asylbewerberfeindlichen Äußerungen und Umtrieben von Joachim Hülscher nichts zu tun" habe. Dieser finde bei den Freien Wählern hier im Landkreis keine Heimat. Denn, so Streibl weiter: "Das Werdenfelser Land ist eine Region der Gastfreundschaft und nicht der Fremdenfeindlichkeit."