Kreis Göppingen EVF erwägt neuen Kraftwerksanteil

ARND WOLETZ 10.08.2012
Wegen des kürzlich beschlossenen Abschieds vom geplanten Gemeinschafts-Kraftwerk in Brunsbüttel muss die Energieversorgung Filstal 200 000 Euro abschreiben. Jetzt gilt es, neue Quellen zu erschließen.

Die jüngst getroffene Entscheidung, das jahrelang geplante Kohlekraftwerk in Brunsbüttel nicht zu bauen, hat auch Auswirkungen auf die Energieversorgung Filstal (EVF). Der lokale Anbieter wäre mit 0,5 Prozent an dem Kraftwerk beteiligtgewesen, das hätte einer Investition von 20 Millionen Euro entsprochen. Doch die Südweststrom, ein Zusammenschluss von 61 Stadtwerken, hat das Projekt wie berichtet Ende Juli gekippt.

Für die EVF bedeutet das nicht nur, dass sie die bisher für den Kraftwerksplan aufgelaufenen Kosten von 200.000 Euro abschreiben muss, bestätigt EVF-Chef Dr. Martin Bernhart. Es gelte nun auch, neue Quellen für die sogenannte Grundlast im kreisweiten Stromnetz zu erschließen. Möglich wäre beispielsweise eine Beteiligung an dem geplanten Gas- und Dampfkraftwerk in Krefeld-Uerdingen. „Da würden wir uns mit fünf Megawatt beteiligen“, sagt Bernhart. Das wäre etwa die Hälfte dessen, was die EVF in Brunsbüttel abzweigen hätte können. Bis die Entscheidung über das vom Stadtwerkeverbund Trianel geplanten Projekt in Krefeld gefallen ist, werde sich die EVF auf den weiteren Ausbau der Kraft-Wärme-Koppelung und auf mögliche Windkraft-Standorte in ganz Deutschland konzentrieren.

Als Grund für den Ausstieg aus dem Brunsbütteler Werk nennt Bernhart vor allem die unsichere wirtschaftliche Ausgangslage. Die neue Landesregierung in Schleswig-Holstein habe das Projekt nicht unterstützt. Auch deshalb habe es sich wirtschaftlich nicht mehr darstellen lassen. Der EVF-Geschäftsführer hat in der entscheidenden Sitzung der Gesellschafter folglich ebenfalls für den Ausstieg gestimmt. Das Risiko, hohe Verluste einzufahren, sei zu groß gewesen. „Mein Motto lautet: Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab“, sagt Bernhart. Auch Umweltschützer hatten gegen die in ihren Augen unverantwortliche „CO2-Schleuder“ mobil gemacht.

Kraftwerks-Projekte sind wegen der riesigen Investitionssummen immer sehr langfristig angelegt. Auch Brunsbüttel habe zur Zeit seiner Planung noch Rendite versprochen. In der Energiepolitik sei aber „vieles ins Stocken geraten“, stellt Bernhart klar. Dennoch sei die EVF derzeit in einer recht komfortablen Lage, denn sie kann den Strom, den sie an ihre Kunden weitergibt, derzeit billiger an der Strombörse kaufen, als ihn selber zu produzieren.