Kreis Göppingen Euro-Zone: Göppinger Bestseller-Autoren sprechen von Diebstahl

Marc Friedrich: "Ich renne nicht mit einem grinsenden Gesicht durch die Stadt."
Marc Friedrich: "Ich renne nicht mit einem grinsenden Gesicht durch die Stadt."
Kreis Göppingen / SUSANN SCHÖNFELDER 28.03.2013
Der Siegeszug der Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich setzt sich fort. Ihr Bestseller "Der größte Raubzug der Geschichte" ist aktueller denn, wie die Euro-Krise und die Rettung Zyperns zeigen.

Nein, Genugtuung empfinde er nicht angesichts der aktuellen Turbulenzen in der Euro-Zone. "Ich renne nicht mit einem grinsenden Gesicht durch die Stadt und freue mich, dass ich Recht habe. Im Gegenteil: Mir wird angst und bange", sagt Marc Friedrich. Im Juli vergangenen Jahres hatte der Göppinger Ökonom und Bestseller-Autor vorhergesagt: "Die wahre Krise kommt noch. Der Euro ist gescheitert, das Finanzsystem wird kollabieren. Es wird nicht mehr lange dauern, bis uns das Ganze um die Ohren fliegt."

Mit der dramatischen Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott sei das Szenario, das Marc Friedrich und Matthias Weik in ihrem Buch "Der größte Raubzug der Geschichte" beschreiben, "leider Realität geworden". Dass Kontoinhaber zur Kasse gebeten werden, um einen Crash zu verhindern, halten die Wirtschaftswissenschaftler für "ein verheerendes Signal an die Bürger und Sparer in ganz Europa sowie an die Investoren weltweit". Friedrich ist überzeugt: "Dieser unfassbare Entschluss wird als ein weiterer Brandbeschleuniger der Krise in die Geschichtsbücher eingehen." Nicht die Bankkunden, sondern die Banken hätten sich verzockt. "Die Sparer jetzt daran zu beteiligen, ist nichts anderes als Diebstahl", meint der 37-Jährige.

"Der größte Raubzug der Geschichte" gehe unvermindert weiter. Das Buch mit eben diesem Titel hält sich seit acht Monaten auf den Bestseller-Listen. Es ist die Ankündigung eines Zusammenbruchs, ein humorvoll geschriebenes, "rein faktenbasiertes" Lexikon über die Machenschaften der Finanzindustrie, aber auch ein Ratgeber für verunsicherte Menschen, die nicht wissen, ob und wo sie ihr Vermögen am sichersten anlegen. "Sparen lohnt sich nicht mehr. Daher raus aus Papierwerten und rein in Sachwerte", empfiehlt Friedrich, der zusammen mit seinem Partner das Göppinger Unternehmen "Friedrich & Weik Vermögenssicherung" führt.

Die Ökonomen malen ein düsteres Bild von der Zukunft. Das jüngste Rettungspaket sei auch für andere Länder denkbar: "Zypern ist nur ein Testfeld. Wenn es dort funktioniert, wird es überall klappen." Die Einlagensicherung bis 100 000 Euro "war unserer Ansicht noch nie etwas wert und wird es auch in Zukunft nicht sein", sind die Autoren überzeugt. Aber bricht das System nicht erst recht zusammen, erfüllt sich die Prophezeiung nicht erst recht, wenn morgen jeder sein Geld vom Konto abhebt? Friedrich schüttelt den Kopf: "Dann ginge es schneller. So ist es ein schleichender Tod."

Die Göppinger sehen ihr Buch als "Akt der Zivilcourage", sie wollen die Menschen aufrütteln und einen Wandel einläuten, "damit wir kein finanzielles Fukushima, keinen Bürgerkrieg oder Krieg erleben müssen". Friedrich glaubt nur an einen Weg aus der Krise: "Alle Länder müssen zurück zur Ursprungswährung, dann muss ein Schuldenschnitt her. Der Euro zerstört Europa und die europäische Idee."

Fest steht: Der "Raubzug" der Göppinger trifft den Nerv der Zeit. "Inzwischen haben wir 55 000 Exemplare verkauft, der Titel verkauft sich nach wie vor sehr gut", sagte gestern Ina Beneke vom Tectum Verlag in Marburg. "Es gibt immer wieder neue Höhepunkte der Finanzkrise, jetzt die Situation in Zypern, die für Interesse am Titel sorgen." Marc Friedrich und Matthias Weik können sich vor Anfragen für Interviews und Vorträge kaum retten, das Buch steht seit neuestem in koreanischen Bücherregalen, weitere Übersetzungen sollen folgen. Die zwei Göppinger sind glücklich und überwältigt - und haben jetzt ein Ziel: Eckart von Hirschhausen von Platz eins der Spiegel-Bestseller-Liste zu verdrängen.

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