Göppingen/Geislingen Ethikkomitee der Alb-Fils-Kliniken hilft bei Konfliktsituationen

Dr. Lothar Grimm (li.) und Dr. Christoph Grünwald sprechen über ethische Fragen.
Dr. Lothar Grimm (li.) und Dr. Christoph Grünwald sprechen über ethische Fragen. © Foto: Annerose Fischer-Bucher
Göppingen/Geislingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 07.10.2014
An den Alb-Fils-Kliniken in Göppingen und Geislingen gibt es ein Ethikkomitee. Die Vorsitzenden Dr. Grünwald und Dr. Grimm erläutern die Aufgaben.

In den Alb-Fils-Kliniken gibt es seit etwa zehn Jahren ein Ethikkomitee. Nun plant das Göppinger Christophsbad in diesem Jahr ebenfalls ein Ethikkomitee einzurichten. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits. "Es gibt Situationen, wo sich die schwierige Frage stellt, ob es im Sinne des Patienten ist, die Therapie fortzuführen, vor allem dann, wenn sich der Patient nicht mehr dazu äußern kann," sagt Dr. Christoph Grünwald, Oberarzt des Medizinischen Versorgungszentrums an der Göppinger Klinik am Eichert.

Sein Kollege an der Helfenstein Klinik in Geislingen und dortige Vorsitzende des Ethikkomitees, Oberarzt Dr. Lothar Grimm, ergänzt: "Wir geben Empfehlungen an das behandelnde Team, wenn wir vom medizinischen Personal oder von Angehörigen angefragt werden, um in einer schwierigen Konfliktsituation eine Entscheidungshilfe zu geben." Es gibt Situationen, in denen der Patient nicht mehr reden kann, wo keine Patientenverfügung vorliegt, wo beispielsweise der Arzt sagt, wir müssen noch therapieren, aber die Angehörigen tun sich damit schwer - dann tritt auf Anfrage das Ethikkomitee zusammen.

Es besteht aus verschiedenen Berufsgruppen: Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Verwaltung und Seelsorger. Die Mitglieder werden von der Geschäftsführung der Klinik berufen, sind aber nicht weisungsgebunden. Grünwald sagt, dadurch dass die Mitglieder aus verschiedenen Berufen kämen, würden unterschiedliche Lebens- und Denkgewohnheiten in die Beratung einfließen. Heute spiele die Patientenautonomie eine große Rolle, denn der Patient möchte bei der Therapie mitreden.

Was aber, wenn beispielsweise ein an Alzheimer Erkrankter sich nicht mehr äußern und nicht mehr essen kann. Es soll ihm eine Magensonde eingepflanzt werden, obwohl er das vielleicht gar nicht möchte. Soll man nun eine Therapie machen oder nicht oder soll man sie begrenzen? Mit solch schwierigen Fragen beschäftige sich das Ethikkomitee, und es werde häufig von Ärzten und von Angehörigen nachgefragt, sagt Lothar Grimm.

Bundesweit gebe es diese Einrichtung an zwei Dritteln der Krankenhäuser. Die Idee dazu entstand ursprünglich in den 60er Jahren in den USA, als es mehr Patienten als Dialysegeräte gab. In Deutschland haben zuerst konfessionelle Häuser die Idee eines Ethikkomitees aufgegriffen.

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