Porträt Erziehung zum Staatsbürger als Aufgabe

Der Philosoph Theobald Ziegler stammte aus Göppingen.
Der Philosoph Theobald Ziegler stammte aus Göppingen. © Foto: Denkhaus-Verlag
Göppingen / Margit Haas 05.09.2018

„Inserviendo aliis, consumor. – Indem ich anderen diene, gehe ich den Weg des Mitnehmens.“ Geprägt von seinem Lebensmotto hat Theobald Ziegler zeitlebens gewirkt. Der Gelehrte entstammte einer Pfarrerdynastie und starb vor 100 Jahren im Elsass „an einer rasch verlaufenden Ruhr-Erkrankung“, weiß Dr. Tilmann Schroth. Der Göppinger hat sich mit Zieglers Lebensweg beschäftigt und voriges Jahr eine Biografie veröffentlicht. Es war ihm ein Anliegen, „einen in der Vergangenheit hoch geschätzten Theologen, Philosophen und glänzenden Schriftsteller, einen berufenen Pädagogen, renommierten Sozialwissenschaftler, politisch denkenden Bürger und gebürtigen Göppinger wiederzuentdecken.“

Fast 30 Jahre lang war Ziegler Ordinarius am Lehrstuhl für Philosophie der damaligen Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg, zwei Jahre auch ihr Rektor. „Eines seiner großen wissenschaftlichen Anliegen bestand darin, im Sinne der von ihm vertretenden Sozialethik das ganze 19. Jahrhundert mit den tiefen Verwerfungen und deren Konsequenzen in Richtung einer taumelnd sich fortbewegenden Folgezeit samt der Jahrhundert-katastrophe des Ersten Weltkriegs in einen gesellschaftspolitischen Zusammenhang zu stellen“, so  Schroth. Theobald Ziegler wurde  1846 geboren. Die Industrialisierung veränderte die Gesellschaft. Für den hingerichteten Linken Robert Blum sollte in Göppingen ein Trauergottesdienst abgehalten werden. Pfarrer Eduard Ziegler – Theobalds Vater – weigerte sich. Ihm wurden Fensterscheiben eingeworfen – ein Ereignis, das dem kleinen Theobald „tief im Gedächtnis blieb“. Die Familie zog nach Herrenberg, Theobald wurde Lateinschüler, kam aufs Gymnasium nach Stuttgart, studierte am Stift in Tübingen. Er sah sich als „Linker“, der vom Denken Ferdinand Lassalles geprägt war. Und war ein „glühender Verfechter der deutschen Reichseinheit“ – auf kulturellem und „nicht einmal ansatzweise auf völkischem Gebiet“, so sein Chronist.“

Nach einem brillanten Studienabschluss ging Ziegler in den Schuldienst und lehrte in Württemberg und der Schweiz. Auf der Basis der Lehren von Johann H. Pestalozzi entwickelte Ziegler dann „seine eigene Sozialethik. Danach ist ein sozial-ethisch orientiertes Erziehungsprogramm eine Pädagogik, die sich die Erziehung des Jugendlichen zum Staatsbürger zur Aufgabe macht“. Er wollte die Kluft zwischen Gebildeten und Ungebildeten beseitigen und stellte  auch Besitz in Frage. Nach seiner Emeritierung lebte Ziegler in Frankfurt/ Main. Dort ist eine Schule nach ihm benannt – in Göppingen nicht.

Info Theobald Ziegler – Ein Göppinger Gelehrter ist in der Reihe „Blaubeurer Geographische Hefte“ im Denkhaus-Verlag erschienen, ISBN 978-3-930998-63-0.

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