Schau Erschwingliche Kunst fürs Bürgertum

Selbstporträt von Johannes­ ­Woelffle.
Selbstporträt von Johannes­ ­Woelffle. © Foto: Museum
Göppingen / SWP 04.09.2018

Seinen Lebensabend verbrachte Johannes Woelffle (1807-1893) in Faurndau. Hierzu hatte er sich ein Landhaus mit kleinem Park neben der Eisenbahnlinie erbauen lassen, das heute als Villa Hammer bekannt ist und als Hospiz dient. Am Haus erinnert eine Gedenktafel an die Verdienste Johannes Woelffles als Künstler und Lithograph, der viele Ansichten von Städten, Dörfern, Schlössern und Kirchen geschaffen hat. Zum 125. Todestag Johannes Woelffles, der am 20. November 1893 in Faurndau starb, zeigt das Göppinger Museum im Storchen bis 17. November aus eigenen Beständen einen Überblick über dessen künstlerisches Werk: Lithographien bedeutender Werke der Gemäldesammlungen der Alten und Neuen Pinakothek in München, die Johannes Woelffle auf Stein zeichnete und die in höherer Auflage gedruckt wurden. Auf diesem Weg hielt die große Kunst zum erschwinglichen Preis Einzug ins bürgerliche Heim. Hierbei arbeitete Johannes Woelffle in der renommierten Münchner Kunstanstalt Piloty und Löhle, deren künstlerische Leitung er später übernahm.

„Johannes Woelffle (1807-1893) – Ansichten von Schlössern, Kirchen und Städten in Baden-Württemberg“ ist Titel der Ausstellung im Göppinger Museum Storchen, die morgen um 19.30 Uhr eröffnet wird. Woelffle sei einer der ersten gewesen, der sich der neuen Kunst, der Lithographie, erfunden von Alois Senefelder 1798, zugewandt habe. Der Künstler kam aus einer Leineweberfamilie aus Ebersbach und konnte als junger Mann eine Ausbildung in der neu gegründeten Lithographischen Anstalt in Stuttgart absolvieren. Dies ermöglichte ihm ein von seiner Patin Friederike Reinfelder in Buoch und Finanzminister August Weckherlin vermitteltes Stipendium König Wilhelms I. von Württemberg. 1838 wurde Johannes Woelffle von König Ludwig I. von Bayern mit der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft für seine Verdienste um die Verbesserung der Lithographie ausgezeichnet, ebenso 1848 durch den Fürsten von Hohenzollern, wie auch später durch König Wilhelm I. von Württemberg.

In der Ausstellung im Storchen wird Woelffles Talent als Zeichner und Maler dokumentiert.Eine Kassette mit über 40 Sepiazeichnungen von Landschaften und  Gebäuden, die 1846 bei einer Reise durch Bayern, Tirol und Salzburg als Skizzen entstanden und später ausgearbeitet worden sind, belegt das. Aber auch seine schwäbische Heimat hat Woelffle vielfach im Bild festgehalten. 1829 begann der damals 22-Jährige in Zusammenarbeit mit dem Kirchheimer Landschaftsmaler Peter Jakob Büttgen nach dessen Gemälden eine Serie von Ansichten württembergischer Städte. Im September 1829 wurde im Göppinger Wochenblatt das Erscheinen der „malerischen Ansicht der Stadt Göppingen und ihrer Umgegend“ angezeigt. Die Lithographie kostete nach Ablauf der Subskription zwei Gulden, sie war damit als Wandschmuck nur für die gehobene Bürgerschicht erschwinglich.

Der frühere Kreisarchivar Walter Ziegler wird bei der Ausstellungseröffnung am morgigen Mittwoch in das Leben und Werk des Künstlers einführen. Oberbürgermeister Guido Till wird die Schau eröffnen.

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