Festival Eritreische Frauenunion: Festival ist keine Propagandashow

Plakat für das Jubiläumsfest der Eritreischen Frauenunion: Am 22. November soll in der Werfthalle gefeiert werden.
Plakat für das Jubiläumsfest der Eritreischen Frauenunion: Am 22. November soll in der Werfthalle gefeiert werden. © Foto: Staufenpress
Göppingen / DIRK HÜLSER 14.11.2014
Nach den Vorwürfen von Exil-Eritreern gegen ein Fest in der Werfthalle melden sich nun Veranstalter und Unterstützer zu Wort. Sie sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt: "Wir arbeiten nicht für die Regierung."

Tsega Woldegiorgis ärgert sich über Vorwürfe gegen eine von ihr organisierte Veranstaltung: Eritreische Regimekritiker aus Göppingen hatten ein am 22. November stattfindendes Festival in der Werfthalle als   Propagandashow der Militärdiktatur bezeichnet  . Das weist das Vorstandsmitglied der Eritreischen Frauenunion entschieden von sich: "Wir sind ganz neutral", sagt Woldegiorgis, die in Göppingen wohnt. "Wir arbeiten nicht für die Regierung." Bei dem Festival treten bekannte Musiker aus dem ostafrikanischen Land auf, gefeiert wird laut Woldegiorgis das 35-jährige Bestehen der Frauenunion.

Die Gegner der Veranstaltung um den Göppinger Tesfai Tecle machen ihre Kritik daran fest, dass auf Flyern die Jugendorganisation der Regierung, YPDFJ, als Veranstalter ausgewiesen ist. Das Festival tourt unter dem Namen "Biddho Tour VII" durch halb Europa. Göppingen sei aber keine Station der Tournee, kontert Woldegiorgis. Lediglich die gleichen Künstler würden in der Werfthalle auf der Bühne stehen. "Wir haben gesagt, warum sollen wir zum Jubiläum andere Künstler holen, die sind ja eh da."

"Niemand wird gezwungen, da hinzugehen"

Auch den Vorwurf, dass Druck auf Exileritreer ausgeübt werde, damit sie an dem Fest teilnehmen oder es finanziell unterstützen, weisen die Unterstützer zurück. "Niemand wird gezwungen, da hinzugehen", meint etwa Yohannes Russom, Vorsitzender des Vereins der Eritreer-Deutschen aus Stuttgart. "Dass die Regierung so mächtig ist, uns zu zwingen, dort hinzugehen, ist eine haltlose Behauptung." Das sieht auch Dr. Ammanuel Tukue, der Vorsitzende des Eritreischen Vereins Göppingen, so: "Das ist eine falsche Behauptung, meine Frau geht da freiwillig hin."

Anstatt einer Propaganda-Show soll den Besuchern ein fröhliches Fest geboten werden. Dazu habe die Frauenunion auch allen Grund, meint Vorstandsmitglied Woldegiorgis, seit 35 Jahren kämpfe ihr Verein für Frauenrechte in dem Land und gegen Missstände wie die Beschneidung. "Wir helfen auch alleinerziehenden Frauen in Eritrea, die ihre Männer im Krieg verloren haben", unterstreicht sie. Das Land hatte 1993 nach 30-jährigem Krieg die Unabhängigkeit von Äthiopien erkämpft, immer wieder gibt es Grenzstreitigkeiten. Woldegiorgis sagt aber auch: "Wir akzeptieren unsere Regierung, haben nichts dagegen, was sie macht."

Verein gehe "nicht im absoluten Gleichschritt mit der Regierung"

Unterstützer Russom weiß, dass es viele Dinge gibt, die besser laufen könnten: "Natürlich gibt es Probleme, es ist ein junger Staat." Das Einparteiensystem ist ihm aber auch suspekt: "Eine konstruktive Opposition, die diesen Namen verdient, wäre ein großes Ziel." Nicht einverstanden ist er aber mit allen Methoden der Regimekritiker im Exil, er sagt: "Wenn ich Gewalt anprangere, muss ich doch selbst Toleranz üben." Und das sei nicht immer der Fall - sagt auch der Journalist Martin Zimmermann aus Plochingen, Vorsitzender des Eritreahilfswerks EHD.

Er spricht von einer "gewalttätigen Opposition", ein Problem, das hierzulande erst seit zwei Jahren zu beobachten sei, "das kommt aus der Schweiz". Dort wohnen viele eritreische Flüchtlinge. Der 59-Jährige, der vor zwei Wochen von einer längeren Reise nach Eritrea zurückgekommen ist, lobt die Frauenunion als wichtigen Partner seines Vereins.

Er hofft deshalb auch, dass das Festival ein Erfolg wird: "Die Behauptung, dass sich hier eine Militärdiktatur unter dem Deckmäntelchen einer Frauenunion präsentiert, ist für die Frauenunion einfach fatal." Denn dieser Verein gehe "nicht im absoluten Gleichschritt mit der Regierung".

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel