Erinnerungen an ein Musikerleben

EVA BECK 10.03.2012
Er ist eine "Institution der Kirchenmusikszene" und war von 1953 bis 1963 Organist und Kantor in Geislingen: Hermann Rau wird am Montag 85 Jahre alt. In seinen "Memorabilien" blickt er zurück.

Geisli -

ngen / Heilbronn - 400 prall gefüllte Leitzordner mit Konzertprogrammen, Fotos, Zeitungsberichten, persönlichen Notizen standen 2008 am Ende des Arbeitslebens von Hermann Rau. Einem prall gefüllten Musikerleben, während dem der gebürtige Eislinger ab 1953 zehn Jahre lang als Kantor und Organist an der Geislinger Stadtkirche wirkte. Zuvor hatte er im Jahr 1948 als 21-jähriger Musikstudent den Geislinger Singkreis gegründet.

Zu Hermann Raus 85. Geburtstag am 12. März sind nun unter dem Titel "Memorabilien - tonal und atonal" seine Lebenserinnerungen erschienen. Ein Rückblick, in dem Rau in dreijähriger Arbeit und mit zahlreichen Schwarzweiß-Fotografien, Programmen, Tabellen, Dokumenten, Zeitungsartikeln und persönlichen Geschichten sein Leben und seine spürbare Begeisterung für seinen Beruf und die Musik nachgezeichnet hat. Stationen sind neben Geislingen Heilbronn, Stuttgart und Berlin. 1992 geht Hermann Rau, nach vierzigjähriger Amtszeit als Kirchenmusiker in den Ruhestand, sein Musikerleben geht aber weiter. Rau kauft die denkmalgeschützte alte Bahnstation Sontheim und beginnt 1996 in der dann restaurierten "Musikstation Sontheim" ein viel beachtetes Kammermusikprogramm.

Zum 1. Juli 1952 bekam Hermann Rau seine Anstellung als Kantor und Organist an der Evangelischen Stadtkirche Geislingen, mit dem zusätzlichen Auftrag eines Bezirkskantors. Etwa 15 Jahre umfasst seine Geislinger Zeit.

Sein Engagement zur Gründung des Geislinger Singkreises - Rau war damals Musikstudent und lebte in Kuchen - kommentierte die GEISLINGER ZEITUNG am 6. Januar 1949: "In aller Stille hat sich in Geislingen erneut ein kleiner Singkreis zusammengefunden, der unter der Leitung von Hermann Rau neben den alten Meistern des Chorlieds auch die modernen Komponisten zu Wort kommen lässt". Rau hat den Singkreis 17 Jahre geleitet, bis er sich 1965 nach Heilbronn verabschiedete.

In die Geislinger Jahre fallen Raus Hochzeit im August 1954, die Geburt der drei Kinder und der Einzug in den "Alten Zoll" 1955, an den er sowohl gute Erinnerungen hatte ("Es gab genügend Platz für den Flügel, das Klavier, fürs Cembalo" dazu hochwohllöbliche Akustik), als auch durchaus negative: "Während der Herbst- und Winterzeiten gab es im Monatsdurchschnitt an acht bis zehn Tagen "Heizungsferien", was bauseits mit Raumtemperaturen von fünf bis acht Grad Bestätigung fand."

Zwischen 1954 und 1963 rezensierte Rau für GZ und NWZ die Geislinger Klassik-Konzerte, im Buch findet sich eine ganzseitige Kritik über einen "unvergesslichen Konzertabend" mit der Sopranistin Gloria Davy, erschienen in der GZ am 29. Mai 1959.

Als "impulsvermittelnd" bezeichnet Rau seine musikalischen Programme in Geislingen, etwa 18 Konzerte zwischen 1955 und 1958 mit sämtlichen Orgelwerken von Johann Sebastian Bach oder auch zwei Aufführungen von Carl Orffs "Carmina Bûrana"1959 und 1961.

Info. Hermann Rau: Memorabilien - tonal und atonal. Strube Edition 9145, München, 276 Seiten, 22 Euro. Zu beziehen im Buchhandel oder direkt beim Verlag Telefon: (089) 54 42 66-11 oder info@strube.de