Göppingen Erinnerung an Synagogenbrände vor 80 Jahren

Mit Kerzen erinnerten die Teilnehmer gestern daran, wie wichtig es ist, der Gräueltaten der nationalsozialistischen Zeit zu gedenken.
Mit Kerzen erinnerten die Teilnehmer gestern daran, wie wichtig es ist, der Gräueltaten der nationalsozialistischen Zeit zu gedenken. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Maren Bertits 09.11.2018
Mit einem Friedensweg zum Synagogenplatz haben zahlreiche Zuhörer an die Nacht der Synagogenbrände in Göppingen vor 80 Jahren erinnert.

Während goldbraune Blätter auf den Synagogenplatz fallen, halten mehrere Zuschauer schützend ihre Hand vor eine Kerze. Sie soll ein Symbol dafür sein, was in Göppingen am heutigen Tag vor genau 80 Jahren geschehen ist. In der Reichspogromnacht ist die Synagoge abgebrannt, Nationalsozialisten haben jüdische Bürger misshandelt und verschleppt.

Dass so etwas nie wieder passieren darf, wurde durch ein Friedensgebet und die Erinnerung an diesem Tag ins Bewusstsein der rund 150 Anwesenden gerufen. Die Ansprache hielt Pastor Hans Martin Hoyer von der Evangelisch-methodistischen Kirche. Im Anschluss gedachte OB Guido Till in einer Rede der damaligen Geschehnisse. „Wir erinnern uns an den Beginn der Deportation der in Württemberg lebenden Juden in den letzten Novembertagen“, betonte er. Die Synagoge in Göppingen stand in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Flammen. Das religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinde Göppingens wurde zerstört.

„Vor 80 Jahren wurde der Massenmord an den Juden auch hier eingeleitet, als 1000 württembergische Juden vom Stuttgarter Nordbahnhof ins Konzentrationslager Riga verschleppt wurden“, so Till. Unter ihnen seien auch Göppinger Bürger gewesen. Fast niemand habe diesen Transport überlebt. Zu diesem Zeitpunkt seien bereits alle jüdischen Männer im Alter zwischen 16 und 65 Jahren verhaftet gewesen. „In den Tagen darauf wurden 27 Göppinger Juden erstmals in das KZ Dachau deportiert.“

Martina Rupp, Pfarrerin in Uhingen, sieht das Problem der Intoleranz auch in der Gegenwart. „Die Geister der vergangenen Zeit kriechen auch heute noch aus ihren Ecken“, so Rupp. Deshalb sei es wichtig, auf dieses Problem aufmerksam zu machen, sodass Bürger wachsamer werden. Intoleranz gebe es leider immer noch. Auch Till sieht heutzutage genug Beispiele von Gewalt gegenüber Ausländern oder Andersdenkenden. Umso wichtiger sei es, „unserer Verantwortung vor der Geschichte gerecht zu werden, indem wir uns couragiert einmischen und gegenüber alltäglichen Diskriminierungen entschieden Stellung beziehen.“

Begleitet wird die Gedenkveranstaltung mit melancholischen Klarinetten- und Akkordeon-Klängen und Geschichten von damals. So berichten Schülerinnen der Uhland-Realschule von der 14-jährigen Margot und der Familie Bernheim, die sich verstecken und flüchten mussten. Sie tragen vor, was damals in Göppingen während der Verwüstungen der Nationalsozialisten geschehen ist. Ebenso liest Rafael Mizrahi von der Jüdischen Gemeinde Stuttgart ein Gedenkgebet vor, während die Zuhörer, die die Melodie kannten, einstimmen.

Das Friedensgebet in der katholischen Kirche St. Maria und der Gedenkgottesdienst sollte die Göppinger Bürger ermutigen, gegenüber Antisemitismus mutig einzustehen und der Gewalt gegenüber Andersdenkenden keinen Platz zu bieten.

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