Ebersbach an der Fils Er will mehr als "a bissle rumsingen"

Nur rumsitzen ist nicht sein Ding. "Ich muss was tun, und das richtig", sagt der Tausendsassa Walter Zwicker.
Nur rumsitzen ist nicht sein Ding. "Ich muss was tun, und das richtig", sagt der Tausendsassa Walter Zwicker. © Foto: Sabine Ackermann
Ebersbach an der Fils / SABINE ACKERMANN 17.07.2014
Nächste Woche beginnt das 20. Sommerfestival auf Schloss Filseck. In einer Porträtserie stellen wir Menschen vor, die seit vielen Jahren zum Erfolg des Festivals beitragen. Heute: Walter Zwicker.

Viele, die mit dem Auto zum Schloss Filseck kommen, haben Walter Zwicker schon gesehen - aber haben sie ihn auch bewusst wahrgenommen? Wohl eher nicht. Dabei weist der ehrenamtliche Mitarbeiter seit dem ersten Sommerfestival den Besuchern einen Parkplatz zu. Dabei bleibt Zwicker auch in der größten Hektik kurz vor Konzertbeginn höflich. So fuhr er für einen diensthabenden Arzt sein eigenes Auto weg, damit dieser einsatzbereit für Konzert und Notfall war.

Doch bevor die Autos parken können, muss der gelernte Landwirt erstmal für ein "gmähtes Wiesle" sorgen. Mit den Faurndauer Wiesenbesitzern Willi und Martin pflegt er einen guten Kontakt. Vater und Sohn Bareis machen stets vor Festivalbeginn noch einen gepflegten "Radikalschnitt". Einmal mussten sie sogar während des Max-Raabe-Konzerts ran. Das Uhinger Ordnungsamt hatte festgelegt, dass beim Abbrennen des Feuerwerks im Umkreis von hundert Metern nichts stehen darf und die umliegenden Getreideäcker von der Feuerwehr nass gespritzt werden müssten. "Doch dann hatten Lohndrescher das frisch gedroschene und furztrockene Stroh lose rumliegen lassen. Also pressten Willi und Martin Bareis während der Aufführung das Stroh zu Rundballen und brachten diese aus der Gefahrenzone", erinnert sich Walter Zwicker.

Auch das Suchen nach scheinbar verloren gegangenen Fahrzeugen gehört in Zwickers Aufgabengebiet, der betont, dass bisher noch jedes Auto gefunden worden sei.

Der Rentner verteilt Werbemedien, hilft dabei mit, dass es am letzten Tag am Himmel schön bunt aussieht - und spielt Posaune. Letzterem Instrument ist die Bekanntschaft mit Gerald Buß zu verdanken. Anfang der 90er lernte der 75-jährige den heutigen Festivalleiter als Studenten und Dirigenten des Posaunenchors Roßwälden kennen. "Such dir einen, der mehr Zeit hat als ich", lehnte Walter Zwicker die Kandidatur für den Vereinsvorsitz dankend ab, doch zum Stellvertreter ließ er sich dann doch überreden. 16 Jahre lang hat er im Vorstand sowie im Arbeitskreis sein Wissen eingebracht. Ob bei der Kalkulation der Kartenpreise oder bei der Wetterfrage (Schlosshof oder doch die "regensichere" Bürenhalle), der Roßwäldener scheut keine Entscheidung, auch wenn er dafür den Kopf hinhalten muss.

Nur rumsitzen ist nicht sein Ding. "Ich muss was tun, und das richtig. So hat mich zum Beispiel das anfängliche Ein bissle Rumsingen im Chor nicht befriedigt. Also, habe ich mich zwei Jahre ausgeklinkt und währenddessen privaten Gesangsunterricht genommen. Jetzt singe ich als Bass bei der h-Moll-Messe mit", verrät der Tausendsassa.

Solang es ihm gesundheitlich gut geht, will er in der heißen Festivalphase da mitmischen, wo man ihn braucht. "Ich schaffe gerne, auch als Parkplatzwächter. Das Repräsentieren überlasse ich lieber den anderen. Und mittlerweile spanne ich ja meine ganze Familie mit ein", verrät er mit einem Schmunzeln.