Göppingen Entwürfe bergen Zündstoff

Göppingen / MARGIT HAAS 18.04.2012
Vier Stuttgarter Architekturstudenten haben ungewöhnliche Projekte für die Göppinger Innenstadt entworfen. Die Kunsthalle zeigt ihre Entwürfe. Die Ausstellungseröffnung wurde von Diskussionen begleitet.

Ein Stadtregal am Kornhausplatz, Terrassen an der Fils, interessante Wohnobjekte am Rande der historischen Altstadt - mit dem unbelasteten Blick der Auswärtigen, die von keinerlei kommunalpolitischer Diskussion beeinflusst sind, haben sich vier Stuttgarter Architekturstudenten zum Stadtgespräch gemacht. Ihre ungewöhnlichen Architekturentwürfe sind seit Montagabend in der Göppinger Kunsthalle zu sehen. Bereits bei der Eröffnung der Ausstellung wurde deutlich: die Vorstellungen von Vanessa Fischer, Dejan Mijailovic, Igor Ilic und Sang Hyong haben Zündstoff, polarisieren. Von "endlich etwas Gescheites" bis zu "so ein Quatsch" reichten die Reaktionen.

"Die Entwürfe geben Anstoß zu weiteren Entwicklungen und Diskussionen", hatte dann auch Baubürgermeister Olaf Brinker einleitend festgestellt. Denn das Projekt im Rahmen des Innenstadtforum 2030, das auf die Initiative von Nenad Popovic und Professor Erwin Herzberger von der Hochschule Stuttgart zurück geht, brachte eine Diskussion in Gange, die weit über die Einzelobjekte hinausging. "Nach einer Reihe von Großprojekten wollten wir kleinere Situationen betrachten und diese kleinen intelligenten Projekte zu einem großen Ganzen zusammen fügen", hatte Popovic betont. Insbesondere das Stadtregal von Vanessa Fischer war dabei auf Begeisterung gestoßen. "Es gibt völlig neue Impulse, die mit einem Nutzen den Platz erstaunlich verändern können", betonte Stadtplanerin Eva Noller. Für sie könnten die Entwürfe "einen Stein ins Rollen bringen für neue Projekte. Das fehlt ein bisschen in Göppingen", bedauerte sie. Und stellte die Frage in den Raum: "Brauchen wir immer einen Investor von außen?" Zu mehr Qualität können nach Ansicht von Christian Gaus Architektenwettbewerbe "auch an kleineren Objekten" beitragen. "Die Stadt könnte einen Eigentümerpreis ausloben", so sein Vorschlag und zudem einen Gestaltungsrat einsetzen. Der wird aber wohl an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt scheitern.

Zunächst soll aber in jedem Fall eine Gestaltungssatzung diskutiert und beschlossen werden. Fast 100 Besucher waren es, die nicht nur die Entwürfe der Studenten mit ihnen diskutierten, sondern sich auch lebhaft mit ihren Vorstellungen in die Diskussion einbrachten. Und wieder einmal nach der Rolle der Wohnbau bei der Erhaltung und Entwicklung eines qualitätvollen Stadtbildes fragten. Architektur müsse sich dabei "als Ausrufezeichen verstehen" ist die Überzeugung von Dejan Mijailovic. Und die gelte es "jetzt zu setzen", ist auch die Ansicht von Werner Meyer.

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